Authentizität wird von jedem von uns verlangt. Aber was ist Authentizität eigentlich?

Authentizität – Sei mal ehrlich!

Filiz Scarcella Allgemein 3 Comments

Authentizität ist in. Super! Das bedeutet wir dürfen alle so sein, wie wir wollen, so wie wir wirklich sind. Wir können die Zwangsjacke ablegen, Emotionen zeigen, eine eigene Meinung haben. Wir können zu unseren Ängsten stehen und wenn wir eben mal nicht so gut drauf sind, dann darf der andere das auch ruhig spüren. Das ist doch authentisch, oder?

Hat der Kollege das eben zum Fünften Mal vermasselt, darf ich auch mal etwas lauter werden. Wenn ich nun mal ein Langschläfer bin, ist es ok, wenn das Meeting schon ohne mich beginnt. Wenn ich die Karriereleiter weiter hinaufklettern möchte, dann kann ich das ruhig über den Rücken meiner Mitarbeiter tun. Solange ich ihnen das offen sage, werden sie es schon verstehen. Schliesslich bin ich wenigstens authentisch.

Was ist Authentizität? Heisst Authentizität jede Emotion zeigen zu dürfen?

Funktioniert das so? Was verstehen wir denn eigentlich wirklich unter diesem Buzzword Authentizität, bei dem schon das Aussprechen schwerfällt?

Authentizität – Ein Definitionsversuch

Wir übersetzen Authentizität heute oft ganz einfach mit „Echtheit”. Ist ein Dokument authentisch, ist es echt, das Original. Ist ein Diamant, eine Silberkette, ein Goldring authentisch, sind die Schmuckstücke echt, rein und eben das, was sie versprechen. Bezogen auf Menschen wird die ganze Sache schon etwas schwieriger.

Auf Wikipedia wird Authentizität folgendermassen definiert:

Angewendet auf Personen bedeutet Authentizität, sich gemäss seinem wahren Selbst, d. h. seinen Werten, Gedanken, Emotionen, Überzeugungen und Bedürfnissen auszudrücken und dementsprechend zu handeln, und sich nicht durch äussere Einflüsse bestimmen zu lassen (Harter, 2002). “

Authentizität ist dann gegeben, wenn Denken, Fühlen, Handeln und Sprechen übereinstimmen.

Bei Authentizität stimmen das Denken, das Handeln, das Sprechen und das Fühlen überein.

Arbeitest Du zum Beispiel für ein Casino, lehnst Glücksspiele aber grundsätzlich ab, verstösst Du gegen Deine Werte und Prinzipien. Du führst dann also kein authentisches Leben, sondern spielst lediglich eine Rolle und erfüllst Erwartungen. Zwar lernen wir genau das seit unserer Kindheit – eine Rolle spielen, ein tapferer Indianer sein, uns zurückhalten – aber auf Dauer macht dieses Spiel nicht glücklich.

Der Wunsch nach Authentizität

Authentizität wird heute als einer der Top Erfolgsfaktoren angesehen. Unternehmen suchen händeringend nach neuen, jungen Führungskräften und in den Stellenanzeigen wird gezielt um authentische Persönlichkeiten geworben. Warum? Warum ist uns Menschen Authentizität so wichtig?

Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Auf der einen Seite will natürlich keiner von uns belogen werden. Wir wollen Vertrauen und dieses Gefühl baut nun einmal auf Offenheit, Unverfälschtheit und Glaubwürdigkeit auf. Auf der anderen Seite scrollen wir abends auf der Couch durch Facebook, Instagram und Co. und schauen uns die ach so schönen Leben der Influencer, Stars und Sternchen an. Immer mit blitzeweissen Zähnen hinter dem Colgate-Lächeln, mit gebräunter Haut und straffem Bauch. #ichbinwieichbin #imhappy #reallife Wirklich?

Authentizität - Sind Influencer wirklich authentisch? Sind wir heute noch wirklich authentisch?
Gerade weil es heute so schwierig ist zu wissen, wann etwas oder jemand echt ist und nicht nur gespielt authentisch, sehnen wir uns so nach dem Gefühl Vertrauen zu können. Wir sind so oft so skeptisch, dass wir selbst im Supermarkt das Biofleisch zweimal umdrehen, um sicherzugehen, dass das auch wirklich, wirklich Bio ist. In unsicheren, sich stetig ändernden Zeiten wie heute, hat Glaubwürdigkeit einen enorm hohen Wert.

Wie würdest Du aber nun reagieren, wenn Dich Dein Projektleiter anschreit, weil er eben einen schlechten Tag hat? Würdest Du Dir denken „Na, schön ist das jetzt ja nicht aber wenigstens ist er authentisch” oder würdest Du die Fäuste in die Hüften nehmen: „Ja, so kann er ja jetzt nicht mit mir reden. Der soll sich mal ein bisschen zusammenreissen.”

