Muss ich meine Komfortzone verlassen?

Raus aus der Komfortzone … oder lieber doch nicht?

Filiz Scarcella Allgemein 4 Comments

Die Komfortzone. Sie wird als gruselig langweiliger Ort dargestellt. „Raus aus der Komfortzone”, tönt es von den Dächern. Muss ich das denn wirklich? Hier ist’s doch so kuschelig warm und bequem. Hier kenn ich mich gut aus. Hier sind Situationen voraussehbar. Hier gibt es meine Routinen, meine Gewohnheiten. Hier fühle ich mich sicher.

Dort wo die Komfortzone endet, beginnt Anstrengung. Wo genau diese Grenze liegt, das ist ganz individuell – von Person zu Person unterschiedlich. Einer spricht auf der Strasse fremde Menschen an, um ihnen etwas zu verkaufen. Der andere bekommt ein flaues Gefühl im Magen, wenn er einen Vorschlag in einem Meeting vorbringen und sich melden will. In seiner Komfortzone zu bleiben, heisst, nicht aufzufallen.

Wo auch immer die Grenze liegt, jeder von uns hat seine eigene ganz persönliche Komfortzone und diese zu verlassen braucht Mut und eine gehörige Portion Überwindung. Lohnt sich das denn dann überhaupt? Ja!

Das Drei-Sektoren-Modell: Unser Leben in Zonen

Im Drei-Sektoren-Modell wird davon ausgegangen, dass wir Menschen unser Leben in drei Zonen unterteilen können.

3-Phasen-Modell: Die Komfortzone grenzt an die Lernzone.

Komfortzone: In diesem Bereich fühlst Du Dich wohl. Hier erwartet Dich nicht viel Neues und Du kannst Dich entspannen. Neben routinierten Handlungen können zur Komfortzone auch Orte zählen, wie zum Beispiel Deine Couch im Wohnzimmer oder aber Menschen, die Dir vertraut sind. Kennst Du Dich selbst gut, weisst, wo Deine Stärken liegen, so wird sich Deine Komfortzone in genau diesen Bereichen ausweiten.

Lern- und Wachstumszone: In der Lern- und Wachstumszone, die zwischen der Komfort- und der Panikzone liegt, werden wir gefordert aber nicht oder zumindest nicht permanent überfordert. Genau hier wollen wir hin. Vorerst scheint die Wachstumszone als anstrengend, weniger sicher und unter Umständen auch angsteinflössend. Werden aber hier gute Erfahrungen gemacht und Erfolge gefeiert, so weitet sich Deine Komfortzone Stück für Stück aus.

Panikzone: Wer zu schnell zu viel will, der findet sich auch schon mal in der Panikzone wieder. Negativer Stress und Überforderung setzt dann ein, wenn wir uns einer Aufgabe nicht gewachsen fühlen, wenn das Ziel unerreichbar scheint, wenn uns jemand regelrecht aus unserer Komfortzone schubst.

Tatsächlich hat das auch alles so seinen Sinn. Unser Menschsein ist darauf ausgelegt, auf unsere Sicherheit, unsere Gesundheit zu achten. Eine stark eingeschränkte Komfortzone liegt uns ganz natürlich in den Genen. Greifen wir auf eine heisse Herdplatte, werden wir uns die Hand verbrennen, tragen wir in der Arktis keine Schuhe, werden uns schnell die Zehen abfallen.

Sich permanent in der Panikzone zu befinden, bringt uns nicht weiter. Wir erstarren geradezu, versuchen irgendwie den Kopf über Wasser zu behalten und haben dabei alles andere als Spass.

Warum soll ich meine Komfortzone überhaupt verlassen?

Musst Du Deine Komfortzone verlassen? Musst Du Dir den ganzen Stress denn wirklich geben? Nein, musst Du nicht.

Kennst Du die Grafik mit der kleinen und der grossen Blase? Die kleine stellt Deine Komfortzone dar und die grosse steht für „Where the Magic happens”. Ich war nie der grösste Fan dieser Idee.

Du musst Deine Komfortzone nicht verlassen. Sie ist Deine Basis.

Auch wenn es oft so klingen mag, die Komfortzone ist kein dunkler, langweiliger Ort, der weniger Wert ist als alles, was ausserhalb von ihr liegt. Wir brauchen Routinen. Sie sorgen dafür, dass wir produktiv sind, dafür, dass wir nicht über jeden einzelnen unserer Schritte nachdenken müssen.

Die Sicherheit, die uns zum Beispiel unser Partner und unsere Familie gibt, diese Unterstützung kann uns den nötigen Mut geben, um ab und an eben diese Komfortzone zu verlassen.

