Warum brauchst du eine Personal Brand

Personal Brand – Brauchen wir sie wirklich?

Filiz Scarcella Allgemein Leave a Comment

Ich weiss ja nicht, wie es Dir geht, aber ich habe es satt. Ich schau mich auf den sozialen Medien, auf LinkedIn und Co. um und alles, was ich sehe, sind Colgate-LĂ€cheln, NadelstreifenanzĂŒge und sĂ€uberlich aufgereihte Errungenschaften, Zertifikate und Titel. Ob es das Haus, die Frau, der Urlaub oder das Bachelor-Zertifikat von vor 20 Jahren sind - mal ehrlich, wen interessiert’s? Was viele von uns versuchen, da nehme ich mich selbst nicht aus, ist bewusst oder unterbewusst eine Personal Brand aufzubauen. 

Personal was? Schon wieder so ein Buzzword? Jop - wieder eines, aber diesmal geht es nicht um komplizierte FĂŒhrungsmodelle oder darum, dass Content King ist. Das weiss nĂ€mlich mittlerweile jeder. Beim Personal Branding geht es um Dich, um Deine Werte, um Deinen Erfolg. 

Beim Personal Branding machst Du Dich erstmal ganz nackig, suchst Dir dann das bequemste Kleidchen aus, das Deine Augen so schön zum Strahlen bringt und zeigst Dich dann der Welt in Deiner vollen, genialen Pracht. Bereit? Dann los! Klamotten runter!

Was ist eine/Deine Personal Brand?

Im Internet finden sich so einige Definitionsversuche von “Personal Branding” wieder. Prinzipiell ist immer davon die Rede, sich mithilfe der eigenen Persönlichkeit, der Erfahrungen, der Kompetenzen und Erfolge eine Art Eigenmarke und einen Ruf in der Öffentlichkeit aufzubauen. Ist dies einmal geschafft und haben andere ein Bild von Dir, dann hast Du sie: Deine Personal Brand. 

“Personal Brand” und “Personal Branding” sind also nicht ein und dasselbe. Du kreierst Deine Personal Brand durch den Prozess des Personal Brandings. Oft lese ich in diesem Zusammenhang auch ein weiteres Statement: Deine Personal Brand ist, was Leute ĂŒber Dich sagen, wenn Du den Raum verlĂ€sst. 

Infografik zu den Faktoren der Personal Brand

Personal Brand heisst nicht gleich aller Manns Liebling

Nun, ich selbst mag diese Definition oder besser gesagt, dieser Herangehensweise zum Leben nicht wirklich. Denn eines möchte ich klarstellen: Eine Personal Brand zu entwickeln bedeutet nicht automatisch, dass Du einen hervorragenden, immer-positiven Ruf haben wirst. Du kannst an Deinen FÀhigkeiten, Deinen Kompetenzen arbeiten, aber Deine Reputation, die wird immer noch von anderen erschaffen. Das fÀllt uns schwer zu akzeptieren, weil wir nun einmal gern immer die Kontrolle haben wollen, aber glaub mir, anderen ist schnurzpiepegal, ob Dein LinkedIn Profil-Bild drei oder vier Stufen aufgehellt wurde und ob Du diesen oder jenen Filter nutzt. 

Die Versuchung, alles, was von uns sichtbar ist (und das ist heutzutage eine ganze Menge - wann hast Du Dich selbst zum letzten Mal gegoogelt?) aufpolieren zu wollen ist gross. So hohe Erwartungen, so viel Druck von aussen - solange ich geleckt aussehe, werden die anderen sicher denken, dass ich erfolgreich bin. In unserer Kultur dreht sich (leider) so viel um unser Aussehen und unsere mediale Selbstinszenierung. Doch je mehr Du versuchst “zu gefallen”, desto weiter entfernst Du Dich von der Person, die Du eigentlich bist. Je mehr Du Dich in ein enges KostĂŒm, in eine Rolle zwĂ€ngst, die einfach nicht zu Dir passt, desto unbequemer wird es werden. Das muss nicht sein
 oder Du kannst zumindest entscheiden, bei dem ganzen Zirkus nicht mitzumachen. 

Am Ende des Tages beeinflusst Du nur indirekt, wie Dich andere wahrnehmen, nÀmlich durch Dein Handeln - auch und vor allem in Bezug auf die Menschen in Deinem Umfeld. John Wooden, ein legendÀrer Basketball Coach hat es mit seinem Zitat genau auf den Punkt gebracht:

“Be more concerned with character than reputation. Character is what you are, reputation is what people think you are.”John Wooden

Glaub mir, es ist egal, ob Dich jemand mag oder nicht. Kannst Du Dich allerdings selbst nicht leiden, haben wir ein Problem. Dein Fokus, Dein Streben sollte darauf liegen, eine Person zu werden, die Du selbst liebst.

Also vergiss alles, was Dir all die Life-Coaches und Frauenratgeber erzÀhlen! Deine Personal Brand ist genau das: Personal, Du, wirklich, wirklich Du. Sei authentisch und sch**** drauf, wenn Dich jemand nicht mag! Die Welt ist gross genug, um da draussen die Leute zu finden, die genau das brauchen, was Du zu bieten hast. Es gibt sie die Menschen, die Dich genial finden und die Deine Arbeit schÀtzen. 

