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Stärken stärken – Warum das gar nicht mal so einfach ist

Filiz Scarcella Allgemein Leave a Comment

„Und was wären denn Ihre Stärken?”, der Schlipsträger mir gegenüber klickt seit fünf Minuten ununterbrochen mit seinem Kugelschreiber. Klick, Klick! Ich kann den Blick nicht von dem runden, gelben Fleck abwenden, der sein weisses Hemd ziert. Es gab anscheinend heute Senf zur Bockwurst. „Meine Stärken?”, ich schnippe in die Gegenwart zurück. „Ich denke, ich arbeite sehr gut im Team, übernehme gern Verantwortung und kommuniziere klar … meinen zumindest andere.”, sage ich. Standardfloskeln schon fast. Jeder, der in seinem Leben ein paar Vorstellungsgespräche hinter sich hat, hat sich die eigenen Antworten bereits parat gelegt und trotzdem gelingt es mir nicht, sie selbstbewusst über die Lippen zu bringen.

Dieser Teil des Interviews ist doch immer besonders unangenehm, oder? Über die eigenen Stärken zu sprechen? Das gehört sich doch nicht. Ein Hauch von Selbstverliebtheit und Anmassung schwingt durch den Raum, den wahrscheinlich nur ich wahrnehme.

In einem Interview über die eigenen Stärken zu sprechen, ist meist unangenehm.

Hinzu kommt, dass ich mir gar nicht mal genau sicher bin, ob die Antworten, die ich gerade gegeben habe, wirklich meine Stärken sind. Was ich nicht gut kann, das kommt wie aus der Pistole geschossen (natürlich nicht im Vorstellungsgespräch), den das hat man mir von Kindesbeinen an erzählt. In Nachhilfestunden und Seminaren habe ich versucht meine persönlichen Schwächen zu überwinden, weil ich der Meinung war, das sei der Schlüssel zum Erfolg. Dieses Vorstellungsgespräch fand vor zehn Jahren statt.

Heute sehe ich die ganze Sache ein wenig anders. Heute weiss ich genau, was meine Stärken sind und sie zu stärken, ist meine Erfolgsstrategie.

Der Weg bis an diesen Punkt war auf keinen Fall so leicht, wie es mir manch Ratgeber, Frauenzeitschrift und Lebenscoach weismachen wollte. Die erste Herausforderung stand mir gleich zu Beginn bevor: Ich kann nicht verstärken, was ich nicht kenne.

Was sind Deine Stärken?

Frage ich andere nach ihren Stärken erhalte in den häufigsten Fällen folgende Antworten:

TOP 1: „Ich habe keine richtige Stärke. Was kann ich denn schon?”

Ich bin davon überzeugt, dass jeder von uns Stärken hat. Oft sind wir uns dessen nur nicht bewusst, oder haben im Laufe unseres (Arbeits-) Lebens ganz vergessen, was uns wirklich auszeichnet. Hier kann ganz schnell ein Teufelskreis einsetzen: Auf der Überzeugung nichts „gebacken zu bekommen” folgt Unzufriedenheit, ein geringes Selbstbewusstsein, der Erfolg bleibt aus und die Verzweiflung wächst. Stop! Auch Du kannst Dinge besonders gut, hast besondere Eigenschaften – Du musst Dich derer nur bewusst werden.

Erinnere Dich an Deine Stärken! Zitat von Michele Lang

TOP 2: „Ich bin zwar gut in xy, aber das kann doch eigentlich jeder.”

Häufig sind wir uns unserer Stärken nicht bewusst, weil sie schlicht und ergreifend zur Routine geworden sind. Bist Du bereits in der Position, dass Du Deine Stärken in Deinem Job einsetzen kannst und jeden Tag tust, worin Du wirklich gut bist, dann werde Dir dessen auch bewusst. Erhältst Du Anerkennung für Deine Arbeit und wirst um Unterstützung oder Rat gebeten, dann wird das daran liegen, dass, was Du machst, eben nicht jeder kann.

TOP 3: „Ich mache gern xy, also ist das meine Stärke, würde ich sagen.”

