Dein Ego: Wie steht es um Dein Ego - Selbstwahrnehmung

Ego vs. Selbstbewusstsein: Wie Dein Ego Dein Leben beeinflusst

Filiz Scarcella Allgemein 5 Comments

Als Kind wurde mir oft gesagt, was ich NICHT kann, worin ich NICHT gut bin. Zuerst war das für mich in Ordnung. Ok, ich bin Filiz und ich kann diese Sachen gut, diese vielen Sachen aber eben nicht so gut. Das ist ok so. Das bin ich.

Das war das Selbstbild, dass ich von mir hatte – mein Ego. Ich dachte, dass ich genau die Person bin, von der mir alle erzählten, dass ich sie sei und genau so verhielt ich mich auch. Mir wurde einmal gesagt, ich sei immer „so laut”. Daraufhin wurde ich leiser (allerdings nur für eine Weile). Ich versuchte mich anzupassen, nur so laut zu lachen, wie es andere auch taten, immer in dem Rahmen zu bleiben, der angemessen schien.

Anderen wird in der Schule gesagt, sie seien „sprachlich begabt”. Sie wählen daraufhin dementsprechend ihr Studium aus, bis sie bemerken, dass Physik sie viel mehr interessiert.

Zitat Ego von John Bradshaw

Was genau ist „das Ego” eigentlich?

Wir alle werden ohne jegliche Vorstellung davon geboren, wer wir sind. Wir suchen uns unseren Namen nicht aus, wir entscheiden anfangs nicht, was wir anziehen, wir sprechen die Worte, die wir von anderen lernen. Unsere Umwelt formt uns, unsere Eindrücke, Erfahrungen und Beziehungen kreieren in unseren Köpfen ein Selbstbild. Wir bauen dieses komplizierte Konstrukt aus den Meinungen und den Aussagen anderer und lassen uns von ihm beherrschen. Das hört auch nach der Kindheit nicht auf. Wir denken, wir sind was wir besitzen, sind, was unser Jobtitel sagt. Ich bin, was ich habe, was ich weiss und welche Leute ich kenne.

Unser Ego bestimmt, wie wir uns fühlen, verhalten und welchen Status, welchen Wert wir uns selbst zuschreiben. Unser Ego hat so viel, aber eigentlich auch wieder überhaupt nichts mit uns zu tun. Es gehört zu uns, sollte aber mit einer gehörigen Portion Abstand betrachtet werden.

Prinzipiell weiss doch niemand ausser mir selbst, was ich gut kann. Nur ich selbst kann wissen, wer ich wirklich bin.

Warum Du Dich nicht auf Dein Ego verlassen darfst

Dein Ego gibt Dir einen fiktiven Rahmen vor und macht Dich abhängig. Du meinst nur dann glücklich sein zu können, wenn Du das und das erfüllst, wenn Du das und das besitzt und Dich soundso verhältst.

Auf dieser Basis bewertest Du dann auch andere. Du vergleichst Dich mit Deinen Mitmenschen. Aus Selbstbewusstsein kann schnell Arroganz werden, aus Schüchternheit, Angst.

Wann hast Du das letzte Mal versucht alleine Deines Egos wegen Recht zu bekommen? Was hast Du gefühlt, als Du vor versammeltem Team im Meeting ein Lob erhalten hast? Hast Du Dich dann nicht auch ein wenig in Selbstgefälligkeit gesuhlt? Kennst Du das Zwicken im Magen, wenn jemand eines Deiner Projekte kritisiert und ändern möchte?

Es sind alles Schichten, mit denen Du Dich umgibst: Dein Job, Dein Titel, Deine Besitztümer. Und wehe dem, der eine Deiner Schichten durchdringen will.

Dein Ego sind Schalen, die Du aus Deinen Erfahrungen und den Meinungen anderer aufgebaut hast.

Hast Du kürzlich die Diskussion mitbekommen, die durch den Twitter-Post einer australischen Akademikern ausgelöst wurde? Sie beschwerte sich virtuell bei einer Fluggesellschaft, dass sie von der Flugbegleiterin beim CheckIn mit „Frau SoundSo”, statt mit „Dr. SoundSo” angesprochen wurde. Sie sagte, es gehe ihr hierbei darum, dass sich die Situation anders abgespielt hätte, wenn sie ein Mann wäre. Natürlich stimme ich ihr zu: Wir alle sollten unsere Erfolge feiern und jede Frau (und jeder Mann) sollte stolz auf die eigenen Leistungen sein. Nur stellt sich die Frage, ob hier nicht auch das Ego der Dame eine entscheidende Faktor gespielt hat. Hat sie sich selbst angegriffen gefühlt oder ihr Ego? Schreibe mir gern hierzu Deine Gedanken in die Kommentare!

Wer ein grosses Ego hat, wer also viele dieser Schichten und Schalen besitzt, die das eigentliche „Selbst” verdecken, der fühlt sich schneller angegriffen. Unsicherheit, Zorn, Neid und Gier sind Gefühle, die durch unser Ego ausgelöst werden können. Wie wir uns selbst sehen, bestimmt, wie wir uns fühlen.

