Beitragsbild: Selbstführung als Basis der Führung

Selbstführung – Wie willst Du andere führen, wenn Du Dich selbst nicht führen kannst?

Filiz Scarcella Allgemein 2 Comments

In Leadership Seminaren wird uns beigebracht, wie wir „richtig” kommunizieren, wie wir delegieren und Konflikte konstruktiv lösen. Wir lernen, wie wir Feedback geben und erfahren was hinter Buzzwords wie „Agilität” und „Working Out Loud” steckt. Meistens geht es um die Beziehung zwischen Dir und Deinen Mitarbeitern. Wie kannst Du Deine Kollegen so beeinflussen, dass sie ihr volles Leistungspotential ausschöpfen?

Prinzipiell ist das ist auch gut so, denn all diese Aspekte, all diese Eigenschaften, die wir erlernen, beeinflussen den Aufbau von Vertrauen und somit ganz direkt auch die Zusammenarbeit. Nur nützen uns all diese Kompetenzen nicht viel, wenn die Basis fehlt – eine gesunde Selbstwahrnehmung und unsere Selbstführung. Denn haben wir das Steuer unseres Lebens nicht selbst in der Hand, wird es schwierig andere zu führen.

Selbstführung ist die Grundlage, wenn Du andere führen willst

Was bedeutet Selbstführung?

Unter Selbstführung (oder auch Self-Leadership) verstehen wir das Beeinflussen der eigenen Gedanken, der Gefühle und des Handelns, um ein zuvor gestecktes Ziel zu erreichen. Bei Führung geht es darum, andere Menschen zu Höchstleistungen anzuspornen und ihnen ein Umfeld zu bieten, in denen sie sich entfalten können. Bei Selbstführung geht es um die gleiche Intention, aber bezogen auf Dich selbst. Diese Fähigkeiten müssen ständig weiterentwickelt und geübt werden.

Auch wenn Du keine Führungsposition inne hast, kannst Du dennoch Selbstführung betreiben. Es geht nicht um Deinen Titel, nicht einmal unbedingt und ausschliesslich um Dein Berufsleben – Wann auch immer Du das Gefühl hast, das Steuerrad Deines Lebens in der Hand zu halten, führst Du Dich selbst. Wenn Du den Ton angibst und bei leichtem Wind oder selbst bei starkem Sturm den Kurs korrigieren kannst, dann bist Du ein kraftvoller Selbstführer.

Self-Leadership vereint drei Aspekte. Diese stehen allerdings nicht einzeln da, sondern bauen aufeinander auf und sind miteinander verflochten. Die Selbsterkenntnis ist die Basis, auf die ich auch im Folgenden noch näher eingehen werde. Habe ich ein gesundes Selbstbild und verstehe meine Gedanken und Gefühle, kann ich die Verantwortung für sie übernehmen und meine Emotionen und Handlungen steuern.

Die drei Aspekte der Selbstführung sind Selbstwahrnehmung, Eigenverantwortung und Selbststeuerung

Selbstmanagement vs. Selbstführung

Bei meiner Recherche für diesen Beitrag tauchte des Öfteren Selbstmanagement als Synonym für Selbstführung auf. Meiner Meinung nach sind diese beiden Begriffe jedoch nicht gleichzusetzen.

Ein Manager fokussiert sich auf Prozesse und auf Organisation. Es geht ihm darum, Ressourcen so einzusetzen, dass sie zu einem bestmöglichen Ergebnis führen. Er ist für die Sicherstellung des laufenden Betriebes verantwortlich. Ein Leader hingegen konzentriert sich auf die eigenen Mitarbeiter, lässt ihnen Freiheiten und unterstützt, wenn Unterstützung gebraucht wird.

Wenn ich Selbstmanagement betreibe, dann plane ich meinen Tag, ich plane wann ich Pausen mache und meine Energie einsparen muss. Bei Selbstführung geht es um viel mehr. Stimmst Du mir zu?

Was bringt Dir Selbstführung?

Wer die Fähigkeit zur Selbstführung entwickelt, der …

  • empfindet mehr Sinnhaftigkeit im Privat- als auch im Arbeitsleben.
  • ist leistungsfähiger.
  • kann Entscheidungen leichter fällen.
  • empfindet weniger Stress und hat eine höhere Resilienz.
  • kann vertrauensvolle Beziehungen mit anderen führen.
  • ist ein Vorbild für andere.
  • kann seine Ziele erreichen.
  • meistert Herausforderungen mit Zuversicht.
  • kann auch ausserhalb einer formalen Positionsmacht andere führen.

Wer sich selbst führt, entwickelt ausserdem verschiedene Eigenschaften, die wiederum zu Erfolgsfaktoren werden können. In der folgenden Infografik habe ich Dir einige aufgezählt …

Infografik Selbstführung - Welche Eigenschaften hat ein Selsbtführer?