Denn früher oder später werden wir alle in eine Situation kommen, die ausserhalb der magischen Grenze liegt. Wie flexibel wir auf diese Herausforderungen reagieren ist ein guter Indikator dafür, wie gross unsere Komfortzone ist. Die Welt verändert sich ständig und somit auch die Menschen in ihr. Du kannst Dich verkriechen oder weiterentwickeln. Die Wahl liegt bei Dir.

Wer regelmässig den Blick über den Tellerrand wagt, die Grenzen der eigenen Komfortzone austestet, der wird selbige dabei automatisch ausweiten. Stell Dir das ganze wie bei einem Muskel vor! Wenn Du zum Beispiel Deine Arme gezielt trainierst und Deine Muskeln dabei temporär überlastest, ihnen aber auch ab und an eine Pause gönnst, wirst Du stärker werden. Entschliesst Du Dich dazu von einem auf den anderen Tag 100 Kilo-Gewichte zu heben, wirst Du Dir wahrscheinlich einen Muskel zerren.

Raus aus der Komfortzone in kleinen Schritten mit grosser Wirkung

Stillstand ist nicht mein Ding, was Du sicher wissen wirst, wenn Du regelmässig meine Beiträge liest. Ich stehe für Weiterentwicklung ein, dafür das eigene „Selbst” kennenzulernen und ständig an den eigenen Fähigkeiten und der emotionalen Intelligenz zu arbeiten.

Nun erfordert es Mut und Überwindung die eigene Komfortzone zu verlassen. Das weiss ich selbst nur zu gut. Wie wäre es, wenn Du statt einem grossen Sprung, einen kleinen Schritt täglich machst? Das Leben ist zu kurz um nur auf der Stelle zu treten.

Verlasse Deine Komfortzone Schritt für Schritt statt mit einem Sprung.

Ich wollte bereits seit einer ganzen Weile als Coach arbeiten, wollte Workshops halten und Menschen unterstützen. Positive Leadership war ein Gebiet, das mich schon damals besonders interessierte. Nun schien dieses Projekt und dieses Ziel vorerst riesengross und um ehrlich zu sein auch etwas furchterregend. Wer weiss denn schon, ob die Leute überhaupt hören wollen, was ich zu sagen habe? Vielleicht nimmt mich niemand ernst, vielleicht werde ich all diese Zeit investieren und am Ende doch scheitern.

Hätte ich von heute auf morgen alles andere stehen und liegen lassen, wäre ich sicherlich bereits vor Panik wahnsinnig geworden. Meine Komfortzone, mein damaliger Job, mein Partner, selbst mein Hund, all diese Sicherheiten haben es mir ermöglicht erste kleine Schritte zu machen. Ich baute mir eine Webseite auf, ich legte mir Profile in den sozialen Medien an, brachte die ersten Gedanken zu Papier (beziehungsweise auf die Tastatur). Bei meinem grossen Ziel bin ich noch nicht ganz angelangt aber ich mache jeden Tag einen Schritt in die richtige Richtung. Ich verlasse jeden Tag meine Komfortzone ein bisschen, wage einen kleinen Mutanfall, probiere etwas Neues aus. Klar, ich könnte Fehler machen und mich blamieren, aber das ist in Ordnung. Das gehört dazu.

3 Tipps für Deine ersten Schritte aus der Komfortzone

  1. Du packst das! Stell es Dir bildlich vor!
    Dir steht eine Herausforderung bevor, die Dir ein mulmiges Gefühl im Magen verursacht? Spiele doch ein paar Mal vor Deinem inneren Auge ab, wie diese Situation aussehen würde, wenn alles gut geht.
    Wenn Du zum Beispiel bei der Arbeit eine Präsentation halten sollst, dann versetze Dich jetzt gedanklich in den Konferenzraum. Du stehst selbstbewusst an der einen Seite des Tisches und bringst Deine Vorschläge an – locker, leicht. Nachdem Du diesen Film ein paar Mal abgespielt hast, wird Dir diese Situation auch im echten Leben immer leichter fallen.
  2. Fehler passieren … und das ist ok!
    „Das kann ich eh nicht” – wenn Du etwas nicht beginnen, weil Du Angst hast zu scheitern, dann wird es Dir nur schwer fallen, Deine Komfortzone zu verlassen. Ausserhalb der Grenze Deiner Bequemlichkeit kann es auch mal rau werden. Lass Dir davon nicht den Spass verderben! Fehler passieren … und das ist ok.
  3. Mach es einmal, zweimal, dreimal, immer wieder
    Probierst Du etwas völlig Neues aus, so wirst Du Dich zu Beginn überwinden müssen. Vielleicht hältst Du eine Präsentation bei der Arbeit, vielleicht gehst Du zum ersten Mal allein auf ein Konzert und bemerkst, dass es eigentlich gar nicht so schlimm war, wie befürchtet. Wiederholst Du diesen Vorgang nun und versetzt Dich wieder und wieder in diese Situation, wird sie irgendwann zur Routine. Deine Komfortzone hat sich um dieses Stückchen ausgeweitet.

