Beitragsbild Effectuation in Entrepreneurship

Effectuation – Neues Denken ohne Ziel?

Filiz Scarcella Allgemein Leave a Comment

Ich möchte Dir vorerst den Begriff “Effectuation” an einem Beispiel verdeutlichen:

Was gibt es heute zum Abendessen? Weisst Du noch nicht genau? Ok, dann hast Du jetzt zwei Möglichkeiten.

Du kannst Dir ein Rezept aussuchen, schauen, welche Zutaten Du bereits hast und welche Du noch einkaufen musst. Hast Du alles beisammen, kann das Kochen beginnen. Du hältst Dich genau ans Rezept und zauberst etwas Tolles. Ziel erreicht!

Du könntest allerdings auch einfach in Deinen Kühlschrank schauen. Welche Zutaten habe ich? Was steht mir zur Verfügung und was kann ich daraus mit meinen Kochkünsten zubereiten? Auch so wirst Du an ein Ziel kommen – eines, was Dir nicht von vornherein klar ist.

Beispiel zum Thema Effectuation

Was ist Effectuation?

Effectuation ist ein Entscheidungs-Ansatz, der dann zum Einsatz kommt, wenn eine Situation unsicher beziehungsweise ungewiss ist. Die Logik wird vor allem im Unternehmertum angewandt, wenn es darum geht neue Märkte, Geschäftsmöglichkeiten und -modelle zu entwickeln, für die es keine klaren Prognosen gibt.

Handelst Du effectuativ, dann triffst Du Entscheidungen auf der Basis Deiner Ressourcen, also Deines Wissens, der Mittel, die Du bereits hast und den Menschen, die Du kennst. Formst Du neue Partnerschaften, dann eröffnen sich somit für Dich neue Ressourcen. Lernst Du etwas Neues oder scheitert eines Deiner Projekte, steht Dir neues Wissen, also ein neues Mittel zur Verfügung.

Die Theorie hinter diesem Denk- und Handlungsprinzip wurde erstmals von der Professorin und Forscherin Dr. Saras Sarasvathy entdeckt. Sie setzte sich mit unternehmerischer Expertise und Entscheidungsprozessen auseinander, führte zahlreiche Interviews mit Entrepreneurs durch und “hörte ihnen beim Denken zu”. Eines hatten viele dieser innovativen Unternehmer gemeinsam: Effectuation.

Effectuation: Zitat von Willy Brandt zur Gestaltung der Zukunft

Sarasavathy entwickelte ein Prinzip, das sie “Bird in Hand” nennt. Dabei handelt es sich um die drei Hauptressourcen, die jedem von uns zur Verfügung stehen und die als Ausgangspunkt für alle Entscheidungen genommen werden können.

  • Wer bin ich?
  • Was weiss ich?
  • Wen kenne ich?

Projekte mit einem hohen Grad an Ungewissheit werden von vielen Entrepreneurs mit diesem “Bird in Hand”-Konzept angegangen. Statt Zeit darin zu investieren, wie genau die Strategie aussehen könnte, um ein klares Ziel zu erreichen, wird sich darauf fokussiert, was Du bereits hast, kannst und wem Du kennst.

Klare Ziele in unklaren Situationen – Geht das überhaupt?

Die Effectuation Idee klingt gruselig und risikoreich, oder? Etwas ohne ein klares Ziel vor Augen angehen, keine Strategie haben – Ist das nicht genau das Gegenteil von dem, was uns die klassische Management-Lehre versucht einzutrichtern? Du brauchst ein Ziel, ohne das geht gar nichts. Ist dieses einmal formuliert, überlegst Du Dir Deine Strategie und suchst Dir die nötigen Mittel zusammen, die Du brauchst. Das bedeutet auch, dass Du genau die richtigen Mitarbeiter brauchst, genau die richtigen Kunden, also die Zielgruppe, auf der Deine Strategie aufbaut.

Nun befindet sich unsere Gesellschaft, unsere Anforderungen, unsere Wirtschaft aber stets im Wandel – heute mehr denn je. In unserer VUCA-Welt ist vieles ungewiss. Werden Märkte in ein paar Jahren überhaupt noch bestehen? Welche Fortschritte werden wir in der Digitalisierung machen? Wie verändert sich unsere Art und Weise zu arbeiten, Stichwort: New Work?

