Beitragsbild Konsequent sein: Konsequenz als Führungskompetenz.

Konsequenz als Führungskompetenz – Kannst Du konsequent sein?

Filiz Scarcella Allgemein 2 Comments

Die Zahlen sind im dunkelroten Bereich, Deadlines sind überfällig – was ist denn nur los? Die Stimmung im Team ist doch so gut, wir sind alle Freunde, der Vorgesetzte hat sich bewusst nicht als Kontrollfreak aufspielen wollen und alle haben Spass an der Arbeit. So soll sich schliesslich heute eine Bilderbuch-Führungskraft verhalten, deren Angestellte hauptsächlich Millennials sind, oder?

Konsequent sein: Gib Deinen Mitarbeitern Zeit, sich an Dein konsequentes Verhalten zu gewöhnen.

Aber Moment, das muss sich nun ändern. Ab heute wird hier alles „konsequenter”. Die Zügel müssen angezogen und das Ruder herumgerissen werden. So kann es nicht weitergehen, das Mass ist voll. Auf einmal werden Sanktionen für Zu-Spät-Kommer und Deadline-Verpasser eingeführt, die fünf Kaffeepausen auf zwei reduziert und Meilensteine lieber mehrfach kontrolliert. Alle sind nun pünktlich, nur einer hastet immer noch zehn Minuten nach Meeting-Beginn in den Konferenzraum: Die Führungskraft selbst. Die darf das aber schliesslich. Die ist ja so viel beschäftigt.  

Irgendwas läuft hier noch schief!

Um langfristig Veränderungen vorzunehmen, die Produktivität aber auch Zufriedenheit der Mitarbeiter berücksichtigen, muss die Führungskraft konsequent sein. Nicht aber ruckzuck sondern erst einmal Schritt für Schritt, beginnend mit den Situationen des betrieblichen Alltags, die wirklich wichtig sind.  

Was bedeutet Konsequenz eigentlich?

Konsequenz bedeutet laut Duden die Folgerichtigkeit des eigenen Handelns oder die Zielstrebigkeit einer Person. Wird eine angekündigte Handlung nicht ausgeführt, so sprechen wir vom Gegenteil – von Inkonsequenz.

Konsequent sein: Du musst zuerst verstehen, was Konsequenz überhaupt ist.

Konsequenz ist eine Kompetenz, eine Einstellung, die trainiert werden kann und sie ist für eine erfolgreiche Führungskraft ausschlaggebend.

Auch Konsequenz beginnt bei Dir

Konsequent zu führen bedeutet zu allererst die eigenen Werte und Deine Eigenverantwortung auf den Prüfstand zu stellen. Sagst Du, was Du denkst? Tust Du, was Du sagst und stehst Du für Deine Handlungen ein?

Versetzen wir uns noch einmal in das zuvor angesprochene Beispiel hinein:
Du hast ein Meeting mit Deinem Team einberufen. Der Termin wurde bereits vor einem Monat gesetzt und jeder Deiner Mitarbeiter ist gut vorbereitet. Eine Viertelstunde nach offiziellem Beginn hetzt Du in den Konferenzraum. Du musstest noch fix ein Dokument von Frau Schreiber überprüfen und rufst nun in den Raum: „Jetzt kanns aber losgehen – worum gings nochmal?”

Du solltest Dir Deiner Vorbildfunktion als Führungskraft bewusst werden. Was Du von anderen einforderst, muss auch für Dich gelten. Du lebst die Werte, die Du predigst. Du darfst kritisieren, musst aber bei Dir selbst die gleichen Massstäbe ansetzen, wie bei anderen.

Das erfordert Selbstdisziplin und setzt voraus, dass Du genau weisst, was Deine Rolle ist und welche Verantwortung Du trägst. Um anderen eine Richtung angeben zu können, musst Du wissen, wo Du selbst stehst, wie es mit Deinen Kompetenzen aussieht und welche Stärken Du hast.

Was bedeutet es, konsequent zu führen?

  • Mit Dir selbst konsequent sein

    Halte Dich an jede Zusage, die Du triffst, auch wenn sie Dir vielleicht im Nachhinein nicht als wichtig erscheint. Wenn Du versprichst, am Montag über die Abrechnung Deiner Mitarbeiterin zu schauen, dann tu es auch! Stehe zu Deinem Wort und entwickle den Mut wichtige Entscheidungen zu treffen.

