Entscheidungsfähigkeit - Warum ist es so schwer sich zu entscheiden?

Entscheidungsfähigkeit: Warum fällt es uns so schwer Entscheidungen zu treffen?

Filiz Scarcella Allgemein Leave a Comment

Früh am Morgen: Was ziehe ich heute an? Kaffee oder Tee? Was will ich essen? Welche Musik möchte ich im Auto hören und welche Route nehme ich heute bei der täglichen Gassi-Runde? Entscheidungen über Entscheidungen. Und Entscheidungsfähigkeit ist nicht jedem von Haus aus gegeben. Dabei sind all dies noch nicht einmal die wirklich wichtigen Lebensfragen. Will ich Kinder haben? Will ich ein Haus kaufen oder doch lieber eine Wohnung mieten? Will ich den neuen Job annehmen oder doch sicherheitshalber in meiner alten Position bleiben? Manche Entscheidungen können unser Leben komplett verändern.

Ich finde es total super, dass wir all diese Möglichkeiten haben! Wir sind privilegiert. Wir haben die Wahl. Wir haben diese Freiheiten, können uns selbst verwirklichen und das sollte uns doch glücklich machen, richtig? 

Trotzdem sprechen wir mit einem Stöhnen so oft von der “Qual der Wahl”. Wichtige Entscheidungen zu treffen kann uns verdammt schwer fallen, uns lähmen und enormen Stress auslösen. Warum ist das so? Und warum ist es so wichtig Entscheidungsstärke zu besitzen?

Entscheidungsfähigkeit kann trainiert werden.

Warum Entscheidungsfähigkeit so wichtig ist?

Entscheidungskompetenz ist eine Fähigkeit, eine Soft-Skill. Wer sie besitzt, der erkennt Situationen, die eine Entscheidung erfordern, kann sie beurteilen und erforderliche Lösungsmassnahmen anstossen. 

Für jeden von uns, vor allem für Führungskräfte ist es ausserordentlich wichtig – wie einen Muskel Entscheidungskompetenz zu trainieren. Denn wie gut und effektiv unser Entscheidungsverhalten ist, kann für unseren und den Erfolg des Unternehmens ausschlaggebend sein. Schliesslich braucht es eine Entscheidung, um eine Handlung auszulösen. Eine ausstehende Entscheidung, eine Wahl, die Du vor Dir her schiebst, lähmt, macht Dein Team handlungsunfähig und wird Dir über kurz oder lang eine ganze Menge Stress verursachen. Auch sich nicht zu entscheiden ist verdammt anstrengend. Die vollkommene Sicherheit wird es nie geben. Egal wie lange Du grübelst und Pro und Contra-Listen aufstellst. So ist das Leben nun einmal – unvorhersehbar, schnell und eben ab und an unsicher.

Zudem wirst Du zuschauen müssen, wie gute Gelegenheiten ungenutzt an Dir vorüberziehen, wenn Du zu lange grübelst. Keine Entscheidung zu treffen, ist gleichzeitig die Entscheidung die Kontrolle an jemand anderen abzugeben. Deine Konkurrenz ist da möglicherweise schneller. 

Das muss nicht sein! Du kannst Deine Entscheidungsstärke optimieren, lernen sowohl auf Deinen Bauch als auch Deinen Verstand zu hören (die Kombination macht’s) und so gute Chancen dann wahrzunehmen, wenn sie vor Deiner Nase sind.  

Entscheidungsfähigkeit Infografik - Warum Entscheidungskompetenz so wichtig ist.

7 Gründe warum uns das Treffen von Entscheidungen so schwer fällt

Das Leben verlangt von uns, dass wir uns entscheiden – jeden Tag hundert, wenn nicht sogar tausend Mal. Manche Entscheidungen fallen uns schwer, andere leichter. Woran liegt das?

  • Wir hatten noch nicht immer so viele Möglichkeiten.

