Das Annehmen von Kritik ist nicht einfach, genauso wenig das Üben von Kritik. Es braucht Empathie und eine gesunde Selbstwahrnehmung.

Konstruktive Kritik – Welcher Kritik-Typ bist Du?

Filiz Scarcella Allgemein Leave a Comment

Jeder von uns ist unterschiedlich. Du hast nicht die gleichen Wünsche, Werte und Fähigkeiten wie ich. Was ich als richtig und falsch empfinde, siehst Du möglicherweise ganz anders. Du teilst sicherlich nicht alle meiner Ansichten und ich nicht alle Deiner. Beurteilst Du jetzt was ich sage oder wie ich mich verhalte, so kritisierst Du. Deine Vorstellungen weichen einfach von den meinen ab. Stimme ich Deiner Beurteilung zu, dann werde ich die Kritik als gerechtfertigt ansehen. Bin ich anderer Meinung werde ich sie zuerst einmal als ungerechtfertigt wahrnehmen.

Kritik annehmen: Wie dieses Zitat von Mark Twain zeigt, ist es manchmal gar nicht so einfach.

Grundsätzlich muss Kritik nicht zwangsläufig negativ sein. Positive Kritik, die nichts anderes als Lob ist, drückt Anerkennung aus und dass etwas als „gut” bewertet wird. Leider kommt diese nicht so häufig zum Einsatz wie negative Kritik. Für viele gilt „nichts gesagt ist gelobt genug” (im Schwäbischen sogar ein Sprichwort) und viele kennen es wahrscheinlich: Hast Du etwas online gekauft und wirst nach Deinem Feedback gefragt, so bist Du eher gewillt es zu hinterlassen, wenn Du nicht zufrieden warst. Richtig?

Selten angenehm und trotzdem so wichtig

„Hallo Herr Meier, ich habe Ihren letzten Bericht gelesen und würde Ihnen gern dazu Feedback geben. Wann passt es denn am besten?” Die Frage schlägt erst einmal auf den Magen. „Herrje, was hat er denn jetzt wieder auszusetzen? Mit Feedback meint er Kritik, das ist ja wohl klar.” Warum reagieren wir so? Weil Kritik selten wirklich angenehm ist. Sie kommt uns wie eine Bedrohung unseres Selbstwertes vor. Wir werden beurteilt und das wollen wir schließlich nicht. Mit negativer Kritik richtig umzugehen, ist nicht immer einfach ist. Schnell werden Gefühle verletzt und Gegenreaktionen hervorgerufen, die dann im Konflikt enden. Und trotzdem ist Kritik für unser Lernen und Zusammenleben so, so wichtig.

Ein Beispiel, das wohl jedem bekannt vorkommt: Du gehst in ein neues Restaurant und hast hohe Erwartungen an die Spaghetti Carbonara. Die werden dann allerdings mit Sahne-Sauce serviert und schmecken Dir so gar nicht. Schliesslich bist Du der Ansicht, dass Sahne nichts in Carbonara verloren hat. Der Kellner räumt Deinen halbleeren Teller ab und fragt freundlich, ob denn alles ok war. Du nickst und bedankst Dich, verlässt das Restaurants und kommst nie wieder.

Kritik ist für unsere Weiterentwicklung elementar. Sie ist ein Teil unserer Kommunikation mit anderen, kann Augen öffnen, Probleme lösen und sie ist für unser Lernen unverzichtbar. Wir können und sollten Kritik üben, wenn es angebracht ist und wir müssen lernen, Kritik anzunehmen, wenn sie gerechtfertigt ist.

Kennst Du das Sprichwort „Der Ton macht die Musik”? Es ist oft wichtiger wie wir etwas sagen, als der eigentliche Inhalt unserer Worte. Wer möchte, dass Kritik beim Gegenüber ankommt und angenommen wird, der sollte sie konstruktiv formulieren.

So unterschiedlich gehen wir mit Kritik um

Wenn es darum geht, Kritik auszuteilen …

Der Meckerer:

Kritik üben: Viele meckern ständig, ohne wirklich konstruktiv Kritik zu üben. Hieraus erfolgt nie eine Veränderung, sondern nur Verärgerung.Ständig hat er etwas auszusetzen, ständig passt ihm etwas nicht. Der Meckerer macht gern Andeutungen und lässt hin und wieder Dampf ab, ohne dass sich tatsächlich etwas ändert.

Er meint seine Einstellung wäre die einzig richtige. Mit seiner Wortwahl macht er sich bei der Arbeit keine Freunde und spricht Probleme lieber hinter dem Rücken als direkt an.

Der Harmonie-Süchtige:

Kritik üben: Viele Führungskräfte scheuen sich davor, Kritik zu üben, weil sie sich vor der Reaktion der Mitarbeiter fürchten. Sie sind harmonie-süchtig.Am einfachsten scheint es doch, Kritik einfach ganz zu vermeiden. Dann höre ich eben während der Arbeit Musik, um das Kaugummi-Kauen des Kollegen zu übertönen. Dann sage ich eben nichts zum ständigen Zuspätkommen des Angestellten und gebe mich mit seiner Leistung zufrieden.

Hauptsache, die Harmonie bleibt gewahrt und ich bin als Führungskraft nicht unbeliebt.

Der Dekonstruktive:

Kritik üben: Wer beleidigend und herablassen wird, der kritisiert nicht konstruktiv. Das Gegenüber wird sich schnell in die Abwehrhaltung begeben.Kritik und wie sie gegeben wird, sagt oft auch viel über den Kritiker selbst aus.