  • Klare und verbindliche Ziele

    Richte Deinen Führungsstil so aus, dass Deine Mitarbeiter genau wissen, was bis wann von ihnen erwartet wird. Definiere Ziele glasklar und schreibe sie Dir auf. Aufgaben-Management Systeme können dabei helfen, den Überblick zu behalten und die Kommunikation unterstützen. Fristen müssen verbindlich sein. Nicht „Ich will, dass wir das im Sommer fertig haben”, sondern „Am 12. Juli buche ich einen Konferenzraum für uns und wir besprechen den Stand des Projektes.”

  • Klare Verantwortlichkeiten

    Hat sich schon jemals eine Verbesserung auf die allgegenwärtige Aussage „Wir müssen an unserer Kommunikation arbeiten” hin eingestellt? Ich bezweifle es. Erst, wenn es wirklich Verantwortliche gibt, die sich diesem Ziel annehmen, wird sich wirklich etwas bewegen. Finde die Stärken Deiner Mitarbeiter heraus und delegiere Projekte entsprechend.

  • Kontrolle ohne Mikromanagement

    Gib Deinen Angestellten Freiräume aber behalte immer den Überblick über anstehende Aufgaben. Das bedeutet nicht, dass Du Deinen Kollegen nicht vertraust aber nicht jeder gibt gern zu, wenn er Fehler gemacht hat oder irgendwo nicht weiterkommt. Regelmässige, konstruktive Rückmeldung hilft Deinen Mitarbeitern zu wissen, wo sie stehen und woran sie arbeiten können.

  • Verantwortung einfordern

    Jeder von uns trägt die Verantwortung für das eigene Handeln und wenn Fehler passieren (was nur menschlich und ab und an sogar erwünscht ist), dann muss für die Konsequenzen gerade gestanden werden. Als Führungskraft ist es Deine Aufgabe, Deinen Mitarbeitern den Rücken zu stärken, nicht Dich bei jeder Herausforderung vor sie zu werfen. Frage Deinen Angestellten lieber, was er braucht, um eine Hürde selbst zu überwinden, statt sie für ihn aus dem Weg zu räumen.

  • Sanktionen sind nicht mit Bestrafungen gleichzusetzen

    Viele Führungskräfte reagieren auf Fehler von Mitarbeitern nicht und lassen lieber Nachsicht walten. Dieses Verhalten hilft aber keinem weiter. Der Angestellte wird sich nicht weiterentwickeln und das Unternehmen erzielt nicht die Ergebnisse, die es sich erhofft. Jeder darf Fehler machen aber nicht den gleichen zu oft. Wer immer zu spät zu Meetings erscheint, dem geschieht es nur recht seinen Euro in die Zuspätkommer-Kasse zu werfen. Kommst Du als Führungskraft zu spät, zählt gleiches natürlich auch für Dich.

  • Konflikte ansprechen und lösen

    Konflikte wird es immer geben, wo Gefühle im Spiel sind und das ist auch gut so. Nur sollten sie nicht eskalieren oder in Mobbing enden. Werden sie zeitig angesprochen, kann auf Sachebene nach Konfliktlösungen gesucht werden.

Warum es so schwer ist, konsequent zu führen: Wenn Du Dich auf Kuschel- statt auf Konsequenzkurs befindest

Was ist Deine Kernaufgabe als Führungskraft? Genau! Zu führen. Du setzt Deine Kompetenzen und Deine emotionale Intelligenz dazu ein, Dein Team zu optimaler Produktivität und Motivation zu führen.

Viele Vorgesetzte wollen allerdings mehr: Sie wollen ausserdem Kollege sein. Sie wollen ein freundschaftliches Verhältnis zu ihren Angestellten führen, am Freitag mit ihnen Bier trinken und unter der Woche zusammen Fussball spielen. Hiergegen ist erst einmal nichts einzuwenden. Zwischenmenschliche Beziehungen sind auch im Arbeitsleben wichtig. Nur wird bei diesem Streben (oder sogar Sucht) nach Harmonie oftmals eines vergessen: Zu führen.

Warum fällt "konsequent sein" so schwer? Weil viele Führungskräfte unter Harmoniesucht leiden.

Bitte nicht falsch verstehen, ich rufe nicht dazu auf, zukünftig mit Scheuklappen alles durchzuboxen, was Dir in den Sinn kommt. Vielmehr setzte ich mich dafür ein, dass durch offene Kommunikation und Konsequenz gemeinsame Ziele erreicht werden. Hierbei darf es zu Konflikten kommen, hierbei darf der ein oder andere kritisiert werden, hierbei werden so einige ganz neu herausgefordert.

