Realistischer Optimismus: Denk doch mal positiv - Einfacher gesagt als getan.

Realistischer Optimismus: Ist Dein Glas halb voll?

Filiz Scarcella Allgemein 2 Comments

Vor Kurzem traf ich die Nachbarin am Gartenzaun: „Hi Filiz, schönes Wetter heute, oder? Aber ich habe gehört es soll morgen regnen. Das Wetter ist ja eh so verrückt. Das wird immer, immer schlimmer. Irgendwann gibt es bestimmt gar keine Jahreszeiten mehr … “

Realistischer Optimismus: Ist Dein Glas halb voll oder halb leer?

So ging das noch eine ganze Weile weiter. Meine Nachbarin ist Pessimistin und zu ihrer Sparte Mensch zählen viele – wenn nicht sogar die meisten – unter uns. Alles ist mies und wird mies bleiben. Grau jetzt und grau in ein paar Jahren, dann vielleicht sogar eher dunkelgrau. Wenn wir vom Schlimmsten ausgehen, können wir schliesslich hinterher nicht enttäuscht werden. Diese Einstellung macht evolutionsbedingt auch Sinn. In der Urzeit war derjenige im Vorteil, der mit bösen Überraschungen rechnete und jeden Schritt mit einer Spur Skepsis ging. Entspannend war das Lebens damals sicher nicht.

Mit einem Lächeln erwiderte ich meiner Nachbarin: „Oh ja, ich freue mich auf den Regen. Ich mag das so sehr, dass die Luft so gut und frisch riecht, nach einem ordentlichen Regen.” „Ach Mensch, Du bist so eine Optimistin, Filiz!”, sagt sie, dreht sich um und buddelt in ihrem Garten weiter. Bin ich das? Eine Optimistin? Mein Glas ist halbvoll aber ich weiss, dass das Leben kein Ponyhof ist. Ich kann mich auf den Regen freuen und trotzdem verstehen, dass uns ein Klimawandel bevorsteht. Ich bin realistischer Optimist.

Was ist realistischer Optimismus?

Realismus und Optimismus. Sind diese beiden Begriffe nicht gegensätzlich?

Realistischer Optimismus ist, wenn man Chancen statt Herausforderungen sieht, sagt Winston Churchill.


Realismus: Ein Realist bewertet eine Situation anhand von Fakten und bildet sich eine eigene Meinung auf Basis der durch die Analyse in seinem Verstand erschaffenen Wirklichkeit. Im Realismus wird die Gegenwart betrachtet.

Optimismus: Ein Optimist lebt mit einer positiven Erwartung an die Zukunft und fokussiert sich auf das Positive. Nach einem Rückschlag fällt es einem Optimisten in der Regel leichter weiterzumachen, da er sich trotz Hindernissen für die Zuversicht entscheidet.

Eine Kombination dieser beiden Lebenshaltungen sind Schlüssel zu mehr Erfolg und Resilienz. Wer realistischen Optimismus lebt, der sieht zwar die Gegenwart genau so, wie sie ist, entscheidet sich aber ganz bewusst für eine positive Haltung, wenn es um die Zukunft geht. Keine rosaroten Luftblasen und Einhörner, aber eine Menge Spass, Erfolge und Chancen.

Machen uns Rückschläge zu Pessimisten?

Sicher wurde auch Dir bereits mindestens einmal im Leben gesagt: „Du musst nur positiv denken, dann wird das schon.” Deine Antwort hierauf war vielleicht genervtes Augenrollen. So einfach ist das schliesslich nicht. Die Zukunft kann ganz schön gruselig sein. Kann ich meinen Lebensstandard auch in der Rente halten? Kann ich mit meinen Fähigkeiten meiner neuen Rolle im Job gerecht werden? Kann ich mein Kind zu einem „ordentlichen” Menschen machen? Selbstzweifel mischen sich ganz schnell mit dem Fokus auf das Negative, auf unsere Schwächen und Stärken, die wir von Natur aus mitbringen.

Nun magst Du denken, Menschen würden zu Pessimisten werden, wenn sie besonders viele Rückschläge und Niederlagen erlitten haben. Dem ist nicht unbedingt so. Auch Optimisten erleben Krisen. Der Unterschied ist, dass zuversichtliche Menschen nach Rückschlägen weitermachen und ihr Scheitern in Erfolg verwandeln wollen. Sie geben nicht so leicht auf oder lassen sich von ihrem Vorhaben abbringen. Viele Erfindungen und Entdeckungen wären wohl nicht gemacht worden, wären wir alle Pessimisten.

Es geht also nicht darum wie viele Erfahrungen ein Mensch gemacht hat, sondern wie er Situationen gedanklich bewertet.

Wie erklärst Du Dir Deine Misserfolge?