Was ist Deine Personal Brand
Personal Branding - Mach Dich nackig!

In meinen Augen ist Deine Personal Brand eine Art authentisches Abbild Deiner Selbst inklusive Deiner Vision, Deiner Werte und vor allem Deiner Persönlichkeit. 

Schritt 1: Mach Dich einmal nackig und stelle Dich vor den Spiegel! Nun, was siehst Du? Wer bist Du wirklich, minus all Deiner Titel, dem schicken Auto und dem tollen Haus? 

Schritt 2: Du bist stolz auf Deine Errungenschaften? Das darfst, nein sollst Du auch gern sein! Aber sei Dir bewusst, dass Dein Job und Deine Zertifikate Dich nicht definieren. Du bist immer noch nackig, aber Du darfst Dir nun aussuchen, welche Klamotten Du gern tragen willst. Wer willst Du wirklich sein? 

GrĂŒn-lila Schal? Warum nicht! Falle auf, statt Dich anzupassen. 

Zwei verschiedene Socken? Tja, wenn das Dein Style ist, dann lass Dir von niemanden sagen, das “dĂŒrfe nicht so sein”. 

Ein roter Hut? Du willst zwar, aber traust Dich noch nicht ganz? Wie wÀre es, wenn Du heute erstmal das rote KÀppi aufsetzt und Dich so langsam an den Federhut rantastet? Wenn Du etwas wirklich willst, dann mach den ersten Schritt und verlasse Deine Komfortzone.

Hauptsache ist, dass alles, was Du Dir aussuchst, wirklich passt und nicht irgendwo zwickt und zwackt. 

Schritt 3: Bist Du bereit, Dich der Welt zu zeigen? Yes! Yes! Yes! Los geht's! Zeige den anderen, wie genial Du bist. Passt jemandem Dein roter Federhut nicht, Pech gehabt! Derjenige weiss gar nicht, was er verpasst.

Socken und HĂŒte einmal beiseite, was ich eigentlich sagen will, ist, dass dem Personal Branding immer ein guter, langer Blick in den Spiegel vorausgeht. Selbstwahrnehmung ist, wie in so vielen Bereichen unseres Lebens, die Basis, auf der Du aufbauen kannst. 

Durch die Personal Brand sichtbar werden

Gehen wir die ganze Sache noch einmal ernster an.

Deine Personal Branding Strategie

Ich kann Dir nicht sagen, welchen Jacke Du anziehen sollst und dass pink sowieso die genialste Farbe ist. Du musst selbst herausfinden, was zu Dir passt und welche Personal Brand Du entwickeln willst. Heute gebe ich Dir also keine Tipps an die Hand, sondern Fragen - keine Antworten, nur Fragen, die Du fĂŒr Dich beantworten solltest. 

  • Wer bist Du?
      1. Welche Erfahrungen hast Du in Deiner Jugend gemacht und welche Menschen waren daran beteiligt?
      2. Mit welchen Werten und GlaubenssÀtzen bist Du aufgewachsen?
      3. Hattest Du als Kind schon ein Interesse in einem bestimmten Gebiet/ ein Hobby?
      4. Was waren Deine grössten Erfolge und Misserfolge?
      5. Wer inspiriert Dich?
  • Was macht Dich besonders?
      1. Beschreibe Dich selbst mit drei Hashtags!
      2. Was liebst Du an Dir besonders?
      3. Wie wĂŒrde Dich Deine beste Freundin beschreiben?
      4. Was schÀtzt Du an anderen Menschen?
      5. Was ist Dir jetzt besonders wichtig?
      6. Was trÀgst Du bei? Zu was auch immer 

      7. Was sind Deine StÀrken?
  • Wie wird Deine Personal Brand aussehen?
      1. Was ist “Deine Story”?
      2. WofĂŒr brennst Du?
      3. Gibt es etwas, das andere unbedingt ĂŒber Dich wissen sollten?
      4. Gibt es etwas, das andere auf keinen Fall von Dir wissen sollen?
      5. Welche Rolle nimmst Du ein?
      6. Mit welchen Menschen willst Du Dich umgeben?
  • Wie willst Du Deine Personal Brand kommunizieren?
      1. Wie willst Du kommunizieren? 
      2. FĂŒhlst Du Dich auf den sozialen Medien wohl?
      3. Durch welchen Content kannst Du Dein wahres Ich zum Vorschein bringen?
      4. Mit welchem Content machst Du deutlich, was Dir wichtig ist?
      5. Mit welchem Content kannst Du andere unterstĂŒtzen?

Sicher fallen Dir selbst zu jedem Punkt weitere Fragen ein oder Überlegungen fĂŒhren vom einen zum anderen. Nimm Dir ruhig einmal Zeit und begib Dich auf eine Gedankenreise! Schliesslich geht es hier nicht tatsĂ€chlich darum, fĂŒr welchen Pulli Du Dich heute entscheiden sollst, sondern um viel mehr - um Deine gesamte Garderobe (ich kann es einfach nicht lassen).