Echtes Selbstwertgefühl vs. Ego

„Na, das ist doch prima. Mein Ego treibt mich dazu an, immer alles perfekt zu machen, immer besser zu werde. Das ist doch toll.”, magst Du nun denken. Prinzipiell schon. Es ist gut Ziele zu haben, es ist gut, wenn Du an Dir selbst arbeiten und aktiv werden möchtest. Nur wirst Du nicht glücklich werden, wenn Du es aus den falschen Gründen tust. Es kommt ganz darauf an, welche Haltung und welche Erwartungen Du mit Deinen Anstrengungen verknüpfst. Strengst Du Dich auf der Arbeit nur an, weil Du Dich nach dem Lob des Vorgesetzten sehnst? Putzt Du Dich am Samstagabend nur darum heraus, um Komplimente zu erhalten?

Dein Ego kann Deinem Selbstwertgefühl so richtig im Wege stehen.

Eine Unterhaltung zwischen Ego und Selbstbewusstsein:

Ego: „Ich bin CEO eines grossen Unternehmens und ein ganz dicker Fisch. Ich kann mehr als alle anderen.”
Selbstbewusstsein: „Klar, ich bin stolz darauf, dass ich es bis zum CEO geschafft habe aber viel wichtiger ist mir, dass mir die Arbeit wirklich, wirklich Spass macht. Mein Wert hängt nicht von meinem Job ab.”

Ego: „Schon, aber durch meinen Job kann ich mir all diese tollen Dinge leisten. Es ist mir wichtig mehr zu haben, als andere.”
Selbstbewusstsein: „Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe.”

Ego: „Das klingt, als wäre Dir unser Job nicht wirklich wichtig. Ich selbst mache mir grosse Sorgen um die Zukunft. Was ist, wenn ich meine Arbeit verliere? Dann muss ich mein Auto verkaufen. Was soll mein Nachbar von mir denken?”
Selbstbewusstsein: „Keine Sorge! Egal, was passiert. Wir werden die Situation schon meistern. Vertraue in Deine Fähigkeiten und mache Dir keinen Kopf darüber, was andere denken.”

Ego: „Aber Du stimmst mir zu, dass es sich so, so gut anfühlt, die Bestätigung anderer zu erhalten. Ohne Lob (und vielleicht auch ein bisschen ohne den Neid der anderen) wäre die ganze Sache doch sinnlos.”
Selbstbewusstsein: „Da stimme ich nicht zu. Ich weiss, wer ich bin und kann meine Fähigkeiten einschätzen. Anerkennung ist für menschliche Beziehungen wichtig, aber ich fühle mich auch ohne Lob vollkommen.”

Du kannst also selbstbewusst sein, ohne ein aufgeblasenes Ego zu haben und Du kannst ein Riesen-Ego haben, ohne eigentlich echtes Selbstwertgefühl zu haben. Es kommt immer auf die Intention an. Handelst Du aus eigener Überzeugung, aus Angst oder um es jemand anderem Recht zu machen? Höre mal ganz genau in Dich hinein!

Muss ich mein Ego ablegen?

„Der hat ein Riesen-Ego! Der muss mal von seinem Ego-Trip runterkommen.” – Geht das denn überhaupt? Können wir unser eigenes Ego ablegen? Ich denke, nicht. Es ist ein Teil von uns, genau wie es eben die Erfahrungen sind, die es geformt haben. Das heisst aber noch lange nicht, dass es mich dirigiert und mein Selbstwertgefühl bestimmt.

3 Tipps, wie Du die Oberhand gewinnst

  • Realisiere, dass Dein Ego nicht Dein „wahres Ich” ist
    Werde Dir Deiner „Selbst” bewusst! Probier es selbst einmal aus und Du wirst sehen, wie gut es tut. Schau Dich selbst im Spiegel an! Was sind Deine Stärken und Schwächen? Hinterfrage die Intention Deiner Handlungen! Was treibt Dich an?

Dein Ego bestimmt Dein Leben und übernimmt gern die ein oder andere Entscheidung für Dich.Dir Deiner Selbst und Deines Egos bewusst zu werden ist der erste Schritt zu mehr echtem Selbstwertgefühl.

Wer hat wann das Sagen? Wer hat wann die Oberhand? Ist es Dein Ego, dass Dich gerade sprechen oder handeln lässt, dann mache Dir dies bewusst und versuche Dein Selbstbild aktiv aufzubrechen.