Von der Selbstwahrnehmung zur Selbstführung

Stellen wir uns vor: Du managst ein kleines Team, zehn Personen. Von der Führungsebene wurden Dir klare Ziele vorgegeben. Im ersten Quartal eine Steigerung des Profits um xy, im zweiten Quartal sollte es dann yz mehr Umsatz sein. Nun stehen die alljährlichen Feedbackgespräche mit den Mitarbeitern an und Du versuchst Dich so gut wie möglich vorzubereiten. Du beurteilst Herrn Müller, schätzt Frau Schmidt ein, denkst über die Stärken und Potentiale Deiner Kollegen nach.

Nun schaue einmal in den Spiegel! Andere zu analysieren fällt uns meist einfacher, als uns selbst. Was sind Deine Ziele? Was sind Deine Stärken? Was bedeutet es für Dich eigentlich zu führen? Betretenes Schweigen.

Dabei ist Selbstwahrnehmung die Basis guter Führung, denn sie ist sowohl die Grundlage für emotionale Intelligenz als auch für Selbstführung.

Sprechen wir von Selbstwahrnehmung, dann geht es um das Gesamtbild eines Menschen. Betrachte also nicht nur einen Teil Deiner Persönlichkeit, nicht nur ein paar Facetten, sondern die Summe aller. Hier ist knallharte Selbstreflexion gefragt.

Die folgenden vier Handlungsfelder machen den Zusammenhang zwischen Selbstwahrnehmung und Selbstführung noch einmal deutlich:

1. Emotional


Es mag harsch klingen, aber negative Gefühle bringen Dich kein Stück weiter. Prinzipiell gibt es keine negativen Emotionen, aber es gibt diejenigen, die nicht zielführend sind. Also: Lass sie los! Richte Deinen Fokus auf das Positive aus und gewöhne Dir einen realistischen Optimismus an. Schulst Du Deine Selbstwahrnehmung wirst Du schnell erkennen, wenn Du Dich in einem Abwärtsstrudel negativer Emotionen befindest. Du kannst dann ganz bewusst entscheiden, ob Du sie zulässt oder nicht.

Ein Beispiel: Du sitzt im Auto und bist auf dem Weg zu einer wichtigen Präsentation. Dann … Stau! Erst bist Du wütend („Welcher Dussel hat da wieder einen Unfall gebaut?”), Du drückst auf die Hupe, dann wieder und dann wieder. Jetzt setzt Stress ein („Ich komm zu spät. Oje, das sieht gar nicht gut aus.”). Nimm diese Gefühle wahr! Bringen sie Dich weiter? Löst das Hupen den Stau ganz magischerweise auf? Nein! Also informiere die Kollegen, lehn Dich zurück und höre einen guten Podcast.

Selbstführung - Beeinflusse Deine Emotionen und Gedanken

2. Gedanklich

Gefühle kommen und gehen. Sie sind genetisch vorprogrammiert und haben auch so ihren Sinn. Unsere Gedanken können wir dagegen beeinflussbaren. Erkennst Du, was Dir wirklich wichtig ist? Weisst Du, wo Du in alten Glaubensmustern fest steckst? Wann versetzt Du Dich selbst in die bequeme Opferrolle?

Ein Beispiel: Die letzte Vorstandspräsentation lief nicht so gut. Du warst schlicht und ergreifend nicht ausreichend vorbereitet und die Worte wollten Dir einfach nicht über die Lippen kommen. Welche Gedanken geistern nun durch Deinen Kopf? Wie erklärst Du Dir den Fauxpas? Schiebst Du die Schuld auf externe Faktoren („Der Chef war einfach mies drauf”), zweifelst Du Deine Fähigkeiten an („Ich werde das niemals hinbekommen.”) oder weisst Du, dass Du lernen und Dich verbessern kannst?

3. Verhalten


Die meisten unserer Verhaltensweisen haben einen Trigger, also einen Auslöser. Wiederholen wir eine Handlung mehrfach, wird sie zur Gewohnheit und irgendwann sogar zum Zwang. Die sogenannte Gewohnheitsschleife setzt ein: Auslöser → Verhalten → Belohnung.

Positive Mindshift - Lerne die Gewohnheitsschleife kennen
Ist das der Fall, sollten wir uns bewusst werden, wer hier gerade wen führt! Wir können nur dann aktiv in unsere Handlungsmuster eingreifen, wenn wir uns dessen wirklich bewusst sind.

