Wer mutig führen will, der muss sich was trauen.

Mutige Führung: Traust Du Dich?

Filiz Scarcella Allgemein Leave a Comment

Franka ist 26 Jahre jung. Hochmotiviert und mit frischem, guten Master-Abschluss in der Tasche bewarb sie sich bei verschiedenen Firmen und schwupps… rutschte sie in eine Leitungsposition. Sie solle ein Team von 15 Mitarbeitern führen, wird ihr gesagt. „Hier sind unsere Werte, hier unsere Vision, hier die Termine für die Sommer- und Weihnachtspartys“, erzählte ihr die HR-Dame und deutete auf ein DIN A4-Blatt: Das Unternehmen in 15 Stichpunkten.

Zwei Monate später: Franka ist unzufrieden. Nicht, weil ihr die Arbeit keinen Spass macht oder sie ihre Kollegen nicht mag, sondern weil sie verdammt unsicher ist. Die Theorie hat sie drauf. Sie weiss, wie sich eine gute Führungskraft verhalten soll. Ihr ist klar, dass auch kritisches Feedback zum Alltag eines Leaders gehört und Konflikte durchaus Chancen sein können. Und trotzdem zweifelt sie daran, ob eine Führungsrolle wirklich das richtige für sie ist. Was Franka fehlt ist Mut.

Mutig führen bedeutet Ängste überwinden.

Warum Führen Mut benötigt

Wir Menschen wählen oft den Weg des geringsten Widerstands. Wir wollen keinen Ärger und vor allem wollen wir keine Sympathiepunkte bei anderen einbüssen. Franka kam als externe Führungskraft in ein Unternehmen und wollte – ganz verständlich – von allen gemocht werden. Aus Angst es sich mit den Kollegen und vor allem den alten Hasen zu verscherzen, hielt sie lieber den Mund, statt ihre Meinung zu sagen. Sie hielt an gewohnten Prozessen fest, aus Angst ihre Mitarbeiter zu demotivieren.

 Tatsächlich trat ganz das Gegenteil von dem ein, was sie versuchte zu erreichen: Die Mitarbeiter verloren das Vertrauen in Franka und die Achtung vor ihrer Kompetenz. Kurzfristig war sie „everybody’s darling“, langfristig hatte sie sich zum Sklaven ihrer Ängste und Gefühle gemacht. Hinter vorgehaltener Hand wurde sie als jemand „ohne Rückgrat“ bezeichnet, denn sie bezog nie klar Position und äusserte keine Kritik. Beim Versuch ihr Ansehen zu bewahren, setzte sie selbiges aufs Spiel.

Mutig führen - Der Löwe als das Symbol für Mut.Führung braucht Mut, weil …

… unsere VUCA-Welt ungewiss, komplex und unsicher ist.

… Innovation nur dort geschieht, wo es Querdenker gibt.

… Mitarbeiter durch konstruktives Feedback wachsen.

… sich Risikobereitschaft in den meisten Fällen auszahlt.

… Feigheit ansteckend ist.

… Mut ansteckend ist.

… Courage Vertrauen erzeugt.

… Mitarbeiter Orientierung in ihrer Führungskraft finden. 

… 

Welche Punkte kannst Du ergänzen?

Mut = Vertrauen?

Die Rolle einer Führungskraft ändert sich, je nachdem welche Anforderungen die Arbeitswelt an sie stellt. Hierarchische Führung hat ausgedient. Wir suchen heute nach einem Sinn in unserer Arbeit, wir wollen etwas mitgestalten und selbst mit einer Aufgabe wachsen. Führungskräfte brauchen also den Mut ihren Mitarbeitern genau diesen Spiel- und Gestaltungsraum zu geben, Verantwortung zu übertragen und Engagement zu schaffen. Manch einer tut sich genau damit schwer. Arbeiten die Kollegen vom Home Office aus, können sie weniger kontrolliert werden. Sollst Du Aufgaben delegieren, könnte es zu Fehlern kommen. Mutig zu sein, heisst vertrauen zu können.

Wer mutig führen will, der muss in die eigenen und die Fähigkeiten anderer vertrauen.

Warum Ängste ganz normal sind

 

Angst zu haben ist ganz normal. Jeder von uns fürchtet sich vor etwas oder jemanden. Aber: Nicht wer keine Ängste hat ist mutig, sondern wer in der Lage ist, seine Furcht zu überwinden. Eine Grundvoraussetzung hierfür ist, das eigene Verhalten stets und ständig zu reflektieren. Welche Ängste hast Du und wo sind sie berechtigt? Wann handelst Du feige?

