Shared Leadership als neuer F├╝hrungsansatz

Sharing is caring: Funktioniert Shared Leadership?

Filiz Scarcella Allgemein 2 Comments

Sharing is caring: Funktioniert Shared Leadership? 

Einer f├╝hrt, die anderen folgen. Einer trifft die wichtigen Entscheidungen, tr├Ągt die Verantwortung, ├╝bt Macht aus und beeinflusst somit den Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens. So sieht ÔÇ×F├╝hrungÔÇŁ aus, oder? So war es und so soll es immer bleiben. Ein Kapit├Ąn steht an Deck, das Ruder fest in der Hand und den Blick auf den Horizont gerichtet. Welch ein Held! Wie s├Ąhe die ganze Sache aber aus, wenn es mehr als einen Leader gibt? Und was passiert, wenn jeder aus dem Team mal in die F├╝hrungsrolle schl├╝pft? Shared Leadership, geteilte F├╝hrung ÔÇô kann das funktionieren?

Heroische F├╝hrung ÔÇô Haben Helden ausgedient?

Auch wenn die meisten von uns sich Shared Leadership l├Âst veraltete F├╝hrungsmythen ab.innerlich zu genau diesen Helden hingezogen f├╝hlen, die uns ÔÇ×rettenÔÇť, uns die schweren Entscheidungen ab- und uns stattdessen an die Hand nehmen, ist es doch allerh├Âchste Zeit, die Dinge selbst anzupacken ÔÇô zum Wohle aller Beteiligten. Denn die Voraussetzungen f├╝r unsere Helden haben sich ge├Ąndert.┬á

In den letzten Jahrzehnten haben wir einen enormen Wandel in unserer Arbeitswelt erlebt. Die Digitalisierung ist hier und mit ihr eine ganze Menge Chancen, M├Âglichkeiten aber vor allem auch Herausforderungen. Was heute ist, kann morgen schon wieder ganz anders sein. Es gibt selten nur eine Antwort und kein Held, so organisiert und engagiert er auch sein mag, kann stets den ├ťberblick ├╝ber unsere komplexe Realit├Ąt behalten.

Ausserdem hat sich nicht nur das Umfeld, sondern auch wir selbst und unsere Anspr├╝che an unser Arbeitsleben ge├Ąndert. Die Sinnhaftigkeit unserer T├Ątigkeit hat eine h├Âhere Priorit├Ąt eingenommen. Wir wollen mitgestalten, etwas zum grossen Ganzen beitragen und Verantwortung ├╝bernehmen. Durch all diese stetig steigenden Anforderungen, ist es kaum noch m├Âglich, dass ÔÇ×nurÔÇť eine Person allen F├╝hrungsaufgaben effektiv gerecht werden kann. Ein L├Âsungsansatz: Shared Leadership.┬á

Was verstehen wir unter Shared Leadership?

Das Modell der geteilten F├╝hrung, im englischen Shared Leadership, gibt es nicht erst seit gestern und doch ist es heute ├Âfter im Gespr├Ąch als je zuvor. Zwei oder mehrere Personen teilen sich die F├╝hrungsrolle um ein kollektives Ziel zu erreichen - soweit die grundlegende Definition. Nun gibt es aber eine Vielzahl an verschiedenen Wegen, wie dieses Modell im Unternehmen tats├Ąchlich eingesetzt werden kann:


  • Topsharing - F├╝hrung in Teilzeit

    Einhergehend mit dem Wandel der Einstellung zum Arbeitsleben hin, entscheiden sich mehr und mehr Besch├Ąftigte daf├╝r, ihren Job in Teilzeit auszu├╝ben. So bleibt Zeit f├╝r die Familie und Freizeit. Beim Topsharing teilen sich zwei Personen der gleichen Hierarchieebene die F├╝hrungsaufgaben in Teilzeit. H├Ąufig ├╝bernimmt ein Chef einen Bereich, der andere einen zweiten, je nachdem wer welche Kompetenzen mitbringt. Einer mag mehr Gefallen am operativen Gesch├Ąft finden, der andere entwickelt vielleicht lieber Strategien f├╝r die Zukunft des Unternehmens. In anderen F├Ąllen erledigen beide F├╝hrungskr├Ąfte die genau gleichen Aufgaben, nur an unterschiedlichen Tagen. Geteilte F├╝hrung, doppelte Kraft.

  • Topsplitting - F├╝hrung in Vollzeit

    Vier Augen sehen mehr als zwei, richtig? Die F├╝hrungsaufgaben in unserer VUCA-Welt sind komplex und viele Unternehmen profitieren bereits von doppelten, dreifachen, vierfachen Know-How, das mehrere Personen an den Tisch bringen k├Ânnen. Beim Topsplitting ├╝berschneiden sich die T├Ątigkeitsbereiche der beiden F├╝hrungskr├Ąfte kaum.

