Dein Ego: Wie steht es um Dein Ego - Selbstwahrnehmung

Ego vs. Selbstbewusstsein: Wie Dein Ego Dein Leben beeinflusst

Filiz Scarcella Allgemein 7 Comments

Als Kind wurde mir oft gesagt, was ich NICHT kann, worin ich NICHT gut bin. Zuerst war das fĂŒr mich in Ordnung. Ok, ich bin Filiz und ich kann diese Sachen gut, diese vielen Sachen aber eben nicht so gut. Das ist ok so. Das bin ich.

Das war das Selbstbild, dass ich von mir hatte - mein Ego. Ich dachte, dass ich genau die Person bin, von der mir alle erzĂ€hlten, dass ich sie sei und genau so verhielt ich mich auch. Mir wurde einmal gesagt, ich sei immer „so laut”. Daraufhin wurde ich leiser (allerdings nur fĂŒr eine Weile). Ich versuchte mich anzupassen, nur so laut zu lachen, wie es andere auch taten, immer in dem Rahmen zu bleiben, der angemessen schien.

Anderen wird in der Schule gesagt, sie seien „sprachlich begabt”. Sie wĂ€hlen daraufhin dementsprechend ihr Studium aus, bis sie bemerken, dass Physik sie viel mehr interessiert.

Zitat Ego von John Bradshaw

Was genau ist „das Ego” eigentlich?

Wir alle werden ohne jegliche Vorstellung davon geboren, wer wir sind. Wir suchen uns unseren Namen nicht aus, wir entscheiden anfangs nicht, was wir anziehen, wir sprechen die Worte, die wir von anderen lernen. Unsere Umwelt formt uns, unsere EindrĂŒcke, Erfahrungen und Beziehungen kreieren in unseren Köpfen ein Selbstbild. Wir bauen dieses komplizierte Konstrukt aus den Meinungen und den Aussagen anderer und lassen uns von ihm beherrschen. Das hört auch nach der Kindheit nicht auf. Wir denken, wir sind was wir besitzen, sind, was unser Jobtitel sagt. Ich bin, was ich habe, was ich weiss und welche Leute ich kenne.

Unser Ego bestimmt, wie wir uns fĂŒhlen, verhalten und welchen Status, welchen Wert wir uns selbst zuschreiben. Unser Ego hat so viel, aber eigentlich auch wieder ĂŒberhaupt nichts mit uns zu tun. Es gehört zu uns, sollte aber mit einer gehörigen Portion Abstand betrachtet werden.

Prinzipiell weiss doch niemand ausser mir selbst, was ich gut kann. Nur ich selbst kann wissen, wer ich wirklich bin.

Warum Du Dich nicht auf Dein Ego verlassen darfst

Dein Ego gibt Dir einen fiktiven Rahmen vor und macht Dich abhĂ€ngig. Du meinst nur dann glĂŒcklich sein zu können, wenn Du das und das erfĂŒllst, wenn Du das und das besitzt und Dich soundso verhĂ€ltst.

Auf dieser Basis bewertest Du dann auch andere. Du vergleichst Dich mit Deinen Mitmenschen. Aus Selbstbewusstsein kann schnell Arroganz werden, aus SchĂŒchternheit, Angst.

Wann hast Du das letzte Mal versucht alleine Deines Egos wegen Recht zu bekommen? Was hast Du gefĂŒhlt, als Du vor versammeltem Team im Meeting ein Lob erhalten hast? Hast Du Dich dann nicht auch ein wenig in SelbstgefĂ€lligkeit gesuhlt? Kennst Du das Zwicken im Magen, wenn jemand eines Deiner Projekte kritisiert und Ă€ndern möchte?

Es sind alles Schichten, mit denen Du Dich umgibst: Dein Job, Dein Titel, Deine BesitztĂŒmer. Und wehe dem, der eine Deiner Schichten durchdringen will.

Dein Ego sind Schalen, die Du aus Deinen Erfahrungen und den Meinungen anderer aufgebaut hast.

Hast Du kĂŒrzlich die Diskussion mitbekommen, die durch den Twitter-Post einer australischen Akademikern ausgelöst wurde? Sie beschwerte sich virtuell bei einer Fluggesellschaft, dass sie von der Flugbegleiterin beim CheckIn mit „Frau SoundSo”, statt mit „Dr. SoundSo” angesprochen wurde. Sie sagte, es gehe ihr hierbei darum, dass sich die Situation anders abgespielt hĂ€tte, wenn sie ein Mann wĂ€re. NatĂŒrlich stimme ich ihr zu: Wir alle sollten unsere Erfolge feiern und jede Frau (und jeder Mann) sollte stolz auf die eigenen Leistungen sein. Nur stellt sich die Frage, ob hier nicht auch das Ego der Dame eine entscheidende Faktor gespielt hat. Hat sie sich selbst angegriffen gefĂŒhlt oder ihr Ego? Schreibe mir gern hierzu Deine Gedanken in die Kommentare!