Nun betrachte diese Situationen – Deine persönlichen Mutproben – ganz genau! Trete gedanklich einen Schritt zurück und stelle Dir folgende Fragen:

  1.  Was passiert, wenn ich schweige? Was geschieht, wenn ich aktiv werde? In welchem Verhältnis stehen die Auswirkungen des jeweiligen Handelns? Ist meine Angst grösser als die Wichtigkeit, die ich einer Sache beimesse?
  2.  Welche Auswirkungen hat mein Handeln, meine Idee oder mein kritisches Feedback auf mich selbst, mein Team und das gesamte Unternehmen?
  3. Welche Reaktion wird mir mein Gegenüber zeigen?

Folgst Du nicht dem spontanen, natürlichen Drang Dich zu schützen, sondern betrachtest die Situation ganz perspektivisch von aussen, wirst Du Dich sicher bewusst dafür entscheiden aktiv zu werden. Fehlender Mut kann schnell zu einer unüberwindbaren Mauer zwischen Dir und Deinem selbstbestimmten Leben werden. 

Damit es nicht dazu kommt, kannst Du Mach-Mut-Strategien entwickeln. Du kannst Dir im Vorfeld überlegen, wie Du Dich in einer für Dich beängstigenden Situation verhalten wirst und im Nachhinein reflektieren, wie Du Dich tatsächlich verhalten hast. Mein Mach-Mut-Formular hilft Dir hierbei. Lade es Dir jetzt herunter!

Mach-Mut-Formular - Wer mutig führen will, muss seine Ängste überwinden.

Warum das Umfeld grossen Einfluss auf unseren Mut nehmen kann

 

Auch wenn Unternehmen von ihren Führungskräften Mut einfordern, ist es in der Praxis, in der wahren, rauen Arbeitswelt da draussen nicht immer gern gesehen. Tatsächlich kommt es sogar häufig vor, dass Mut bestraft wird. Wer mag schon den Querdenker, der in jedem Meeting kritisch seine Meinung äussert? Wer beäugt die Führungskraft, die scheinbar waghalsige Risiken eingeht nicht skeptisch? Viele Angestellte mögen zu Beginn mutig sein, machen dann aber schlechte Erfahrungen und verkriechen sich lieber.

Zurück zu Franka: Sie findet einen der Prozesse, den ihre Mitarbeiter tagtäglich durchlaufen zeitraubend, unsinnig und veraltet. Diesen Zustand möchte sie im Meeting ansprechen. Noch vor ihr ergreift ein anderer Teamleiter das Wort und kritisiert die Pläne der Vorstandsebene zur Reduzierung des Personals. Ohne Argumentation werden seine Zweifel kleingeredet. Für Franka wird schnell klar: Die Feedback-Kultur im Unternehmen lässt Kritik nach oben hin nicht zu. Auch stellt sie fest, dass Fehler hart abgestraft werden. Die einzige logische Konsequenz aus einer solchen Unternehmenskultur: Selbstschutz, nichts oder einfach immer „Ja“ sagen. Diese Einstellung im Denken und Handeln verbreitet sich wie ein Lauffeuer.  Feigheit ist ansteckend, Mut ist es genauso. Wer erwartet, dass die eigenen Mitarbeiter mutig handeln und ihre Ideen einbringen, der muss diese Kultur vorleben. 

Kann Mut erlernt werden?

 

Mut ist wie ein Muskel. Je öfter Du ihn benutzt, desto stärker wird er. Du könntest Dir demnach vornehmen, jeden Tag mindestens in einer Situation mutig zu sein. Was das genau für Dich bedeutet, hängt ganz von Deiner Komfortzone ab. Diese ändert sich fortwährend und wächst oder verkleinert sich mit Deinen Erfahrungen. Als Kind hast Du Dich vielleicht vor dem Dreimeter-Turm im Schwimmbad gefürchtet, heute springst Du vom Fünfer, bist aber zu feige, Deinem Mitarbeiter gegenüber „Nein“ zu sagen.

Die folgenden fünf Tipps können Deinem Mut auf die Sprünge helfen: 

    • Reflektiere Dein Verhalten und Denken!

      Wie bereits zuvor beschrieben, ist Selbstreflektion die Basis, um mutiger zu werden. Betrachte hierbei vor allem Dich selbst aber auch das Umfeld in dem Du Dich befindest. Ist es ganz „normal“ nicht klar Position zu beziehen? Schmiert jeder dem Chef Honig um den Bart? Zur Reflektion gehört es aber auch, die eigenen Erfolge zu feiern. Die nehmen wir häufig nämlich gar nicht wirklich wahr.