  • Geteilte F├╝hrung im Team

    Es gibt verschiedene F├╝hrungsmodelle, bei denen die Verantwortung situations- und aufgabenbezogen unter den Mitarbeitern eines Teams aufgeteilt wird. Diese arbeiten selbstst├Ąndig, bringen ihre individuellen St├Ąrken ein, treffen eigenverantwortlich Entscheidungen und werden somit in die F├╝hrung einbezogen. Hierbei kann das Unternehmen durchaus von der Vielfalt der Mitarbeiter profitieren, die in der Regel motivierter sind, wenn sie direkten Einfluss auf ihre Arbeit haben.

  • Shared Leadership im Team mit einer F├╝hrungskraft als Wegweiser

    Shared Leadership ist kein ÔÇ×All or Nothing-ModellÔÇť. In vielen, wenn nicht sogar den meisten Firmen ├╝bernehmen die Mitarbeiter bereits eine ganze Menge an Eigenverantwortung, richten sich aber in manchen Situationen an eine F├╝hrungskraft, die dann wiederum hierarchisch eine Entscheidung trifft.

  • Tempor├Ąre F├╝hrung - Agil in Projekten

    Die neue Herangehensweise im Rahmen geteilter F├╝hrung kann bedeuten, dass ein Mitarbeiter in einem Projekt ├╝bergeordnet ist, im anderen wiederum die F├╝hrung abgibt. Die Struktur kann sich ganz den Anforderungen der jeweiligen Aufgabe anpassen und von den Kompetenzen der einzelnen Team-Mitglieder profitieren.

Welche Vorteile hat Shared Leadership?

In einer Welt, die sich st├Ąndig ver├Ąndert und in der die Digitalisierung zunehmend fortschreitet, ist es schlichtweg unabdingbar, dass wir uns mit modernen Formen der Arbeitsgestaltung auseinandersetzen. Eine Person kann den Anforderungen nicht mehr gerecht werden, die Mitarbeiter und das Unternehmen stellen. Geteilte F├╝hrung kann es F├╝hrungskr├Ąften erm├Âglichen, eine bessere Work-Life-Balance zu finden und sich weniger ausgebrannt zu f├╝hlen. Die Last der Verantwortung liegt auf mehreren Schultern, nicht nur auf zweien. Wer sich ausgeglichener f├╝hlt, kann dann bei der Arbeit volle Power geben.┬á

Um wettbewerbsf├Ąhig zu bleiben, muss eine Organisation heute innovativ sein und sich st├Ąndig den neuen Voraussetzungen der Kundschaft anpassen. Hierbei sollte von der Expertise und den Ideen profitiert werden, die einzelne Mitarbeiter mitbringen. Jeder von uns hat St├Ąrken und wir sind besonders motiviert, wenn wir diese tagt├Ąglich leben k├Ânnen.┬á

Stichwort Motivation: Wann f├╝hlst Du Dich besonders motiviert? Wenn Du Einfluss auf Entscheidungen und das Gef├╝hl hast, etwas zum grosse Ganzen beizutragen? Genau dieses Gef├╝hl kann geteilte F├╝hrung ausl├Âsen, indem Dir Vertrauen entgegengebracht und Dir Verantwortung ├╝bertragen wird. Du identifizierst Dich st├Ąrker mit Deinem Team und der grossen, kollektiven Aufgabe, der ihr gegen├╝ber steht.┬á

Geteilte F├╝hrung ÔÇô Kann das gutgehen?

So fantastisch das Shared Leadership-Modell erst einmal klingen mag, birgt es doch eine ganze Menge an Herausforderungen und Konfliktpotential. Stell Dir einmal vor, Dir wird morgen gesagt, Du h├Ąttest ab sofort zwei Chefs! Welche Gedanken schiessen Dir zuerst durch den Kopf?┬á

ÔÇ×Oje, das wird ein Chaos.ÔÇŁ

ÔÇ×Das wird f├╝r dicke Luft sorgen, wenn einer dem anderen auf die F├╝sse tritt.ÔÇť

ÔÇ×Na prima! Die Kommunikation im Unternehmen ist eh schon nicht einfach. Das kann ja nicht besser werden ÔÇŽÔÇť

ÔÇŽ

Die Grundvoraussetzung, damit Shared Leadership erfolgreich umgesetzt werden kann: Vertrauen. Egal um welches Modell der geteilten Führung es sich handelt, ob das Team mehr Verantwortung übernimmt oder mehrere Personen in Teilzeit an der Unternehmensspitze stehen, ohne Vertrauen klappt die ganze Sache nicht. Einer Führungskraft, die den Mitarbeitern die ordentliche Erledigung einer Aufgabe nicht zutraut, wird es schwer fallen loszulassen und Verantwortlichkeiten zu delegieren. 

Die wichtigste Voraussetzung f├╝r Shared Leadership ist Vertrauen.