In welcher Situation bist Du jetzt gerade? Und wie erklärst Du Dir, wie genau Du dort hingekommen bist? War es Glück oder Dein eigenes Können? War es Pech, oder das Versagen anderer? Du wählst!

Sind Deine Erfolge und Misserfolge auf Dein eigenes Handeln oder auf äussere Einflüsse zurückzuführen (in Grafik: interne und externe Kontrolle)? Wurde Deine Situation von vorübergehenden oder stabilen, dauerhaften Gegebenheiten beeinflusst (in Grafik: stabile und variable Stabilität)?

Realistischer Optimismus: Unser Erklärungsmuster gibt vor, welche Erwartung wir an die Zukunft haben.

Ein Beispiel: Im Meeting lobt Dich Dein Vorgesetzter für den perfekten Abschluss eines Projektes. Worauf ist Dein Erfolg zurückzuführen? Hat Deine Führungskraft heute nur mal gute Laune (extern) oder bist Du tatsächlich gut in dem, was Du machst (intern, stabil)?

Führst Du Deine Misserfolge nun auf stabile, interne Faktoren zurück („Ich bin nun mal ein Loser”), sind Stress, Depression und Resignation nur so vorprogrammiert. Unser Selbstvertrauen wächst dann, wenn wir uns eingestehen, dass wir eben einen Selbstwert, Fähigkeiten, Stärken haben, denen wir unsere Erfolge verdanken.

Hast Du ein Kind, das bereits in die Schule geht? Stellen wir uns vor, Dein Sohn, nennen wir ihn einmal Paul, kommt nach Hause und sagt: „Papa, ich geh ab heute nicht mehr in den Matheunterricht. Ich habe eine 5 in der Klausur geschrieben und festgestellt, dass ich einfach nicht gut im Rechnen bin.” Würdest Du Deinem Kind erklären, es solle sich vor dem nächsten Test mal ordentlich auf den Hosenboden setzten oder ist es ok, aufzugeben?

Zwei Wochen später steht die nächste Klausur an und Paul ist kräftig am Büffeln. Am nächsten Tag wedelt er Dir stolz wie Bolle eine 2 unter der Nase herum. Nun ist er motiviert auch für den nächsten Test zu lernen, um seinen Erfolg zu wiederholen.

Klar, jeder von uns hat Stärken und Schwächen. Viel zu oft konzentrieren wir uns so stark darauf, unsere Schwächen „auszubügeln”, dass wir ganz vergessen, dass es doch da all diese Dinge gibt, in denen wir so richtig gut sind. Vielleicht wird Paul nie Mathematikprofessor werden und das ist auch in Ordnung so.

Es spielt also eine grosse Rolle, wie wir unsere Situation gedanklich bewerten, denn worauf wir Erfolge und Misserfolge zurückführen, bestimmt, welche Erwartungen wir an die Zukunft haben.

Wer realistischer Optimismus lebt, der geht mit einer Ich-kann-das-Einstellung ins Leben.

Die Kraft der Zuversicht

Zuversicht hat eine ganze Menge mit Vertrauen zu tun. Wer zuversichtlich in die Zukunft schaut, der vertraut darauf, dass am Ende alles gut wird und der vertraut sich selbst. Wenn wir fallen, fallen wir auf die Füsse.

Hürden lassen sich mit Hilfe der eigenen Fähigkeiten meistern und der Erfolg wird sich einstellen, wenn ich nur mutig bin und an mich glaube. Klingt ein wenig abgedreht, oder?

Die Macht der zuvor beschriebenen Erklärungsmuster macht es allerdings deutlich. Unsere Einstellung zum Leben, zu Erfolg, Misserfolg vor allem aber uns selbst Gegenüber ist unser eigentlicher Erfolgsfaktor. Eine realistische aber positive Zukunftsperspektive öffnet Türen, lässt uns weitermachen, wieder aufstehen, noch einmal probieren, auf unser Können vertrauen und neugierig bleiben. Realistischer Optimismus ermutigt, während Pessimismus Mut nimmt.

Wir warten immer darauf, dass uns der Erfolg in die Arme fällt, damit wir dann eeeendlich glücklich sein können und uns nicht mehr sorgen müssen. Tatsächlich verhält sich die ganze Sache aber andersherum: Wer glücklich ist und positiv denkt, der wird auch erfolgreicher. Optimisten sind beliebter, stress-resilienter, gesünder und eben glücklicher.

Es lohnt sich also realistischen Optimismus zu lernen oder sich zumindest dafür zu entscheiden.

5 Tipps für mehr Zuversicht


  • Umgib Dich mit sonnigen Gemütern!

    Pessimismus ist ansteckend. Umgibst Du Dich mit Nörglern und Ausreden-Suchern, wirst Du schnell selbst zu einem. Gerade wenn Du im Optimismus noch nicht geübt wirst, lässt Du Dich viel leichter anstecken und runterziehen. Halte Dich von Menschen fern, die permanent nur jammern oder wirf doch einfach mal die Frage „Und was gibt es Schönes?” in das Klagelied des anderen ein! Du entscheidest, welche Einstellung Du für Dein Leben wählst.