Warum ist eine Personal Brand wichtig?

Nun, irgendwie klingt die Sache mit dem Personal Branding ganz schön aufwendig? Keine Sorge! Du entwickelst auch ohne Dein Zutun eine persönliche Marke. Die Frage ist nur, ob Dir diese wirklich selbst gefÀllt. 

Wie ich weiter oben sicher klargemacht habe, will ich nicht, dass Du Dich verstellst. Es hat allerdings durchaus Vorteile, Selbstvermarktung zu betreiben und die eigene Personal Brand so zu schleifen, dass sie tatsÀchlich deutlich macht, wie genial Du eigentlich bist. 

Warum ist Personal Branding wichtig?

Vertrauen in Deine Person

Menschen vertrauen Menschen. So ist das einfach. Willst Du etwas verkaufen - und das machen wir stĂ€ndig - musst Du immer zuallererst selbst ĂŒberzeugen. Du bist der USP, Dein Unique Selling Point. 

Hast Du eine klare, starke Personal Brand wissen Leute immer, woran sie bei Dir sind. Diese Klarheit lÀsst Vertrauen entstehen - bei Dir muss nichts erraten, nichts herausgefunden werden. 

Experte auf Deinem Gebiet

Mit Personal Branding kannst Du Dich als Experte auf einem Gebiet positionieren. Voraussetzung hierfĂŒr ist, dass Du weisst, wo denn eigentlich Dein Fokus liegt. Wir können nicht immer allen gefallen. Punkt. Also versuche nicht, es allen recht zu machen, sondern konzentriere Dich auf die Dinge, fĂŒr die Du wirklich brennst. Finde Deine Nische, zeig, was Du kannst! Mach es und mach es richtig!

Ist Deine Personal Brand stark, werden Dich andere fĂŒr Dein Interessengebiet weiterempfehlen, ganz ohne, dass Du etwas machen musst. Und glaub mir, sprechen andere positiv ĂŒber Dich, ist das fĂŒr Deine Karriere und Dein Business einflussreicher, als wenn Deine Mutti oder Du selbst versuchst anderen weiszumachen, wie genial Du bist. 

Sichtbar werden

Eine starke, positive Personal Brand kann vor allem bei der Jobsuche durchaus hilfreich sein. ZukĂŒnftige Arbeitgeber wollen wissen, wen sie da einstellen und bekommen, wenn Du online und offline sichtbar bist, einen guten Eindruck von Deiner Persönlichkeit und Deinen Kompetenzen. Des Weiteren kann Dich Deine Eigenmarke dabei unterstĂŒtzen, unter einer Vielzahl an Bewerbern oder bei Kunden herauszustechen. Die Leute, die genau Dich suchen sind da draussen. Die Frage ist nur, wie sie Dich finden.

Gleichgesinnte finden

Machst Du deutlich, was Dir wichtig ist und positionierst Dich klar, wirst Du Gleichgesinnte nur so in Deinen Bann ziehen. Dadurch wÀchst Dein Netzwerk, ihr könnt euch gegenseitig inspirieren und miteinander wachsen. 

Dein Selbstbewusstsein stÀrken

Indem Du Dich auf Deine StĂ€rken und Deine positiven Eigenschaften konzentrierst, wird Dein Selbstbewusstsein geradezu einen HĂŒpfer nach oben machen. Vielleicht warst Du Dir zuvor gar nicht bewusst, wo Du Dich eigentlich positionieren oder wie Du anderen mit Deinem Wissen helfen kannst. 

AuthentizitÀt leben

Die sozialen Netzwerke nerven? Ja, mich auch! Aber ich habe gelernt, wie hilfreich sie beim Personal Branding und beim Aufbau von Beziehungen sein können. DafĂŒr muss ich mich aber nicht verstellen - ganz im Gegenteil. Ich lebe meine AuthentizitĂ€t, auch in der virtuellen Welt. Wenn ich mich online authentisch zeige, wissen die anderen gleich, womit sie es zu tun haben. Und stört sich jemand an meinen Posts oder Profilbild 
 Arrivederci, See you later.

Fazit: Mach Dich sichtbar! 

 

Nein, Du brauchst Dein Instagram-Profil nicht aufpolieren. 

Nein, Du musst nicht immer auf dicke Hose machen, damit die anderen denken, Du seist erfolgreich.

Nein, Du musst nicht immer allen gefallen. 

Überlege Dir einfach gut, welche Person Du sein möchtest - nicht, welche Person die anderen sehen wollen. Willst Du Dich verĂ€ndern, dann tu es! Sitz nicht lĂ€nger nur herum, sondern mach Dich nackig und beginne mit dem Grundfundament! Bist Du happy genauso wie Du bist (und ich denke ja eh, dass Du genial bist), dann zeig der Welt, was Du drauf hast!

Nun bin ich gespannt. Was hÀltst Du von der ganzen Sache? Glaubst Du, jeder sollte an der eigenen Personal Brand arbeiten? Hinterlasse mir einfach mal Deine Gedanken in den Kommentaren!

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