Bist Du in der Opferrolle? - Beitragsbild

Ausreden finden: Die Bequemlichkeit der Opferrolle

Filiz Scarcella Allgemein 4 Comments

Bist Du der Meinung, dass Du Dein Leben in der Hand hast? Oder denkst Du, Dein Schicksal ist dem Zufall ├╝berlassen und Dein Gl├╝ck entscheidet? Wenn ich vor Menschen ├╝ber Eigenverantwortung und Mindset spreche, t├Ânt des ├Âfteren Protest von irgendwo aus dem Raum. ÔÇ×Ja, das mag f├╝r Dich vielleicht funktionieren, ABER meine Situation ist ja vollkommen anders. Ich kann das nicht so einfach. Ich habe daf├╝r auch gar keine Zeit.ÔÇŁ

Diese Aussagen besch├Ąftigen mich. Bin ich vielleicht im Unrecht? K├Ânnen manche ihre Umst├Ąnde wirklich nicht ├Ąndern? Oder f├╝hlen sie sich einfach nur zu wohl in ihrer Opferrolle?

K├Ânnen wir unser Leben beeinflussen oder verfallen wir einfach in die Opferrolle.

Was Du ver├Ąndern willst, ist Dir ├╝berlassen.

Auch wenn ich bei meiner Arbeit mit F├╝hrungskr├Ąften und in meinen Texten haupts├Ąchlich ├╝ber die Zusammenarbeit von Vorgesetzten und Mitarbeitern spreche, bin ich doch ├╝berzeugt, dass alles irgendwie bei Dir selbst beginnt. Du musst Deine St├Ąrken kennen, um sie zu f├Ârdern. Du solltest eine gesunde Selbstwahrnehmung haben, um andere einsch├Ątzen zu k├Ânnen. Du solltest Empathie besitzen, um Mitarbeitergespr├Ąche effizient f├╝hren zu k├Ânnen. Gute und positive F├╝hrung beginnt bei Dir. All diese F├Ąhigkeiten, von denen ich soeben sprach, k├Ânnen weiterentwickelt werden. Wer weiss, dass es ihm schwer f├Ąllt zuzuh├Âren, der kann sogar dies trainieren! Du kannst Dich selbst ver├Ąndern - wenn Du es denn willst.

Opferrolle verlassen: Du wirst nur soweit kommen, wie Du es zul├Ąsst.

Vielleicht willst Du aber auch etwas anderes: Mehr Geld, einen Job, der f├╝r Dich Sinn macht, nettere Kollegen, einen k├╝rzeren Arbeitsweg. F├╝r jeden sieht das ÔÇ×IdealÔÇŁ anders aus. Arbeitest Du darauf hin, Deines zu erreichen? Nein? Warum nicht? ÔÇ×Weil ÔÇŽ (hier beliebige Ausrede eintragen) ÔÇŽ.ÔÇŁ

Warum ├Ąndern wir Umst├Ąnde nicht, wenn sie uns nicht gefallen?

Warum w├Ąhlen so viele Menschen die Opferrolle und sagen, sie k├Ânnen nichts ├Ąndern oder haben zumindest nicht die Schuld an ihrem Zustand? Daf├╝r gibt es ganz individuelle Gr├╝nde und eingefahrene Ansichten beruhen meist auf der Erziehung oder Erfahrungen.

Grund 1: Weil die Opferrolle einfach bequem ist

Wenn Du jammerst und die Schuld von Dir weisst, musst Du nicht aktiv werden. Alles was Du tust hat Konsequenzen, so auch Passivit├Ąt. Du ├╝bernimmst keine Verantwortung f├╝r Deine Lage und bist der Meinung sie nicht ├Ąndern zu k├Ânnen - eben weil Du ja nicht schuld bist. Klingt eigentlich ganz bequem, oder?

Grund 2: Weil es schwer sein kann, sich zu entscheiden

Solltest Du wirklich k├╝ndigen? Willst Du eine Weiterbildung machen oder nicht? Entscheidungen, die Deine Arbeit oder Dein Leben betreffen sind nicht einfach, keine Frage. Aber nur Du, weisst, was Du wirklich willst und hast die Macht. Mit Jammern kommst Du nicht weiter.