Stimmt – so halb zumindest. Wir alle machen doch gern, was uns leicht fällt. Genau hier ist aber der springende Punkt: Was Dir besonders leicht fällt, ist Deine Stärke, nicht unbedingt was Du gern machst. Spielst Du zum Beispiel so richtig gern Fussball und bist voller Engagement und Leidenschaft bei der Sache, ist es gut möglich, dass Du es weit bringst. Dein Mindset spielt immer eine wichtige Rolle. Wirst Du es aber jemals in die Nationalmannschaft schaffen? Es ist für Dein Lebensglück wichtig, Deine Begeisterung auszuleben aber das muss nicht zwangsweise zu herausragenden Leistungen führen.

Woher weiss ich also, was meine Stärken sind?

Jeder von Stärken - Jeder hat ein Kartendeck voller Möglichkeiten.Jeder von uns ist von Geburt an mit einem Kartendeck ausgestattet. Wir spielen und gewinnen Karten (Wissen, Kompetenzen, Erkenntnisse, Erfahrungen) hinzu. Andere rutschen vielleicht ein wenig herunter oder werden verdeckt und wir vergessen ganz, dass wir sie haben. Von wieder anderen wissen wir gar nicht, wozu sie eigentlich gut sind.

Wenn meine Stärken eh schon da sind, warum muss ich sie dann noch weiterentwickeln?

Niemand kommt auf die Welt und weiss von Anfang an, wie das Spiel erfolgreich beendet werden kann. Alles was wir tun können, ist unser Kartendeck so gut wie möglich zu nutzen. Wir eignen uns Wissen an, lernen von anderen, lassen uns führen und finden das ein oder andere ganz von selbst heraus, manchmal vielleicht auf unschöne Art und Weise.

In meinem Blogbeitrag „Stärken finden und kennenlernen” gebe ich Tipps, wie Du herausfinden kannst, welche Karten Du da eigentlich in der Hand hälst und was Du mit ihnen machen kannst.

Realitäts-Check: Wie stärke ich nun meine Stärken, wenn ich sie denn einmal kenne?

Auch wenn das Bewusstwerden Deiner Stärken und Deine gesunde Selbstwahrnehmung die Basis für die Stärken-stärken-Strategie ist, will ich mich heute daran nicht länger aufhalten.  In der Praxis scheitert es meist nicht nur an diesem ersten, sondern auch an vielen anderen Überlegungen, Ängsten, dem eigenem Ego oder den Einflüssen von aussen.

Wenn Du Deine Stärken nicht einsetzen kannst

Stellen wir uns einmal vor, Du bist im Marketing angestellt, ein recht weites Feld mit vielen Aufgabengebieten und Anforderungen. Ursprünglich hast Du Dich für diese Studienrichtung entschieden, weil Du Kreativität zu Deinen Stärken zählst. Nun bist Du aber gerade in die Abteilung gerutscht, in der die Analyse der Webseite und der Werbeaktionen vorgenommen wird. Zahlen, Excel-Tabellen, Diagramme – jeden Abend schwirrt Dir der Kopf. In Deinem aktuellen Arbeitsumfeld kannst Du Deine Stärke also nicht einsetzen und selbst wenn Du Zeit und Energie ins Stärken Deiner Kreativität aufwenden würdest, bringt Dich das nicht weiter, weil sie einfach nicht gefragt ist.

Mein Tipp: Auf Dauer wirst Du in einer solchen Situation nicht glücklich. Zwar kannst Du an Schulungen und Excel-Kursen teilnehmen und Dich verbessern aber wahre Spitzenleistungen wirst Du wohl nicht erbringen. Sprich die Situation stattdessen bei Deiner Führungskraft an! Es sollte auch im Sinne des Unternehmens sein, Deine Fähigkeiten dort einzusetzen, wo sie gebraucht werden. Ist das nicht der Fall, solltest Du darüber nachdenken, eine andere Firma mit Deinen Stärken zu bereichern.

Wenn andere immer noch besser sind

Eine Stärke zu haben, bedeutet nicht gleichzeitig der oder die Beste in genau diesem Feld zu sein. Stellen wir uns nun vor, Du wurdest in die Kreativabteilung versetzt und trotz aller Mühen und hohen Selbstansprüchen, gibt es da die Kollegin, die noch eine Spur kreativer ist. Stärken sind irgendwie doch auch immer relativ. In manchen Situationen kann sogar eine Schwäche eine Stärke sein. Es kommt ganz auf das Umfeld, die Anforderungen und Ziele an.