Authentizität schön und gut aber bitte nur die, die mir passt. Wirklich sympathisch ist Echtheit doch nur dann, wenn sie unseren Vorstellungen entspricht. Ein authentisches Arschloch mag trotzdem keiner.

Wie viele Rollen spielst Du?

Wir alle spielen täglich verschiedene Rollen. Morgens im Bett nochmal schnell ganz kuschelig mit dem Partner frühstücken, dann aber im Büro die knallharte Geschäftsfrau. Emotionen Fehlanzeige. Abends werden dann beim Konzert die Haare offen getragen und die wilde Katze kommt heraus. Da fragen wir uns schon mal: „Wer bin ich eigentlich?”

Authentizität und authentisch scheint schliesst nicht aus, in verschiedene Rollen zu schlüpfen.

Das herauszufinden ist gar nicht mal so einfach. Eine gesunde Selbstwahrnehmung ist die Basis für emotionale Intelligenz. Warum handle ich jetzt genau so? Warum fühle ich jetzt genau so? Ist das jetzt nur mein Ego oder wirklich, wirklich ich?

Welche Rolle wir spielen hängt oft mit den Erwartungen zusammen, die an uns gestellt werden. Bist Du eine Führungskraft, dann erwartet die Unternehmensleitung, dass Du mit Deinem Team Ziele umsetzt. Deine Mitarbeiter erwarten, dass Du Dich für sie einsetzt, sie förderst und forderst. Zu Hause erwartet Dein Partner, dass Du das Handy aus der Hand legst und am Feierabend die Arbeit Arbeit sein lässt.

Sich der eigenen Rollen bewusst zu sein, schafft Freiheit. Ich weiss, wer ich in dieser Situation bin und welche Emotionen ich dann habe. Ich kann nun entscheiden, wie ich mit diesen umgehe: Herauslassen oder aber eben nicht jeder Laune nachgeben und die Kontrolle behalten. Wer allerdings morgens mit hochgezogenen Mundwinkeln ins Büro kommt und „Guten Morgen” ruft, die Kollegen aber eigentlich nicht ausstehen kann, ist auch wieder nicht authentisch. Oft sagt die Körpersprache etwas ganz anderes aus, als die Worte, die da aus dem Mund kommen. Wer gekünstelt wirkt, ist nicht glaubwürdig und dem wird in der Folge auch kein Vertrauen geschenkt. Wie denn nun? Selbstkontrolle oder Authentizität – ist das ein Widerspruch?

Emotionale Intelligenz vs. Authentizität – Ein Widerspruch?

Authentische Menschen wissen wer sie sind, wie sie auf andere wirken und wie sie fühlen. Eine authentische Führungskraft legt ein Verhalten an den Tag, das klar mit ihren Werten und Prinzipien übereinstimmt. Das eigene Selbst, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse werden nach aussen kommuniziert aber ein gewisses Mass an Selbstkontrolle muss stets gegeben sein. Würden wir jeden Tag unseren Launen folgen, sind wir schliesslich nicht berechenbar, wenn wir die Sache mit der Authentizität zu ernst nehmen, verlieren wir den distanzierten Blick auf die ein oder andere Situation. Ist derjenige ein gutes Vorbild, der ständig Gefühlen freien Lauf lässt?

Emotionale Intelligenz ist und bleibt der Erfolgsfaktor Nummer 1 – Nicht nur die eigenen Emotionen kennen, sondern auch wissen, wie wir sie beeinflussen können. Damit das funktioniert und eben nicht im Widerspruch zu Authentizität steht, ist ganz bewusste Selbstreflexion gefragt. Wie fühle ich mich gerade und warum? Ist es sinnvoll diese Gefühle jetzt zu kommunizieren? Und wenn ja, wie kommuniziere ich sie? Nicht nur das was, sondern vor allem auch das wie spielt bei Interaktionen eine grosse Rolle.

5 Tipps für mehr Authentizität

  • Sei ehrlich zu Dir selbst!

    Erst, wenn Du ehrlich zu Dir selbst bist und Dir bewusst wirst, warum Du wann wie handelst, kannst Du Dein wahres Selbst finden. Schau ganz genau in den Spiegel und akzeptiere Dich so, wie Du bist. Einfacher gesagt als getan, keine Frage, aber gesunde Selbstwahrnehmung ist nun einmal die Basis für Authentizität.

  • Übernimm Verantwortung und steh zu Deinen Fehlern!

    Nichts zerstört Vertrauen und Glaubwürdigkeit mehr als jemand, der sich versucht aus seiner Verantwortung herauszuwinden. Dir ist ein Fehler passiert? Das ist ok! Steh dazu!

  • Mache Echtheit und Klarheit zu Deinen Grundsätzen!

    Kommuniziere ganz klar, was Du erwartest und sei transparent, wenn es um Unternehmensziele geht! Beziehe Deine Mitarbeiter in Entscheidungen mit ein und spreche ganz offen an, wenn Du Bedenken hast! Wahrheit und Klarheit sind, worum es bei Authentizität geht.