Grund 4: Weil Du nicht selbstsicher bist

Du schl├╝pfst in die Opferrolle, weil Du Dich wirklich f├╝r eines h├Ąltst. Du sehnst Dich nach Best├Ątigung und Anerkennung von anderen, um Dein Selbstwertgef├╝hl aufzupolieren.

Grund 3: Weil wir uns mit anderen vergleichen

Bewusst oder unbewusst - Wir vergleichen uns jeden Tag mit anderen Menschen, schon allein aus dem Grund, um mehr ├╝ber uns selbst zu erfahren. Oft verlieren wir (zumindest in unserem Kopf) genau diesen Vergleich. Es wird immer jemanden geben, der besser, sch├Âner, reicher, schlauer ist als Du. Kannst Du annehmen, dass Du nicht perfekt bist? Warum vergleichst Du Dich nicht statt mit der Kollegin mit Dir selbst von vor f├╝nf Jahren? Was kannst Du jetzt besser als damals?

Grund 4: Weil es angenehm ist, Mitleid zu erhalten

Viele Menschen pr├Ąsentieren sich ganz bewusst in der Opferrolle. Sie zeigen sich als benachteiligt und ÔÇ×ach so arm dranÔÇŁ und erhoffen sich hierdurch Trost und Aufmerksamkeit. Auf gut gemeinte Ratschl├Ąge reagieren sie h├Ąufig gar nicht, denn eigentlich wollen sie ja gar nichts ├Ąndern.
ÔÇ×Jetzt bist Du aber hart, Filiz!ÔÇŁ - Ja, vielleicht wollen es die Unschuldsl├Ąmmer nicht h├Âren, aber mit klaren Zielen und der Akzeptanz des Vergangen, geht es ganz leicht die Rolles des Opfers hinter sich zu lassen.

Grund 5: Weil es Dir besser geht, wenn Du nicht Schuld bist

Du kennst es sicher selbst: Lief etwas schief und Du hast Schuld, dann kann dieses Gef├╝hl wie ein Stein im Magen liegen. ÔÇ×Oje, wegen mir hat die Firma jetzt Geld verloren, wegen mir muss der Kollege ├ťberstunden machen.ÔÇŁ Da f├╝hlt es sich doch gleich besser an, wenn man diese Schuld abgeben kann. Gl├╝cklich durch Zero Verantwortung. ÔÇťKlar, ich habe da etwas vergessen, ABER ich hatte Herrn Meier gebeten mich zu erinnern. Das hat er nicht gemacht.ÔÇŁ Das beruhigt und best├Ątigt einen selbst.

Anzeichen f├╝r die Opferrolle k├Ânnen verbal sein.

Wenn es doch so sch├Ân ist: Warum Du die Opferrolle verlassen solltest.

In die Opferrolle hinein zu schl├╝pfen ist nicht schwer. Ausreden zu finden, warum Du etwas nicht tun willst oder kannst, ist nicht schwer. Um genau zu sein: Schuld von sich abzuweisen und sich mit Ausreden aus einer Situation heraus zu man├Âvrieren ist oft einfacher als anzupacken und Verantwortung zu ├╝bernehmen. Nur wirst Du dadurch weder erfolgreich noch gl├╝cklich.

Der erste Schritt, um die Opferrolle zu verlassen, ist dies ├╝berhaupt zu wollen. Das ist die Grundvoraussetzung. Es ist Deine Aufgabe daf├╝r zu sorgen, dass es Dir besser geht. Hierin liegt der gr├Âsste Vorteil des Rollenwechsels: Du tr├Ągst die Verantwortung und hast somit auch die Kontrolle. Du bist Deiner Situation nicht hilflos ausgeliefert.

Was ist der Ausweg aus der Opferrolle?

Reflektiere ganz genau, warum Du meinst, immer nach Ausreden zu suchen oder die Schuld auf andere zu schieben. Verh├Ąltst Du Dich nur in bestimmten Situationen oder gegen├╝ber bestimmten Menschen so? Es ist zum Beispiel ├╝blich, eigene negative Emotionen auf den Partner abzuladen. Da wird aus einer M├╝cke ein Elefant und somit vergessen, warum Du eigentlich mit Dir selbst unzufrieden bist.

Halte inne und ordne Deine Gef├╝hle!