Deine Komfortzone wächst, wenn Du Dich nur ab und an aus ihr herausbewegt.

Was gehört zu Deiner Komfortzone und wo willst Du hin?

Nimm Dir heute einmal Zeit und überlege ganz genau, was Deine Komfortzone ist und wo die Grenzen liegen. Schaue Dir hierbei verschiedene Bereiche Deines Lebens an und fokussiere Dich ganz darauf, was Du selbst über Dich weisst, nicht was Die Meinung anderer ist.

Versuche nicht jemand zu sein, der Du einfach nicht bist. Wenn Du Deine Komfortzone nur darum verlassen willst, weil es all die Ratgeber da draussen sagen, dann ist das der falsche Ansatz. Du wirst nicht glücklicher, wenn Du Deine Grenzen mit Gewalt verrücken willst.

Wir alle brauchen Komfort, ein ganz natürliches Bedürfnis, aber genauso ist es Wachstum. Traue Dich, Deinen sicheren Hafen ab und an zu verlassen – jeden Tag ein Stückchen weiter.

Wie wirst Du heute Deine Komfortzone verlassen?

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Filiz Scarcella ist eine energiegeladene, inspirierende und out of the Box denkende Business Coach|in, Buch-Autor|in und kreative Macherin. Sie zeigt Führungskräfte, Manager, Projektleiter und Unternehmer, wie sie mit ihrer Persönlichkeit punkten, wie sie sich selbst besser vermarkten und wie sie ihre Mitarbeiter zu Mitunternehmer machen.

Dazu hat sie verschiedene Coaching und Mentoringprogramme entwickelt und u.a. das Buch: Vorbildlich Führen geschrieben. Das Ganze wird unterstützt durch Mental-Selfness-Power, was in der Kombination im deutschsprachigen Raum einmalig ist.

Durch ihre Arbeit verhilft sie zu mehr Spass, Erfolg und Sinnhaftigkeit. Stärkenorientiertes Führen ist der Schlüsselfaktor für die neue Arbeitswelt. Filiz hat eine Mission – Sie unterstützt Menschen darin; positiver, selbstbestimmter und leistungsfähiger zu sein und dabei mehr Herz und Mut ins Businessleben zu bringen. Lerne Filiz Scarcella bei einem virtuellen Kaffe kennen. 

Comments 4

  1. Liebe Filiz,
    du schreibst das großartig. Ich bin von deinen Blogs echt begeistert. Du bist sehr gut in dem was du machst, ein echtes Vorbild.
    Ich lese deine Bolgs sehr gerne und kann sehr viel daraus lernen.
    Ich darf in meinem Business und in meiner Skitrainer Tätigkeit mit vielen jungen Menschen arbeiten. Dabei acht ich immer darauf, wie der junge Mensch von seinem Grundverhalten ausgestattet ist. Und so gehe ich dann auch mit dem Thema “verlassen der Komfotzone” um. Dabei ist auch das Schritt für Schritt Prinzip die richtige Vorgehensweise. Zu lange in der Caos oder Panik Zone verbrennt die Menschen und das Vertrauen in den Coach geht verloren.
    Alles Liebe, Günter

    1. Lieber Günter

      vielen DANK für Dein Kommentar und Deine Erfahrung. Ja immer in kleinen Schritten, dann macht es auch am meisten Spass. Ich freue mich sehr, dass Dich meine Beiträge begeistern und auch als Vorbild dienen dürfen. Viele Grüsse Filiz

  2. Liebe Filiz,
    im Jahr 1961 bin ich als Mitglied der deutschen Leichtathletik Nationalmannschaft einen Weltrekord gelaufen. Im Jahr darauf habe ich öfter verloren als gewonnen.

    Diese Erfahrung war völlig ausreichend, um mir alles über mich und alles über das Leben zu erzählen.

    Beste Wünsche
    Jochen Bender

    1. Hallo Jochen,
      vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Bist Du wirklich der Meinung nun alles über Dich un Dein Leben zu wissen? Weiss dass denn irgendjemand jemals?
      Wir ändern uns schliesslich ständig, genau wie es unser Umfeld auch tut. Wir machen neue Erfahrungen, lernen neue Menschen kennen, die uns ganz andere, neue Impulse geben. Zwar weiss ich, wer ich bin aber ich weiss noch lange nicht alles über mich. 🙂

      Viele Grüsse
      Filiz

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