Wertschätzen bedeutet auch Ehrlichkeit und Offenheit

Wertschätzung ist immer die Basis unseres Zusammenlebens und -arbeitens. Jemanden zu respektieren bedeutet aber auch, Kritik oder Sorgen anzusprechen. Geschieht dies nicht, staut sich viel Konfliktpotenzial auf und eskaliert möglicherweise mit wenig angenehmen Folgen.

Führt ein Kollege zum Beispiel eine Aufgabe bis zur vereinbarten Frist nicht aus, reagieren viele Führungskräfte mit Nachsicht. Das kann schon mal passieren und schliesslich hatte der Mitarbeiter eine gute Erklärung (oder Ausrede). Den Angestellten bereits beim ersten Fehltritt auf Deinen Unmut anzusprechen, fühlt sich für Dich als eine recht strenge Reaktion an und Du erledigst die Aufgabe lieber schnell selber. Diese Situation wiederholt sich und irgendwann platzt Dir entweder der Kragen oder Du findest Dich damit ab, dass sich das Nichteinhalten von Fristen zur Routine entwickelt hat. Verhalten wie dieses sollte stattdessen umgehend angesprochen werden. Ist der Mitarbeiter einfach nicht in der Lage, seine Arbeit im dafür vorgesehenen Zeitrahmen zu erfüllen, wirst Du nur herausfinden, woran das liegt, wenn Du mit ihm darüber sprichst.

Konsequent sein: Schritt für Schritt statt mit der Keule

Mit einer 180 Grad-Wendung vom Kuschelkurs zum konsequenten Vorgesetzten machst Du Dich wohl bei Deinen dann perplexen Mitarbeitern nicht gerade beliebt.

Willst Du mit Deinen Mitarbeitern konsequent sein, dann tu dies Schritt für Schritt.Auf die Konsequenz-Keule folgt in der Regel eine dieser beiden Situationen:

  1. Die Mitarbeiter verstehen die Welt nicht mehr. Was zuvor noch mit einem Lächeln durchging, wird jetzt gerügt. Die Folge: Miese Stimmung, Konflikte und ein Minus im Vertrauenskonto des Vorgesetzten.
  2. Die Mitarbeiter stimmen zu, dass sich etwas ändern muss, damit Erfolge erzielt werden können. Für eine Weile ziehen alle an einem Strang, dann wird es aber ungemütlich und alles kehrt zum Ursprungszustand zurück.

Beginne bei Dir selbst, übernimm Verantwortung und beginne dann, an den Dingen zu arbeiten, die Dir wirklich wichtig sind. Fokussiere Dich vorerst auf einige Teilgebiete, bringe mehr Struktur in den Arbeitsalltag Deiner Kollegen und verzettle Dich nicht mit unwichtigen Kleinigkeiten.

Fazit

Konsequenz gehört zu einen der wichtigsten Führungsinstrumente. Zu kontrollieren bedeutet nicht, kein Vertrauen zu haben, zu kritisieren bedeutet nicht, weniger wertzuschätzen. Wer konsequent sein will, der braucht eine gesunde Selbstwahrnehmung, eine Portion Mut und emotionale Intelligenz. Letztendlich aber haben Führungskräfte eine Kernaufgabe: Zu führen.

Hast Du Erfahrungen mit Inkonsequenz oder einer richtig konsequenten Führungskraft machen dürfen? Oder willst Du selbst an Deiner Konsequenz arbeiten? Hinterlasse einen Kommentar und teile diesen Beitrag auch mit Deinem Netzwerk. Vielleicht erreichst Du jemanden, den genau dieses Thema gerade beschäftigt.

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Mit meiner Can-Do-Einstellung unterstützt ich Dich als Führungskraft zu mehr Eigenverantwortung, Perspektive und Positivität. Ich bin für stärkenorientiertes Führen und möchte Dir helfen, Deine Mitarbeiter zum Mitunternehmer zu machen. Motivierte Mitunternehmer übernehmen schneller Verantwortung und können Entscheidungen gezielter treffen. 
Für Deine Zufriedenheit und persönlichen Erfolg unterstütze ich Dich bei Herausforderungen im Führungs- und Karrierealltag. Lerne mich bei einem virtuellen Kaffe kennen. Ich freue mich auf Dich.
Deine Filiz Scarcella

 

Comments 2

    1. Hallo liebe Monja,
      vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Ohne Frage: Du solltest Dich wichtig nehmen. Meinst Du denn, jetzt konsequent mit Dir selbst zu sein?
      Liebe Grüsse
      Filiz

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