Alle Beteiligten m├╝ssen an einem Strang ziehen und von der Idee des Shared Leadership ├╝berzeugt sein. Schon einmal von dem Sprichwort ÔÇ×Zu viele K├Âche verderben den BreiÔÇť geh├Ârt? Genau das kann bei geteilter F├╝hrung der Fall sein, wenn das Betriebsklima und die Kommunikation nicht stimmt. Es ist wichtig ├╝ber die Verteilung der F├╝hrungsrolle fortw├Ąhrend transparent zu diskutieren ÔÇô vor allem, wenn sie unter den Mitgliedern eines Teams aufgeteilt wird. Sonst kann es schnell dazu kommen, dass sich Mitarbeiter in┬á Machtk├Ąmpfen wiederfinden, wenn einer heute Leader ist und morgen Follower. Ein Umdenken ist notwendig.┬á

Regelm├Ąssiges Abstimmen ist besonders wichtig, wenn mehrere Personen an einer Aufgabe arbeiten und wird sich die F├╝hrungsrolle geteilt, sollten niemals widerspr├╝chliche Anweisungen gegeben werden.┬á

Faktor Mensch 

Wir sind alle einzigartig und haben unterschiedliche Pers├Ânlichkeiten.┬á

Alphatiere haben grunds├Ątzlich ihre Schwierigkeit damit, Macht abzugeben und scheitern, wenn sie Verantwortung richtig delegieren sollen. F├╝r das Shared Leadership-Modell sind daher Kooperationsbereitschaft und gutes Konfliktmanagement besonders wichtig. Nicht immer kann sich jeder mit einer Entscheidung anfreunden, wichtig ist aber, dass jeder hinter ihr steht, wenn sie einmal getroffen wurde.┬á

Wie in so vielen Bereichen unseres Lebens, entscheidet unser Mindset darüber, ob wir erfolgreich sind oder nicht. 

Fazit 

Das Modell des Shared Leadership stellt eines unserer veralteten Weltbilder in Frage. Wir verabschieden uns von dem Held an der Spitze und sorgen dafür, dass jeder einzelne in unserem Team zum Superstar wird. 

Neue F├╝hrungsans├Ątze, wie das der geteilten F├╝hrung, bringen eine ganze Menge neuer Chancen mit sich, allerdings auch Herausforderungen. Wer ist die richtige Person, um in der richtigen Situation und zum richtigen Zeitpunkt das richtige zu tun? Ist das die Frage, die wir uns eigentlich stellen sollten?

Hast Du Erfahrungen mit Shared Leadership gemacht? Berichte uns davon in den Kommentaren!

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Comments 2

  1. „Das Modell des Shared Leadership stellt eines unserer veralteten Weltbilder in Frage. Wir verabschieden uns von dem Held an der Spitze…“ vielen Dank f├╝r diesen Hinweis, Filiz Scarcella. K├Ânnte es helfen diesem „Abschied“ einen „w├╝rdigen Rahmen“ zu verleihen ? Ein ├╝ber Jahrzehnte oder mehrere Generationen vererbtes Weltbild zu verabschieden ist keine Kleinigkeit. Eventuell hilft es ├Ąhnlich wie in der Trauerbegleitung damit umzugehen um Kraft f├╝r Neues zu bekommen. Ph├Âenix kam auch aus der Asche…

    1. Ja, der Phoenix kommt allerdings aus der Asche zur├╝ck; jedoch muss er daf├╝r erstmal sterben. Er weiss allerdings, dass seine Zeit naht und bereitet sich voll und ganz darauf vor. Das ist der w├╝rdige Rahmen beim Phoenix. Wie genau der im Jahre 2020 aussieht, h├Ąngt von vielen Faktoren ab. Kommunikation und Verst├Ąndnis f├╝r das Neue ist dabei essenziell und muss gekonnt angegangen werden. Die Umsetzung h├Ąngt dann von jedem Menschen ab, der damit zusammenh├Ąngt. Manche Menschen gehen in einer Power-Position regelrecht auf; deswegen k├Ânnen und wollen sie diesen Umschwung gar nicht ernst nehmen oder gar akzeptieren. Und darin liegt auch u.a. die Schwierigkeit. Eben solche Menschen von der Positivit├Ąt und den dadurch entstehenden neuen M├Âglichkeiten zu ├╝berzeugen, ohne sie der sogenannten ‚Macht‘ zu entrauben, von denen sie so besessen sind. Man muss auch beachten, dass viel Kultur in solchen Standards steckt. In unseren Breitengraden sind wir ├╝berwiegend individuell, w├Ąhrend man z.B. in L├Ąndern wie Japan eher dem Kollektivismus nachgeht, wo man nur als Team gefeiert wird. Also, du merkst, liebe Petra, dass es einige Faktoren zu kl├Ąren gibt. Aber wenn Menschen sich zusammentun, kann immer Grosses entstehen. Und ich m├Âchte Teil dieser Bewegung sein.

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