Unterschied zwischen kausalem Denken und Effectuation

Diagramm der Effectuation Logik

Es gibt Dinge, Situationen selbst Aufgaben, die gewiss sind, während es eben andere nicht sind. Das klassische, kausale Denken ist nicht unbedingt kreativ. Es wird vielleicht nichts innovatives geschaffen aber Du gelangst ans Ziel. Manchmal ist genau das die richtige Vorgehensweise.

In anderen Situationen, wenn es keine Prognosen, kein Wissen über Wahrscheinlichkeiten gibt, dann ist Effectuation erfolgreicher.

Ein Beispiel:
Stell Dir vor, Du bist Webdesigner und hast für einen Deiner Kunden eine Webseite erstellt. Dieser möchte nun, dass Du oben links eine Suchfunktion einfügst. Er hat eine Vorstellung von der Form des Suchkastens und weiss sogar, wie das kleine Lupen-Symbol aussehen soll. In diesem Fall ist es angebracht, wenn Du kausales Denken einsetzt. Du legst genau fest, was bis wann gemacht werden muss, damit Dein Kunde glücklich ist.

Eine neue Klientin kommt auf Dich zu und bittet Dich, auch Ihre Webseite zu erstellen. Zwar weiss sie, wer zu ihrer Zielgruppe zählt und das sie zukünftig mit ihrem Online-Shop erfolgreich werden will aber sie hat keine Vorstellung vom Design oder der eigentlichen Funktionalität ihres Internetauftrittes. Du könntest Dich nun hinsetzten, stundenlang Recherche betreiben und eine Strategie zur Erstellung der perfekten Webseite ausarbeiten. Aber: Was passiert, wenn sich während Deiner Arbeit einer der Faktoren ändert? Was, wenn sich die Wünsche des Klienten ändern? Hier könnte Effectuation zum Einsatz kommen. Statt ein klares Ziel zu definieren, konzentrierst Du Dich erst darauf, was Du bereits weisst und entscheidest dann, was der nächste Schritt ist. Während Du an der Webseite arbeitest und dabei mehr und mehr hinzu lernst, kannst Du den Kurs Deines Projektes danach anpassen, welche Möglichkeiten sich ergeben.

Wer ein erfolgreiche Führungskraft oder ein innovativer Entrepreneur, der sollte in der Lage sein beide Modelle anzuwenden.

Wie Du Effectuation für Dein Leben anwenden kannst?

Auch wenn in diesem Artikel viel von Unternehmertum, Geschäftsmodellen und der Management-Lehre die Rede ist, lässt sich Effectuation im Leben jedes Einzelnen von uns anwenden.

Möchtest Du zum Beispiel ein Problem lösen, bei dem Kreativität gefragt ist, suchst Du nach einem Weg, neuen Schwung, mehr Innovation in Dein Leben zu bringen, weisst aber nicht, wo Du anfangen sollst, dann empfehle ich Dir: Höre auf zu planen und beginne zu handeln! Überlege Dir, wer Du bist, was Du weisst und wer zu Deinem Netzwerk gehört. Kennst Du jemanden, der genauso denkt wie Du und mit dem eine Partnerschaft interessant wäre? Nutze die Chancen, die Dir gegeben werden, freue Dich über Zufälle und baue sie aus.

Auch wenn vieles noch ungewiss ist: Anpacken statt Rausreden! Denn wenn Du jammerst, wird sich für Dich leider nichts weiter ergeben, als das was Du dafür tust.

In der folgenden Infografik siehst Du, wie die Effectuation Logik abläuft.

Infografik Effectuation - So läuft der Entscheidungsprozess mit Effectuation ab

Diskutiere mit mir zum Thema Effectuation!

Für vieles alltägliches, für wiederkehrende Situationen schreibe ich mir gern meine Erfolgspläne. Ich setze mir Ziele und freue mich über den Motivationsschub, den ich spüre, wenn ich meine Meilensteine erreiche. Kausales Management-Denken bleibt weiterhin wichtig.

Nicht jeder ist Fan der Effectuation-Logik und sicherlich fühlt sich so mancher Weg zu mehr Innovation erst einmal sehr holprig und nach “trial and error” an, aber genau das ist das spannende. Sind die Bedingungen ungewiss, werden ganz neue Chancen und neue Partnerschaften möglich, die mit dem strengem, klassischem Denken unter Umständen nicht zustande gekommen wären.

Was ist Deine Meinung? Triffst Du Entscheidungen nach der Effectuation-Logik?

Hinterlasse mir gern einen Kommentar und teile diesen Artikel in Deinem sozialen Netzwerk! Vielleicht erreichst Du damit jemanden, der sich gerade Gedanken dazu macht.

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