  • Lache über Dich selbst
    Im Endeffekt triffst Du Deine Entscheidungen, nicht Dein Ego. Werde Dir dessen bewusst. Regst Du Dich darüber auf, wenn Du meinst etwas nicht zu können oder aber, wenn Du denkst, über allen anderen zu stehen, erinnere Dich daran, dass Du doch eigentlich stärker bist als Dein Ego! Lache über Deine Gedanken. Nimm Dich selbst nicht zu ernst!
  • Verlasse den fiktiven Rahmen, den Dir Dein Ego gesteckt hat
    Was heisst das genau? Gehe hinaus und mach! Trau Dich Neues auszuprobieren, verlasse Deine Komfortzone und nimm auch die Situation an, die vielleicht nicht in Dein aktuelles Selbstbild passen! Bemerkst Du zum Beispiel, dass Du Dich in einem Meeting zurück ziehst, weil Dir Dein Ego sagt, Du seist schüchtern, dann versuch doch mal genau das Gegenteil – Trage etwas bei!
    Es erfordert Mut, keine Frage aber Deine Gefühle, werden Dir schon die Richtung zeigen.

    Übe Dich im Zuhören, zeige Interesse an anderen ganz ohne Vergleiche zu ziehen und vertraue – nicht nur Dir selbst sondern auch anderen!

Nun, wie steht es um Dein Ego? Ist Dir schon einmal aktiv bewusst geworden, wenn Dein Ego Dein Handeln bestimmt hat? Schreibe mir gern die letzte Situation, in der dies der Fall war, in die Kommentare!

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Comments 5

  1. Hallo Frau Scarcella,
    beim lesen Ihres Beitrages habe ich mich gerade im Spiegel gesehen. Ich bin derzeit in einer Situation, in der mich mein Ego und Selbstwertgefühl einen Schlagabtausch liefern. Quasi das Engelchen und Teufelchen auf meinen Schultern. Ich kann nur bestätigen, dass es verdammt viel Mut und Überwindung kostet, das Ego zu besiegen. Das schöne ist, sobald ein Erfolg beim Selbstwertgefühl zu erkennen bzw. zu spüren ist, beflügelt das und verändert auch ein stückweit das Ego Bild. Für mich als Führungskraft entwickelt sich dieser „Kampf“ zwischen Selbstwertgefühl und Ego gerade zu einer komplett neuen Sichtweise auf Dinge, die vorher normal oder selbstverständlich waren. Und wenn ich mich dann noch in Beiträge wie diesen wiederfinde, motiviert/inspiriert das um so mehr.
    An der Stelle muss ich erfahrungsgemäß auch sagen, dass alles sehr viel mit Feedback und Selbstreflexion zu tun hat. Leider unter vielen Führungskräften viel zu wenig beachtet und praktiziert (zumindest in meinem Unternehmen).
    Daher bin ich immer dankbar über solch inspirierende Beiträge. Danke!

    1. Hallo Markus,
      vielen Dank für Deinen offenen und ehrlichen Kommentar.
      Dieser Kampf, den Du so gut beschreibst, ist wahrscheinlich jedem bekannt, der sich wirklich mit sich selbst auseinandersetzt. Der Abgleich zwischen Fremd-, Selbstwahrnehmung und dem, was einem wirklich wichtig ist.

      Das Thema liegt mir persönlich wirklich sehr am Herzen und ich habe mich über Deine Gedanken hierzu sehr gefreut.

      Viele Grüsse
      Filiz

  2. Ich habe vor kurzem abgesagt zu einer Familienfeier zu gehen, weil es sich für mich schlecht angefühlt hat dort aufzutauchen, da mich jemand zutiefst verletzt hat und ich dieser Person einfach nicht begegnen wollte. Mein Ego hat getobt „Du musst da hin, das gehört sich doch so, was werden die anderen sagen….“ Aber: Ich hab es durchgezogen und bin nicht hingegangen. Ich konnte fühlen, dass sich meine Seele im Frieden gefühlt hat, aber mein Gewissen hat sich natürlich gemeldet und ich bin überzeugt, dass ich jetzt das „schwarze Schaf“ bin.

    Ich stecke noch mitten in diesem Prozess, aber ich werde nicht wegen meines Egos nachgeben, damit die anderen ihren Frieden haben, sondern werde auf mein Gefühl hören, dass meine Seele ihren Frieden hat.

    Alles Liebe und vielen Dank für deinen Artikel!

    1. Liebe Ally

      danke für Deinen sehr ehrlichen Kommentar. Ja Abgrenzung fällt oft nicht leicht, besonders wenn man eine sehr emphatische Person ist, die nur das Gute möchte. Ich denke wir sollten hier nicht den Weg gehen, der von unseren Glaubenssätzen vorgeschrieben ist, sondern den Weg der zu einem passt, auch wenn man ihn erst passend machen muss. Ich finde Du hast es toll gemacht. Selbstbestimmt mit Dir umgegangen und die Konsequenzen im Blick. Alles kostet seinen Preis liebe Ally… Du steckst jetzt mitten im Prozess. Mach weiter so!!! Ich glaube an Dich. PS: Das schwarze Schaf sein hat doch auch was, Du bist einzigartig und völlig anders als die Anderen. Sei dankbar dafür und hebe Dein wunderschönes Kinn und sieh Dein Leben und Deine Zukunft.

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