Der Dekonstruktive möchte seine Macht demonstrieren und sich selbst besser fühlen. Aus diesem Grund – weil er mit sich selbst nicht im Reinen ist – kritisiert er unsachlich, wird beleidigend und betont nur das Negative im Gegenüber.

Der Konstruktive:

Kritik üben: Wenn Du jemanden kritisierst, solltest Du konstruktiv bleiben und Dich auf die Lösung des Problems fokussieren.Der Konstruktive sagt klar und deutlich, was gut oder weniger gut lief und beschäftigt sich mit der Lösung eines Problems statt mit der Herausforderung selbst.

Er formuliert seine Gedanken respektvoll und auf Augenhöhe, bringt auf den Punkt, was er sagen will und redet weder um den heissen Brei herum, noch übergisst er die eigenen Worte mit einem Zuckerguss. Trotzdem bleibt er immer empathisch und überlegt sich vor einem Feedbackgespräch, wie die Kritik, die er ausüben will, bei ihm selbst ankäme. Er formuliert, was er sagen möchte in der Ich-Form, damit klar wird, dass es sich um seine persönliche Meinung handelt. Der Konstruktive denkt nicht nur über seine Worte gut nach, sondern achtet auch auf die eigene Körpersprache. Augenrollen, Nase rümpfen – Nicht beim Konstruktiven.

Er wählt ausserdem den richtigen Zeitpunkt und kritisiert nicht im Affekt oder wenn er selbst gerade frustriert ist.

Wenn es darum geht Kritik anzunehmen …

Der in der Opferrolle:

Kritik annehmen: Wer sich in der Opferrolle befindet, zweifelt die eigenen Fähigkeiten an und fürchtet sich vor Kritik.Wer die eigenen Fähigkeiten anzweifelt, der findet sich leicht in einer Opferrolle wieder.

Schnell wird alles Gesagte falsch aufgefasst und als Kritik interpretiert. Das verunsichert noch mehr, verletzt und schadet dem Selbstbewusstsein.

 

Der Perfektionist:

Kritik annehmen: Perfektionisten finden es häufig schwierig, Kritik anzunehmen. Sie sehen Kritik als Angriff auf ihre Fähigkeiten an.Wer alles perfekt machen will, dem fällt es in der Regel nicht leicht, mit Kritik umzugehen. Er sieht Kritik als ein Zeichen an, nicht „alles richtig” gemacht zu haben.

Hier ist Einfühlungsvermögen seitens des Kritisierenden gefragt. Der Perfektionist braucht trotz Kritik das Gefühl, seine Arbeit gut zu machen und etwas beizutragen.

Der in der Abwehrhaltung:

Kritik annehmen: Wer sich von vornherein in der Abwehrhaltung befindet, dem wird es nicht möglich sein, Chancen in angebrachter Kritik zu finden.Der in der Abwehrhaltung sieht Kritik als persönliche Attacke an und reagiert mit einem Gegenangriff. Der eigentliche Inhalt des Feedbacks kommt bei dem in der Abwerhaltung gar nicht an – egal ob hilfreich oder nicht.

In der Hitze der Diskussion fallen dann auch schon mal Worte, die später bereut werden.

Der Chancen-Sucher:

Kritik annehmen: Angebrachte Kritik kannst Du als Chance ansehen und auch so Deinem Gegenüber reagieren.Er hört gut zu, stellt seinen Standpunkt dar und nimmt die Kritik an, die er als gerechtfertigt empfindet. Er sagt nicht zu allem „Ja und Amen” sieht aber in dem Gesagten die Chance zur Veränderung und ein Angebot zur Hilfe. Er weiss, dass nicht er selbst sondern seine Arbeit beurteilt wird und schiebt die Schuld nicht auf andere. Ist die Kritik zwar negativ aber trotzdem konstruktiv, so ist sich der Chancen-Sucher bewusst, dass ihm das Gegenüber nichts Böses sondern lediglich ein Feedback geben will. Er reagiert nicht impulsiv, sondern stellt erst einmal eine gewisse Distanz zu den Kritikpunkten und dem Gespräch her, um einen klaren Kopf zu bekommen.

Wie Du siehst, liegt es ganz bei uns selbst, Kritik als Motivation zur Veränderung oder als Anfeindung anzusehen. Ausserdem können wir beeinflussen wie unser Gegenüber auf unser Gesagtes reagiert, indem wir uns wertschätzend und konstruktiv ausdrücken.

Wie kommen der Konstruktive und der Chancen-Sucher zusammen?

Wer austeilt, der sollte auch einstecken können! Wer also kritisiert, der sollte auch in der Lage sein, Kritik anzunehmen. Beides ist nicht leicht, kann aber erlernt.

Der Anfang, die Basis liegt auch hier wieder in einer gesunden Selbstwahrnehmung. Wer die eigenen Gefühle gut kennt, der kann sie kontrollieren. Wer selbstbewusst ist, der muss sich nichts beweisen und will andere gar nicht dekonstruktiv kritisieren. Wer emotionale Intelligenz besitzt, versetzt sich in sein Gegenüber hinein.

Eine offene Kommunikation im Unternehmen und das Vertrauen zwischen Führungskräften und Mitarbeitern bildet die Basis für einen konstruktiven Umgang mit Kritik. Mache aus einem Monolog einen Dialog! Frage nach, ob Du alles richtig verstanden hast und was der Standpunkt Deines Gegenüber ist. Werde selbst der Konstruktive und der Chancen-Sucher! Die beiden haben’s raus.

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