  • Mach das Beste aus Situationen, die Du nicht ändern kannst!

    Wir alle kommen ab und an in Situationen, die sich für den Moment einfach nicht ändern lassen. Geräts Du zum Beispiel in einen Stau auf dem Nachhauseweg hast Du zwei Möglichkeiten: Dich aufregen und ins Lenkrad beissen oder aber Dich entspannen und die Zeit sinnvoll nutzen. Höre zum Beispiel einen Podcast oder dreh Deinen Lieblingssong richtig auf! Du entscheidest, wie Du mit einer ärgerlichen Situation umgehst.

  • Halte Deine magischen Momente und Erfolge fest!

    Das Leben ist so schön! Nimm Dir die Zeit, an den Blumen zu riechen, mit einer Freundin einen Kaffee zu trinken, mit den Kindern zu spielen, in die Sauna zu gehen, etwas für Dich zu tun. Reflektiere dann abends und erinnere Dich an all die tollen, magischen Momente, die Du erlebt und die Erfolge, die Du während des Tages gefeiert hast. Nimm Dir ein kleines Notizbuch zur Hand und schreibe drei Dinge auf, die Dich heute glücklich gemacht haben!

  • Achte auf eine positive Sprache!

    „Nicht, nein, schlecht, krank, übel, scheisse …” – Willst Du positiv denken, dann beginne positiv zu sprechen. Formuliere Deine Ziele positiv! Aus „Ich will nicht mehr zu spät kommen”, wird dann „Ich werde pünktlich sein”. Klingt doch schon viel besser, oder?

  • Entwickle eine „ICH-KANN-Einstellung”!

    Irgendwie hast Du es doch bis hierher geschafft. Du bist am Leben, Du hast Erfolge und Du hast die Fähigkeit noch viel, viel mehr zu erreichen. Gewöhne Dir an, in schwierigen Situationen auf Dich selbst zu vertrauen! Was auch immer auf Dich zukommt: Du wirst das schon packen!

Ist Dein Glas halb leer oder halb voll? Wenn Du fünf Jahre in die Zukunft schaust, was siehst Du?

Welche Erfahrungen hast Du gemacht? Teile diesen Beitrag auch mit Deinem Netzwerk. Vielleicht erreichst Du jemanden, den dieses Thema gerade beschäftigt.


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Filiz Scarcella ist eine energiegeladene, inspirierende und out of the Box denkende Business Coach|in, Buch-Autor|in und kreative Macherin. Sie zeigt Führungskräfte, Manager, Projektleiter und Unternehmer, wie sie mit ihrer Persönlichkeit punkten, wie sie sich selbst besser vermarkten und wie sie ihre Mitarbeiter zu Mitunternehmer machen.

Dazu hat sie verschiedene Coaching und Mentoringprogramme entwickelt und u.a. das Buch: Vorbildlich Führen geschrieben. Das Ganze wird unterstützt durch Mental-Selfness-Power, was in der Kombination im deutschsprachigen Raum einmalig ist.

Durch ihre Arbeit verhilft sie zu mehr Spass, Erfolg und Sinnhaftigkeit. Stärkenorientiertes Führen ist der Schlüsselfaktor für die neue Arbeitswelt. Filiz hat eine Mission – Sie unterstützt Menschen darin; positiver, selbstbestimmter und leistungsfähiger zu sein und dabei mehr Herz und Mut ins Businessleben zu bringen. Lerne Filiz Scarcella bei einem virtuellen Kaffe kennen. 

Comments 2

  1. Guten Tag Frau Scarcella,
    tut mir leid, aber so einen unrealistischen Unsinn habe ich noch nie gelesen.
    Meiner Erfahrung nach ist man immer und ausschließlich durch Egoisten fremdbestimmt.
    Wenn Menschen die Zukunft nicht ständig positiv sehen ist dies realistisch und nicht ihr gefährlicher Unsinn.

    1. Hallo,
      mir ist vollkommen bewusst, dass wir nichts verändern, wenn wir mit rosaroter Brille auf unserem Einhorn von Wolke zu Wolke reiten. Genauso wenig passiert aber, wenn wir uns die Welt nur dunkelschwarz malen.
      Realistischer Optimismus bedeutet, die Gegenwart so anzunehmen, wie sie ist aber mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken. Dabei geht es um einen selbst, um die eigene Einstellung und hierauf hat ein Egoist, der uns fremdbestimmen will, keinen Einfluss. Meinst Du, Du hast bei Deiner Zukunft kein Wörtchen mitzureden? Ich denke schon!

      Lieben Dank für Deinen Kommentar.

      Viele Grüsse
      Filiz

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