    Reh oder Mammut? Erdbeeren oder Brombeeren? Damals zu Urzeiten assen wir, was auf den Tisch kam. Um zu überleben nahmen wir, was wir kriegen konnten. Bis vor wenigen Jahren hatten wir (gefühlt) auch im Berufsleben noch viel weniger Entscheidungsfreiheit. Der Papa war Dachdecker, also wird der Sohn auch Dachdecker werden. Es wird von einer Frau erwartet Kinder grosszuziehen, also tut sie das auch und übernimmt die Verpflichtungen im Haushalt. Heute leben wir hingegen im Entscheidungs-Schlaraffenland. Haben wir es einfach noch nicht gelernt, uns darin richtig zu verhalten? Verursacht, was uns eigentlich absolute Freiheit verschaffen sollte, nur mehr Stress?

  • Jede Entscheidung ist eine emotionale Sache.

    Unser Verstand, unser Herz, das Bauchgefühl – alle haben sie etwas mitzureden, wenn es um Entscheidungen geht. Zwar behaupten wir oft rational zu entscheiden, in Wirklichkeit suchen wir nur nach einer rationalen Erklärung für eine emotionale Entscheidung. Assoziieren wir unangenehme Erinnerungen mit einer Situation, Person oder Sache, werden wir uns höchstwahrscheinlich gegen sie entscheiden, richtig? Problematisch wird es, wenn wir unseren Gefühlen nicht trauen und versuchen sie ganz aus der Entscheidungsfindung zu verbannen oder uns aber selbst belügen. Das kann nicht gut gehen. Weisst Du insgeheim ganz genau, was Du eigentlich willst?

  • Die Menge an Informationen beeinflusst Entscheidungen.

    Neben unseren Gefühlen beeinflusst auch die Menge an Informationen, die wir haben, unsere Entscheidungen. Wann hast Du zum Beispiel das letzte Mal eine Waschmaschine gekauft? Grosse Trommel, energiesparend, Schleuderanzahl – die Auswahl ist gross, die Menge an Informationen noch viel grosser. Nun kannst Du Dich am Abend hinsetzen und stundenlang nach Vor- und Nachteilen der Energieklasse A++ googlen und trotzdem weisst Du immer noch nicht, für welche Maschine Du Dich entscheiden sollst – too much choice. Die Grösse der Auswahl und die Menge an Details macht es nur noch schwieriger.

  • Wir haben Angst vor den Konsequenzen.

    Jede Entscheidung hat eine Konsequenz. Die ist aber nur selten wirklich 100% abschätzbar. Wählen wir eine Sache, verzichten wir auf eine andere. Dabei wollen wir uns doch alle Möglichkeiten offen halten. Demzufolge geht jede Entscheidung auch mit einer Portion Verantwortung einher. Und diese können wir in vielen Fällen nicht abgeben. Läuft etwas schief, sind wir haftbar und diese Realisierung stresst. Was, wenn ich mich “falsch” entscheide? Vielleicht gibt es da draussen etwas besseres, was ich nun verpassen werde. Diese Angst kann gar lähmend sein und dazu führen, dass wir die Entscheidung vor uns herschieben. Das wiederum, die noch ausstehende Wahl, die da in unserem Hinterkopf sitzt, erzeugt noch mehr Druck.

  • Was ist, wenn andere nicht mit meiner Meinung einverstanden sind?

    Vor allem junge Führungskräfte kennen diese Herausforderung wohl nur zu gut. Was passiert, wenn ich eine Entscheidung treffe, die meinen Mitarbeitern nicht gefällt? Was, wenn andere über mich urteilen? Schliesslich willst Du keine Sympathiepunkte einbüssen.

  • Gegensätzliche Werte können die Entscheidung erschweren.

    Viele von uns haben bestimmte Werte, sind sich dieser dennoch nicht so wirklich bewusst. Vielleicht kennst Du es ja: Du willst Freiheit, suchst das Abenteuer und das Risiko, wagst aber nicht den ersten Schritt zu machen, weil Dir Deine Sicherheit und Beständigkeit zu wichtig sind. Das passt dem ersten Anschein nach nicht zusammen und es entsteht ein Werte-Konflikt. Feuer oder Wasser?

  • Alte, falsche Glaubenssätze stehen einer Entscheidung im Weg.

    Jeder von uns hat gewisse Grundannahmen, die wir auf der Basis unserer Lebenserfahrungen und Erziehung geformt haben. Wurde uns als Kind zum Beispiel immer vorgeworfen, zu laut und impulsiv zu sein, entscheiden wir uns später im Leben vielleicht eher dafür stillschweigend die ein oder andere Situation auszusitzen, selbst wenn unser Herz und Bauch so gern sprechen würde.