  • Akzeptiere Authentizität bei anderen!

    Du hast Ecken und Kanten und solltest Dich dieser auch nicht schämen. Wer authentisch ist, der ist sich auch seiner Schwächen bewusst und akzeptiert diese. Bei einem selbst, fällt genau das manchmal leichter, als bei anderen. Keiner von uns ist perfekt und Du musst nicht jeden mögen. Lerne trotzdem andere genau so zu akzeptieren, wie sie sind.

  • Sei konsequent!

    Schwing Dein Fähnlein nicht einfach nur mit dem Wind, sondern stehe zu Deinen Werten. Ein Opportunist wirkt nie authentisch. Verhalte Dich so, wie Du es auch von anderen erwartest.

Sei Dir Deiner Verantwortung bewusst!

Authentizität ist erlernbar und beginnt ganz bei Dir selbst. Lerne Dich selbst, aber auch die Rollen kennen, in die Du Dich täglich begibst. Hier muss es keinen Widerspruch, keine Trennlinie geben. Du bist, was Du lebst. Bleib Dir aber immer auch Deiner Verantwortung bewusst! Hast Du einen schlechten Tag und lässt Deine miese Laune an Deinen Kollegen aus, so beeinflusst dies die Stimmung und das mentale Klima im Team.

Sei offen und transparent! Lass Deine Mitarbeiter an Entscheidungen teilhaben, gib Fehler zu und lache über Dich selbst! Du musst nicht über jeden Schritt, jede Entscheidung, jedes Lächeln oder jedes Wort grübeln aber sei Dir bewusst, dass Dein Verhalten Konsequenzen hat.

Schlussendlich geht es darum, dass Du glücklich bist. Du wirst nicht glücklich werden, wenn Deine Werte nicht mit Deinem Tun, Deine Worte nicht mit Deinen Prinzipien übereinstimmen. Sei zuallererst immer ehrlich zu Dir selbst!

Was meinst Du? Verstehst Du Authentizität anders?

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Comments 3

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  2. Ich bin der Meinung, dass Authentizität nicht lernbar ist. Entweder Authentizität ist da oder nicht. Wenn ich mich selbst authentisch fühle, heißt dass noch lange nicht, dass die Menschen um mich herum, mich als echt empfinden bzw. als Original und umgekehrt ebenso.

    In der Mehrheit der eigenen Kontakte, prüfen die Menschen meine Echtheit nicht (mehr), weil sie mir vertrauen und eine Überprüfung nicht (mehr) notwendig oder gewollt ist. Sie müssen sich vor der möglichen Lüge nicht mehr schützen.

    Nun, ich bin ich und ein Jeder, der von außen versucht, mir zu erzählen, mir beizubringen, mir zu suggerieren, das ist mein ich, das bin ich, verändert meine Authentizität und im schlimmsten Fall manipuliert er sie und macht wohl möglich noch eine Marionette aus mir.

    Ich meine, die eigene Authentizität orientiert sich an einem Vorbild und meistens sind die Eltern die Ersten, die dieses Vorbild verkörpern. Was meine Eltern mir vorgelebt haben, führt zur Entwicklung meiner Authentizität. Die Dominanz der Eltern nimmt diesbezüglich zwar ab, Peergroups etc. beeinflussen mein sich echt fühlen und auch sozialer, politischer, gesellschaftlicher Wandel spielt mit. Die 68ziger stellten das elterliche Vorbild in Frage oder lehnten sich gar dagegen auf. Auflehnung beeinflusste plötzlich die Bildung eigener Authentizität/ganzer Authentizitäten. Und heute macht das Internet das finden der eigenen Authentizität nicht weniger leicht.

    Hm, ein Opportunist wirkt nie authentisch steht unter Nr. 5 – dann muss Marx ein Scharlatan gewesen sein. Diese Bewertung zeigt einen Standpunkt einen gesellschaftlichen, politischen, persönlichen etc. Standpunkt. Damit möchte ich schließen: Denn wenn erst Bewertungen in die Betrachtung von Authentizität einfließen, wird mit der Schöpfung einer Marionette begonnen oder sie ist bereits in vollem Gange.

    1. Hallo Martin,
      vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine Gedanken. Ich stimme Dir in grossen Teilen zu, doch bin ich der Überzeugung, dass wir Authentizität fördern können.

      Zuerst einmal bedarf Authentizität immer einer kritischen Selbstreflexion – die durchläuft nicht jeder unbedingt automatisch, sondern sie erfordert ein Auseinandersetzen mit den eigenen Werten, Fähigkeiten und dem eigenem Mindset. Das bedeutet auch eine Reflektion der eigenen Vorbilder, der „Influencer“, denen wir folgen und der Erfahrungen, die wir gemacht haben. Eine gesunde Selbstwahrnehmung ist die Basis, um an den eigenen Kompetenzen zu arbeiten und die eigenen Stärken zu stärken. 


      Liebe Grüsse
      Filiz

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