    • Übernimm Verantwortung!

      Verantwortung zu übernehmen braucht Mut. Schliesslich gehst Du jedes Mal dann ein Risiko ein, wenn Du für eine Sache, eine Person oder eine Aufgabe Verantwortung übernimmst. Was ist, wenn etwas schief geht? Dann könntest Du Dich blamieren. Du könntest in einen Konflikt geraten oder jemanden verärgern. Ist es das wert? Ja! Denn stehst Du nicht zu Deinen Fehlern oder zu Deinem Wort, wirst Du schnell das Vertrauen der Personen in Deinem Umfeld einbüssen. Deine Absicht Harmonie zu wahren, ist somit aus dem Fenster. Etwas zu sagen, bedeutet, etwas zu wagen. Dein Gewinn: Respekt und Klarheit.

    • Achte auf Deine Deine Sprache!

      Vermeide Konjunktive und passive Verbformen! Sprich Klartext und verwende positive Ausdrücke! Führungskräfte mit Mumm signalisieren, dass sie zu ihrem Wort stehen und ihre Meinung klar vertreten.

    • Schritt für Schritt statt mit einem Sprung!

      „Verlasse Deine Komfortzone!“ Wie oft hast Du diese Forderung schon gehört? Leichter gesagt, als getan. Fange klein an, mit einem Schritt! Kannst Du Dich zu diesem immer noch nicht überwinden, dann sprich Deine Befürchtungen offen aussen. Wende Dich an eine Person Deines Vertrauens und beschreibe Deine Zweifel oder Befürchtungen. Selbst wenn Dein Gesprächspartner nicht Deiner Meinung ist, wird Dir die Wichtigkeit Deines Vorhabens doch bewusster und Du steckst bereits mitten im Handeln. Nun musst Du nur noch diese erste Hemmschwelle überwinden, den ersten Schritt machen, der meist am schwersten fällt.

    • Verabschiede Dich von Selbstzweifeln und Perfektionismus!

      In welchem gedanklichen Zustand befindest Du Dich häufiger? „Ich habe keine Erwartungen. So kann ich auch nicht enttäuscht werden.” oder „Ich habe sehr hohe Erwartungen und die wollen erfüllt werden” – In beiden Situationen misstrauen wir unseren eigenen Fähigkeiten. Wir meinen nicht gut oder nicht gut genug zu sein und fangen aus der Angst vor dem Versagen gar nicht erst an. Passiert ein Fehler, so treibt er Dich nur noch weiter in Selbstzweifel hinein. Stop! Vertraue in Dich selbst! Gehe mutig auf Deine Ziele zu und lerne aus Missgeschicken. Die passieren. Das wirst Du nicht ändern können und das ist auch gut so.

    Fazit – Mutig führen heisst Mut vorleben

    Egal ob Du eine Führungsposition inne hast oder nicht, egal ob Du am Anfang Deiner Karriere stehst oder schon im Hamsterrad steckst, Mut ist eine wichtige, persönliche Eigenschaft. Wer mutig die eigene Meinung vertritt, der lebt selbstbestimmt. Wer die eigene Komfortzone ab und an verlässt, der findet heraus, wozu er in der Lage ist und wächst. Wer Haltung einnimmt, der kann Halt geben. 

     

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    Filiz Scarcella ist eine energiegeladene, inspirierende und out of the Box denkende Business Coach|in, Buch-Autor|in und kreative Macherin. Sie zeigt Führungskräfte, Manager, Projektleiter und Unternehmer, wie sie mit ihrer Persönlichkeit punkten, wie sie sich selbst besser vermarkten und wie sie ihre Mitarbeiter zu Mitunternehmer machen.

    Dazu hat sie verschiedene Coaching und Mentoringprogramme entwickelt und u.a. das Buch: Vorbildlich Führen geschrieben. Das Ganze wird unterstützt durch Mental-Selfness-Power, was in der Kombination im deutschsprachigen Raum einmalig ist.

    Durch ihre Arbeit verhilft sie zu mehr Spass, Erfolg und Sinnhaftigkeit. Stärkenorientiertes Führen ist der Schlüsselfaktor für die neue Arbeitswelt. Filiz hat eine Mission – Sie unterstützt Menschen darin; positiver, selbstbestimmter und leistungsfähiger zu sein und dabei mehr Herz und Mut ins Businessleben zu bringen. Lerne Filiz Scarcella bei einem virtuellen Kaffe kennen. 

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