5 Tipps für bessere Entscheidungsfähigkeit

Nun habe ich lang und breit darüber geschrieben, warum es uns so schwer fällt, Entscheidungen zu treffen. Nimm Dir Zettel und Stift zur Hand und schreibe eine Situation auf, in der Du die Qual der Wahl hattest. 

Hast Du diesen Artikel bis hierher aufmerksam gelesen, bist Du eigentlich auch schon bei meinem ersten Tipp für mehr Entscheidungskompetenz angelangt: Beschäftige Dich mit den Gründen für Deine Entscheidungsschwierigkeiten! In welchem der oben aufgeführten Punkte findest Du Dich wieder? Stehst Du einer schwierigen Entscheidung gegenüber, ziehe zuerst eine Bilanz Deiner Gefühle und frage Dich, warum Dir konkret diese Wahl so schwer fällt. Werde Dir bewusst, wo Deine Ängste liegen und welche alten, verstaubten Glaubenssätze Dich blockieren. Wir horchen nur sehr selten wirklich in uns hinein und haben genau deshalb auch wenig Übung darin, diese Gefühlsreaktionen wahrzunehmen. 

Praxis-Tipp 1:
Unsere Gefühle spiegeln sich auch immer direkt in unserem Körper wieder. Stehst Du vor einer schwierigen Entscheidung, dann achte ganz sensibel darauf, welche Signale Dir Dein Körper gibt! Fühlst Du eine Enge und Bedrücktheit in der Brustgegend? Oder spürst Du ein angenehmes, warmes Kribbeln im Bauch? Schreibe auf Deinen Zettel, was Du fühlst, wenn Du an Dein Entscheidungsproblem denkst.


Musst Du Dich entscheiden, mag es sich möglicherweise so anfühlen, als würdest Du in verschiedene Richtungen gezerrt werden. Was aber genau zieht und drückt da eigentlich? Alle unsere Gedanken werden von unseren Ängsten, Werten und Glaubenssätzen beeinflusst. Da tönt Dir in einer Situation die Stimme Deiner Mutter ins Ohr, die Dir sagt, dies oder jenes gehöre sich nicht. In einer anderen sind es Deine eigenen Werte und Deine Einstellung einer Sache gegenüber.

Praxis-Tipp 2:
Werde Dir bewusst, wer und was alles Einfluss auf Deine Entscheidung nimmt. Nicht alles ist schlecht oder lähmend, aber manchen Zerr- und Störfaktor kannst Du getrost loswerden.


Nachdem Du Deine Gefühle nun wahrgenommen hast, geht es daran, sie richtig einzuordnen und zu beurteilen. Erst hat der Bauch etwas zu sagen, nun darf sich der Verstand zu Wort melden. Auch wenn ich der Überzeugung bin, dass wir viel mehr auf unseren Bauch hören und sich jede Entscheidung gut anfühlen muss, sollten wir immer verstehen, ob ein Gefühl für eine Entscheidung eine Rolle spielt oder nicht – und wenn ja, welche. 

Praxis-Tipp 3:
Finde die Balance zwischen Bauch- und Kopfgefühl! Bei einer guten Entscheidung sollten beide etwas mitzureden haben und zur selben Bewertung einer Situation kommen. Ist das nicht der Fall, dann suche nach den Gründen warum sich Kopf und Bauch widersprechen und was hinter den Zweifeln steckt. Beide haben ihre Berechtigung und sollten nicht vernachlässigt werden.


Die Angst eine Fehlentscheidung zu treffen, ist wohl einer der Hauptgründe dafür, eine Entscheidung gar nicht erst anzugehen. Was aber genau bedeutet es für Dich persönlich, einen Fehler zu machen?

Praxis-Tipp 4:
Motiviere Dich aktiv dazu, eine Entscheidung zu treffen, in dem Du Dir die Konsequenzen Deines Grübelns bewusst machst. Schreibe Dir nun auf, warum es sinnvoll ist, eine Lösung für Dein Entscheidungsproblem zu finden. Dann überdenke Deine Einstellung Fehlern gegenüber genau. Was kann im „schlimmsten Fall” passieren und was daran ist wirklich so, so schlimm? Welche Auswirkung hat Deine Entscheidung in 10 Minuten, 10 Monaten oder 10 Jahren? Eine gesunde Fehlerkultur im Unternehmen erleichtert es Führungskräften und Mitarbeitern Entscheidungen zu treffen.