├ťbung - 3 Schritte, um Dir bewusst zu machen, wann Du ÔÇ×ein OpferÔÇŁ bist

  • Schritt 1:

    Denke gut nach und dann mache Dir bewusst, wie oft Du heute durch ├Ąussere Einfl├╝sse oder andere Menschen Stress hattest? Nur ein paar Beispiele: Der Kollege hat zu lange gebraucht, um sich seinen Kaffee zu machen, dadurch wurdest Du aufgehalten und kamst zu sp├Ąt zum Meeting. Du hast schlecht geschlafen, weil Vollmond ist und darum bist Du heute nicht motiviert. Du kannst Dir kein neues Handy leisten, weil Du zu wenig verdienst. Ich bin mir sicher, Dir f├Ąllt noch eine ganze Menge mehr ein.

  • Schritt 2:

    Hast Du Dir einige dieser Situationen ausgesucht, dann erinnere Dich an Deine Reaktion. Wurdest Du w├╝tend? Ungeduldig?

  • Schritt 3:

    ├ťberlege Dir nun, was Dir Deine Reaktion gebracht hat. Hast Du konkret nach L├Âsungen gesucht, herzlichen Gl├╝ckwunsch! Alles andere hat Dich wahrscheinlich nicht weiter gebracht und Dir geht es nicht besser.

Besch├Ąftige Dich mit Dir selbst! M├Âglicherweise denkst Du viel zu schlecht von Dir selbst oder aber, dass Du besser bist als alle anderen. Moment mal! Reality Check! Auch wenn es nicht einfach ist: Arbeite an Deiner Selbstwahrnehmung und Deinem Selbstwertgef├╝hl!

Nimm Deine eigene Imperfektion an und realisiere, dass nun einmal nicht alles immer nach Plan verl├Ąuft. Das heisst aber nicht, dass Du jedesmal das Opfer bist, Dir alle nur B├Âses wollen und Jenny Dir das Stinkauge zuwarf, nur weil sie in Deine Richtung schaute. Nimm Dich selbst nicht zu ernst, bleib positiv und ├╝bernimm Verantwortung!

Wenn Dein Kollege in der Opferrolle ist

Kennst Du eine Person, die st├Ąndig Ausreden sucht? Weisst Dein Kollege vielleicht Dir immer die Schuld zu? Schreibe mir in die Kommentare, wie Du damit umgehst. Hast Du den anderen bereits darauf hingewiesen? Ich freue mich auf Deine Erfahrungen.

Teile diesen Beitrag auch mit Deinem sozialen Netzwerk. Vielleicht erreichst Du ja jemanden, der selbst versucht, der Opferrolle zu entkommen.

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Comments 4

  1. Ja, solche Situationen habe ich selber auch schon „ausprobiert“ und war in der Opferrolle – bis zum Burnout! Es ist ein langer Weg gewesen und heute – egal was auch immer ist – gehe ich davon aus, dass ich 100% verantwortlich bin – mein Gegen├╝ber ├╝brigens auch…
    The „Slight Edge“ (der kleine Vorsprung) ist dabei eines der spannenden B├╝cher, welche unterst├╝tzen um auf den Weg zu kommen.

    ├ťbrigens Filiz – gratuliere zum neuen Auftritt und Weg, den Du gehst !!!

    1. Guten Morgen Daniel,

      wow was f├╝r eine Geschichte. Ja das kann dann schnell in die Abw├Ąrtsspirale ├╝bergehen. Deshalb bin ich auch so froh, dass Du es erkennen kannst, dass es Du bist der verantwortlich ist. Auch wenn es so hart klingt und wenn das so ungerecht manchmal erscheint. Umso sch├Âner ist es, dass Du Deinen Weg immer wieder neu findest. Bleib am Ball – es wird immer besser. Und vielen DANK f├╝r die Blumen und das Kompliment ­čÖé Auch ich gehe immer weiter !

  2. Liebe Filiz
    Vielen Dank f├╝r die immer wieder sehr guten Newsletter von dir!
    Inzwischen arbeite ich in der Ostschweiz bei der Firma Metrohm AG in Herisau.
    Vielleicht sieht man sich ja mal wieder. Alles Liebe und herzliche Gr├╝sse!
    Bettina ­čÖé

    1. Liebe Bettina, sch├Ân von Dir zu lesen und auch, dass Du einen tollen Job hast. Ich w├╝nsche Dir alles gute und vielen DANK, dass Dir meine Themen gefallen und Du schon so lange dabei bist. Happy Day

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