Wer ein grosses Ego hat, wer also viele dieser Schichten und Schalen besitzt, die das eigentliche „Selbst” verdecken, der fĂŒhlt sich schneller angegriffen. Unsicherheit, Zorn, Neid und Gier sind GefĂŒhle, die durch unser Ego ausgelöst werden können. Wie wir uns selbst sehen, bestimmt, wie wir uns fĂŒhlen.

Echtes SelbstwertgefĂŒhl vs. Ego

„Na, das ist doch prima. Mein Ego treibt mich dazu an, immer alles perfekt zu machen, immer besser zu werde. Das ist doch toll.”, magst Du nun denken. Prinzipiell schon. Es ist gut Ziele zu haben, es ist gut, wenn Du an Dir selbst arbeiten und aktiv werden möchtest. Nur wirst Du nicht glĂŒcklich werden, wenn Du es aus den falschen GrĂŒnden tust. Es kommt ganz darauf an, welche Haltung und welche Erwartungen Du mit Deinen Anstrengungen verknĂŒpfst. Strengst Du Dich auf der Arbeit nur an, weil Du Dich nach dem Lob des Vorgesetzten sehnst? Putzt Du Dich am Samstagabend nur darum heraus, um Komplimente zu erhalten?

Dein Ego kann Deinem SelbstwertgefĂŒhl so richtig im Wege stehen.

Eine Unterhaltung zwischen Ego und Selbstbewusstsein:

Ego: „Ich bin CEO eines grossen Unternehmens und ein ganz dicker Fisch. Ich kann mehr als alle anderen.”
Selbstbewusstsein: „Klar, ich bin stolz darauf, dass ich es bis zum CEO geschafft habe aber viel wichtiger ist mir, dass mir die Arbeit wirklich, wirklich Spass macht. Mein Wert hĂ€ngt nicht von meinem Job ab.”

Ego: „Schon, aber durch meinen Job kann ich mir all diese tollen Dinge leisten. Es ist mir wichtig mehr zu haben, als andere.”
Selbstbewusstsein: „Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe.”

Ego: „Das klingt, als wĂ€re Dir unser Job nicht wirklich wichtig. Ich selbst mache mir grosse Sorgen um die Zukunft. Was ist, wenn ich meine Arbeit verliere? Dann muss ich mein Auto verkaufen. Was soll mein Nachbar von mir denken?”
Selbstbewusstsein: „Keine Sorge! Egal, was passiert. Wir werden die Situation schon meistern. Vertraue in Deine FĂ€higkeiten und mache Dir keinen Kopf darĂŒber, was andere denken.”

Ego: „Aber Du stimmst mir zu, dass es sich so, so gut anfĂŒhlt, die BestĂ€tigung anderer zu erhalten. Ohne Lob (und vielleicht auch ein bisschen ohne den Neid der anderen) wĂ€re die ganze Sache doch sinnlos.”
Selbstbewusstsein: „Da stimme ich nicht zu. Ich weiss, wer ich bin und kann meine FĂ€higkeiten einschĂ€tzen. Anerkennung ist fĂŒr menschliche Beziehungen wichtig, aber ich fĂŒhle mich auch ohne Lob vollkommen.”

Du kannst also selbstbewusst sein, ohne ein aufgeblasenes Ego zu haben und Du kannst ein Riesen-Ego haben, ohne eigentlich echtes SelbstwertgefĂŒhl zu haben. Es kommt immer auf die Intention an. Handelst Du aus eigener Überzeugung, aus Angst oder um es jemand anderem Recht zu machen? Höre mal ganz genau in Dich hinein!

Muss ich mein Ego ablegen?

„Der hat ein Riesen-Ego! Der muss mal von seinem Ego-Trip runterkommen.” - Geht das denn ĂŒberhaupt? Können wir unser eigenes Ego ablegen? Ich denke, nicht. Es ist ein Teil von uns, genau wie es eben die Erfahrungen sind, die es geformt haben. Das heisst aber noch lange nicht, dass es mich dirigiert und mein SelbstwertgefĂŒhl bestimmt.