Mein Tipp: Wenn wir uns vornehmen, unsere Stärken stärken zu wollen, dann impliziert dies, dass wir bereit sind zu lernen. Können wir von anderen lernen, umso besser.

Denke genau darüber nach, warum Du Deine Stärken weiterentwickeln möchtest! Hoffst Du dadurch im Job aufzusteigen und mehr zu verdienen? Willst Du zufriedener werden? Was ist Deine Mission und Dein Ziel? Hast Du diese Klarheit, wird es Dir viel leichter fallen, vom Wollen ins Tun überzugehen. Genau an diesem Punkt scheitert so mancher.

Wenn Deine Stärken „nicht akzeptiert” werden

Hier nehme ich erneut Bezug zu dem, was ich soeben schrieb: Stärken sind relativ. Ich selbst bin der Meinung, meine Quirligkeit und Energie ist eine Stärke, vor allem im Austausch mit Menschen. Ein anderer wiederum mag mich als „too much” empfinden und die Kommunikation mit mir meiden. Wir sind doch in den meisten Fällen erst einmal skeptisch, wenn wir auf jemanden treffen, der anders ist.

Aus genau diesem Grund, habe ich mich früher oft verstellt und versucht, mir meine Offenherzigkeit abzugewöhnen. So würde ich schliesslich weniger auffallen und von der „breiten Masse” eher akzeptiert werden. Nur glücklich wurde ich damit nicht.

Mein Tipp: Übe Dich selbst in Toleranz und Empathie! Auch wenn Du meinen magst, Du akzeptierst bereits jeden genau so, wie er oder sie, bitte ich Dich, noch einmal tief in Dich hineinzuhorchen. Du kannst von anderen nicht verlangen, woran Du Dich selbst nicht hältst.

Verzichte auf die Menschen, die Dir Deine Energie rauben und umgib Dich mit all denen, die Dich inspirieren und fordern. Es darf und soll zu Konflikten kommen. Wir sind nicht alle gleich, haben unterschiedliche Ansichten und Erfahrungen gemacht und das ist auch gut so.

Stärken stärken - Wer entscheidet wirklich über unser Leben?

Wenn Deine Stärken nicht mit Deinen Werten übereinstimmen

Versetzen wir uns zurück in Deinen Marketing-Job. Deine Aufgabe ist es, täglich einen Blogbeitrag zu schreiben, einen Newsletter zu versenden und drei Kampagnen in den sozialen Medien zu schalten. Schnell verfliegt die Lust auf Kreativität, die Motivation Ziele zu erreichen und Bestleistung abzuliefern. Das Thema interessiert Dich nicht, Deine Texte verlieren an Qualität. Wie kann das sein, wenn das Schreiben und das Kreativsein doch Deine Stärken sind?

Mein Tipp: Deine Werte sind Deine Wegweiser. Passen Deine Stärken nicht zu Deinen Werten, so wirst Du selbst in einen Konflikt geraten. Die Idee ist es, was Du gut kannst, einzusetzen um glücklich zu werden – das ist doch irgendwo der Sinn des Ganzen.

Höre nie auf Dich selbst kennenzulernen, bleibe neugierig und habe Spass

Würde ich heute dem kugelschreiber-klickenden Herren von vor zehn Jahren die gleiche Antwort geben? Ja, nur eine ganze Spur selbstbewusster. Ich arbeite täglich an meinen Stärken und finde tatsächlich immer mal wieder eine dieser Karten aus meinem Deck, die sich versteckt hatte. In diesen Situationen fällt mir ein, welche Stärken ich in der Vergangenheit genutzt habe und werde mir bewusst, wie voll mein Kartendeck doch ist. Deines sicherlich auch!

Stärken stärken – Leichter gesagt, als getan. Wichtig ist, dass Du nie aufhörst, Deine Selbstwahrnehmung auf den Prüfstand zu stellen! Bleib neugierig, lach über Dich selbst und habe Spass!

Was meinst Du? Gibt es Situationen, in denen Du Dir Deiner Stärken bewusst geworden bist?

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