Entscheidung getroffen? Prima! Nun geht es an die Umsetzung und daran, Dir selbst zu vertrauen. Oft kommen nämlich erst nach der Entscheidung die Zweifel. „Was wäre wenn …”, „Hätte ich doch nur …” – Unsere Fantasie verzerrt was gewesen wäre, hätten wir Option B statt A gewählt. Irgendwie wollen wir doch immer, was wir nicht haben können und genau das kann für eine ganze Unzufriedenheit sorgen.

Praxis-Tipp 5:
Konzentriere Dich ganz auf Deine Entscheidung und gib Dein Bestes, damit sie tatsächlich gut wird. Alles das, was hätte sein können, ist nun nicht mehr wichtig. Mache Dir noch einmal bewusst, was genau die Gründe für Deine Wahl waren und was passieren muss, damit sich diese Veränderung nun gut anfühlt. 


Fazit – Mut zur Entscheidung!

Wir haben gern die Wahl, aber irgendwie auch wieder nicht. Wir wollen uns alle Möglichkeiten offen halten, freuen uns manchmal auch, wenn ein anderer für uns entscheidet. Wir wollen mitbestimmen und manchmal ist es einfach das Beste, das Leben so zu nehmen, wie es kommt. Wichtig ist, dass wir uns überhaupt entscheiden, auch dann, wenn keine der Konsequenzen wirklich prickelnd klingt. Es ist besser, Fehler zu riskieren als ungenutzte Chancen zu verpassen. Nur weil Du Dich nicht entscheiden konntest.

Eine Entscheidung bringt immer auch Veränderungen mit sich. Je grösser diese sind, desto mehr fürchten wir uns vor ihnen. Denke immer daran, dass vieles nicht von heute auf morgen passieren muss. Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst. Beginne und gewinne! Mache den ersten Schritt! Triff eine Entscheidung und freue Dich mit ihr zu leben. 

Dieser Artikel war sicherlich keine Pauschalanleitung, um bessere Entscheidungen zu treffen. Die gibt es schlichtweg nicht, denn Entscheidungen sind oft komplex, von vielen, vielen Faktoren abhängig und ganz individuell. Fakt ist, dass Entscheidungskompetenz trainiert werden kann und ein guter Anfang ist immer, sich zu entscheiden – häufig, in kleinen und grossen Lebensfragen. 

Viel Spass dabei!  

PS: Das Leben kann nie zu hundert Prozent vorausgesagt werden und auch unsere Arbeitswelt wird immer unsicher bleiben. Mit meiner guten Freundin Pia-Maria Thorén werde ich vom 17. – 18. September einen zweitägigen Workshop durchführen: Certified Professional Agile Leadership (ICP-ALP).

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Filiz Scarcella ist eine energiegeladene, inspirierende und out of the Box denkende Business Coach|in, Buch-Autor|in und kreative Macherin. Sie zeigt Führungskräfte, Manager, Projektleiter und Unternehmer, wie sie mit ihrer Persönlichkeit punkten, wie sie sich selbst besser vermarkten und wie sie ihre Mitarbeiter zu Mitunternehmer machen.

Dazu hat sie verschiedene Coaching und Mentoringprogramme entwickelt und u.a. das Buch: Vorbildlich Führen geschrieben. Das Ganze wird unterstützt durch Mental-Selfness-Power, was in der Kombination im deutschsprachigen Raum einmalig ist.

Durch ihre Arbeit verhilft sie zu mehr Spass, Erfolg und Sinnhaftigkeit. Stärkenorientiertes Führen ist der Schlüsselfaktor für die neue Arbeitswelt. Filiz hat eine Mission – Sie unterstützt Menschen darin; positiver, selbstbestimmter und leistungsfähiger zu sein und dabei mehr Herz und Mut ins Businessleben zu bringen. Lerne Filiz Scarcella bei einem virtuellen Kaffe kennen. 


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