3 Tipps, wie Du die Oberhand gewinnst

  • Realisiere, dass Dein Ego nicht Dein „wahres Ich” ist
    Werde Dir Deiner „Selbst” bewusst! Probier es selbst einmal aus und Du wirst sehen, wie gut es tut. Schau Dich selbst im Spiegel an! Was sind Deine StĂ€rken und SchwĂ€chen? Hinterfrage die Intention Deiner Handlungen! Was treibt Dich an?

Dein Ego bestimmt Dein Leben und ĂŒbernimmt gern die ein oder andere Entscheidung fĂŒr Dich.Dir Deiner Selbst und Deines Egos bewusst zu werden ist der erste Schritt zu mehr echtem SelbstwertgefĂŒhl.

Wer hat wann das Sagen? Wer hat wann die Oberhand? Ist es Dein Ego, dass Dich gerade sprechen oder handeln lÀsst, dann mache Dir dies bewusst und versuche Dein Selbstbild aktiv aufzubrechen.

  • Lache ĂŒber Dich selbst
    Im Endeffekt triffst Du Deine Entscheidungen, nicht Dein Ego. Werde Dir dessen bewusst. Regst Du Dich darĂŒber auf, wenn Du meinst etwas nicht zu können oder aber, wenn Du denkst, ĂŒber allen anderen zu stehen, erinnere Dich daran, dass Du doch eigentlich stĂ€rker bist als Dein Ego! Lache ĂŒber Deine Gedanken. Nimm Dich selbst nicht zu ernst!
  • Verlasse den fiktiven Rahmen, den Dir Dein Ego gesteckt hat
    Was heisst das genau? Gehe hinaus und mach! Trau Dich Neues auszuprobieren, verlasse Deine Komfortzone und nimm auch die Situation an, die vielleicht nicht in Dein aktuelles Selbstbild passen! Bemerkst Du zum Beispiel, dass Du Dich in einem Meeting zurĂŒck ziehst, weil Dir Dein Ego sagt, Du seist schĂŒchtern, dann versuch doch mal genau das Gegenteil - Trage etwas bei!
    Es erfordert Mut, keine Frage aber Deine GefĂŒhle, werden Dir schon die Richtung zeigen.

    Übe Dich im Zuhören, zeige Interesse an anderen ganz ohne Vergleiche zu ziehen und vertraue - nicht nur Dir selbst sondern auch anderen!

Nun, wie steht es um Dein Ego? Ist Dir schon einmal aktiv bewusst geworden, wenn Dein Ego Dein Handeln bestimmt hat? Schreibe mir gern die letzte Situation, in der dies der Fall war, in die Kommentare!

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Comments 7

  1. Hallo Frau Scarcella,
    beim lesen Ihres Beitrages habe ich mich gerade im Spiegel gesehen. Ich bin derzeit in einer Situation, in der mich mein Ego und SelbstwertgefĂŒhl einen Schlagabtausch liefern. Quasi das Engelchen und Teufelchen auf meinen Schultern. Ich kann nur bestĂ€tigen, dass es verdammt viel Mut und Überwindung kostet, das Ego zu besiegen. Das schöne ist, sobald ein Erfolg beim SelbstwertgefĂŒhl zu erkennen bzw. zu spĂŒren ist, beflĂŒgelt das und verĂ€ndert auch ein stĂŒckweit das Ego Bild. FĂŒr mich als FĂŒhrungskraft entwickelt sich dieser „Kampf“ zwischen SelbstwertgefĂŒhl und Ego gerade zu einer komplett neuen Sichtweise auf Dinge, die vorher normal oder selbstverstĂ€ndlich waren. Und wenn ich mich dann noch in BeitrĂ€ge wie diesen wiederfinde, motiviert/inspiriert das um so mehr.
    An der Stelle muss ich erfahrungsgemĂ€ĂŸ auch sagen, dass alles sehr viel mit Feedback und Selbstreflexion zu tun hat. Leider unter vielen FĂŒhrungskrĂ€ften viel zu wenig beachtet und praktiziert (zumindest in meinem Unternehmen).
    Daher bin ich immer dankbar ĂŒber solch inspirierende BeitrĂ€ge. Danke!

    1. Hallo Markus,
      vielen Dank fĂŒr Deinen offenen und ehrlichen Kommentar.
      Dieser Kampf, den Du so gut beschreibst, ist wahrscheinlich jedem bekannt, der sich wirklich mit sich selbst auseinandersetzt. Der Abgleich zwischen Fremd-, Selbstwahrnehmung und dem, was einem wirklich wichtig ist.

      Das Thema liegt mir persönlich wirklich sehr am Herzen und ich habe mich ĂŒber Deine Gedanken hierzu sehr gefreut.