Ein Beispiel: Du hast Dein E-Mail Programm offen und arbeitest gerade konzentriert an einem Projekt. Plopp! Eine rote, kleine 1 taucht neben dem Icon Deines Postfaches auf. Ganz automatisch öffnest Du Deine E-Mails, überfliegst die Nachricht und schliesst das Programm wieder. Der Trigger, das Aufploppen der Benachrichtigung, hat eine Handlung ausgelöst. Den roten Faden, den Du zuvor bei der Arbeit an Deiner Aufgabe hattest, hast Du nun verloren. Jede Ablenkung kostet Dich Zeit. In 2007 wurde eine Studie mit Programmierern durchgeführt, die für Microsoft arbeiteten. Im Durchschnitt dauerte es 10 bis 15 Minuten nach einer Unterbrechung, bevor sie  wieder das Konzentrationslevel erreicht hatten, auf dem sie zuvor waren. Eine Menge Zeit, die Dir durch Dein antrainiertes Verhalten verloren geht.

Eine Gewohnheit zu ändern ist nicht einfach, aber immer machbar. Identifiziere im ersten Schritt den Auslöser und beginne ihn im täglichen Leben wahrzunehmen. Nun hinterfrage Dein Verhalten und finde heraus, was die Belohnung oder das Verlangen ist, das hinter bestimmten Handlungsmustern steckt. Wozu machst Du das eigentlich? Welche neue, erfolgbringende Routine könntest Du statt der störenden Gewohnheit in Dein Leben integrieren?

4. Körperbezogen


Jeder von uns hat Grenzen. Wir alle brauchen Schlaf, Bewegung und eine

ausgewogene Ernährung, damit wir leistungsfähig bleiben.

Ein Beispiel: Du fühlst Dich gestresst. Druck bei der Arbeit, dann die Familie versorgen und noch den Haushalt schmeissen – am liebsten würdest Du gerade gar nichts tun. Nullkommanichts. Doch, Du musst funktionieren, Du musst immer für alle da sein. Stop! Lange wird Deine Gesundheit diesen Stress nicht aushalten. Nimm Dir Zeit für Dich! Akzeptiere, was Du nicht ändern kannst! Konzentriere Dich auf Lösungen statt auf die Probleme! Du kannst auch in diesem Bereich Deines Lebens die Kontrolle, die Selbstführung übernehmen.

Fazit: Selbstführung als Basis der Führung

Ein Zitat von Michael Hyatt, einem US-amerikanischen Autor fasst diesen Text wohl am besten zusammen:

Selbstführung Zitat - Wer andere führen will, muss sich selbst führen.

Der Begriff Selbstführung schliesst zahlreiche Eigenschaften und Aspekte ein. Selbstwahrnehmung, Selbstreflexion, emotionale Intelligenz – all diese Themen haben direkt oder indirekt Einfluss auf unsere Selbstführung und vice versa. Wollen wir andere führen, müssen wir zuerst uns selbst führen.

Stimmst Du mir zu? Hast Du das Steuer Deines Lebens in der Hand?

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Filiz Scarcella ist eine energiegeladene, inspirierende und out of the Box denkende Business Coach|in, Buch-Autor|in und kreative Macherin. Sie zeigt Führungskräfte, Manager, Projektleiter und Unternehmer, wie sie mit ihrer Persönlichkeit punkten, wie sie sich selbst besser vermarkten und wie sie ihre Mitarbeiter zu Mitunternehmer machen.

Dazu hat sie verschiedene Coaching und Mentoringprogramme entwickelt und u.a. das Buch: Vorbildlich Führen geschrieben. Das Ganze wird unterstützt durch Mental-Selfness-Power, was in der Kombination im deutschsprachigen Raum einmalig ist.

Durch ihre Arbeit verhilft sie zu mehr Spass, Erfolg und Sinnhaftigkeit. Stärkenorientiertes Führen ist der Schlüsselfaktor für die neue Arbeitswelt. Filiz hat eine Mission – Sie unterstützt Menschen darin; positiver, selbstbestimmter und leistungsfähiger zu sein und dabei mehr Herz und Mut ins Businessleben zu bringen. Lerne Filiz Scarcella bei einem virtuellen Kaffe kennen. 

Comments 2

  1. #WER HAT DAS STEUER IN DER HAND?
    sehr schöne gedanken – jeder satz in diesem artikel läßt sich unterschreiben … jetzt fehlt nur noch die wahrnehmung (die geistesgegenwart der leser) – liebe filiz, den allerwichtigsten punkt (den wahren gesundheits- glücks- & erfolgsverhinderer) vermisse ich nach wie vor. daher die frage: was muß ich tun, um mit dir persönlich ins gespräch zu kommen? – du fragst vielleicht wozu?
    es gibt etwas NEUES – ein einfaches >innovations-instrumentroad blockschwächste kettenglied< ohne diesen, alles weitere begrenzenden faktor, zu allererst zu ermitteln & zu ergänzen, gibt es kein wachstum (weder qualitativ noch quantitativ) punkt. – evtl. ausnahme: ein mensch oder ein unternehmen hat viel zu viel zeit & geld – für maßnahmen die schlußendlich nix bringen …

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