      Viele GrĂŒsse
      Filiz

  2. Ich habe vor kurzem abgesagt zu einer Familienfeier zu gehen, weil es sich fĂŒr mich schlecht angefĂŒhlt hat dort aufzutauchen, da mich jemand zutiefst verletzt hat und ich dieser Person einfach nicht begegnen wollte. Mein Ego hat getobt „Du musst da hin, das gehört sich doch so, was werden die anderen sagen….“ Aber: Ich hab es durchgezogen und bin nicht hingegangen. Ich konnte fĂŒhlen, dass sich meine Seele im Frieden gefĂŒhlt hat, aber mein Gewissen hat sich natĂŒrlich gemeldet und ich bin ĂŒberzeugt, dass ich jetzt das „schwarze Schaf“ bin.

    Ich stecke noch mitten in diesem Prozess, aber ich werde nicht wegen meines Egos nachgeben, damit die anderen ihren Frieden haben, sondern werde auf mein GefĂŒhl hören, dass meine Seele ihren Frieden hat.

    Alles Liebe und vielen Dank fĂŒr deinen Artikel!

    1. Liebe Ally

      danke fĂŒr Deinen sehr ehrlichen Kommentar. Ja Abgrenzung fĂ€llt oft nicht leicht, besonders wenn man eine sehr emphatische Person ist, die nur das Gute möchte. Ich denke wir sollten hier nicht den Weg gehen, der von unseren GlaubenssĂ€tzen vorgeschrieben ist, sondern den Weg der zu einem passt, auch wenn man ihn erst passend machen muss. Ich finde Du hast es toll gemacht. Selbstbestimmt mit Dir umgegangen und die Konsequenzen im Blick. Alles kostet seinen Preis liebe Ally… Du steckst jetzt mitten im Prozess. Mach weiter so!!! Ich glaube an Dich. PS: Das schwarze Schaf sein hat doch auch was, Du bist einzigartig und völlig anders als die Anderen. Sei dankbar dafĂŒr und hebe Dein wunderschönes Kinn und sieh Dein Leben und Deine Zukunft.

  3. Hallöchen,

    Danke fĂŒr den Artikel, wieder sehr inspirierend und klasse erklĂ€rt mit guten Beispielen.
    Ich bin dennoch immer noch verunsichert wann es mein Ego ist und wann ich selbstbewusst bleiben sollte. Speziell in Situation wo ich sehr ĂŒberzeugt davon bin das richtig zu tun und vorher intensiv hinterfragt habe usw. dann aber kritisiert werde, stelle ich mir die Frage soll ich auf meine Meinung bestehen oder sie sich lieber eher wieder( erneut, erneut,..) hinterfragen weil es ggf. Mein Ego ist das mich da treibt und der andere doch recht hat. Selbst wenn ich es hinterfrage fĂŒr mich aber dennoch ĂŒberzeugt von meiner Lösung bin, bleibt bei mir die Unsicherheit ob ich nicht doch zu sehr vom Ego getrieben bin weil glĂŒcklich sein möchte und glaube das meine Einstellung in der Situation die richtige ist und mich glĂŒcklich macht.

    Vielleicht hat da noch einer einen Tipp fĂŒr mich. Bin ich zu sehr nach der auch nach GlĂŒck und somit vom Ego getrieben


    1. Hallöchen zurĂŒck lieber Sebastian

      Danke dir auch fĂŒr deine Frage. Wenn Du Dich hinterfragst, dann frage dich immer: „Wer sagt das?“ Denn es kann sein, dass Du einfach etwas befolgst, was man macht, oder was man nicht machen sollte…
      Ein gesundes Ego ist wichtig, das hilft Dir Dich zu behaupten und zu positionieren. Ein gesundes Selbst-bewusst-sein ist dann gegeben, wenn Du Dir die Konsequenzen bewusst machst und damit auch gut umgehen kannst.
      Unsicherheit ist ein Berater, oder eine Botschaft, die Dich in die Aufmerksamkeit bringt. Das kannst Du nutzen, um zu schauen was Du daraus an StÀrke gewinnst.

      Und wenn Du glaubst, dass Deine Einstellung die Richtige ist, dann ist es auch so. Es ist wichtig zu sich selbst zu stehen und vielleicht ab und an auch neben sich zu stehen und sich „dabei“ zu betrachten und Dinge zu akzeptieren, wenn sie einem gut tun.
      Ich hoffe Dir damit ein bisschen geholfen zu haben lieber Sebastian. Wenn Du gerne tiefer darĂŒber sprechen möchtest, mach doch einfach einen Termin bei mir: https://filizscarcella.com/checkup/

      Ganz liebe GrĂŒsse
      Filiz

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