Starke Frauen & Weiblichkeit

Weibliche Potenz – Weiblich stark sein – Geht das?

Filiz Scarcella Allgemein Leave a Comment

Weiblich stark sein? Geht das ĂŒberhaupt? Spoiler-Alert: Na klar! Aber Hallo!
Was aber bedeutet das genau? Wann ist ein Mann ein Mann? Wann ist eine Frau eine Frau? Gibt es eine Schablone, schwarz oder weiss? Und wenn ja, passe ich dort hinein? 

Moment mal! Solche Fragen sind doch absolut ĂŒberholt. DĂŒrfen wir darĂŒber ĂŒberhaupt noch nachdenken? Schliesslich ist es 2020 und schliesslich wollen wir immer schön politisch korrekt bleiben. Dann nehmen wir vielleicht doch sicherheitshalber die Meinung aller anderen an. Nur, damit keiner schlecht von uns denkt, nur damit wir uns selbst nicht zu viele Sorgen machen mĂŒssen, nur damit jemand anderes fĂŒr uns entscheidet. Vielleicht.

Das Problem ist, dass ich genau damit schon immer meine Schwierigkeiten hatte. Meine Natur, mein „zu-laut-sein“, wie es manch einer bezeichnet, will sich einfach nicht anpassen. Ich bin eine Frau. Aber in eine Schablone passe ich nicht. Erst recht nicht in eine, die von althergebrachten Klischeebildern und gesellschaftlichen ErwartungszusammenhĂ€ngen geformt wurde. Ich bin ich. 

Als Frau stark und Vorbild sein.

In welchem Jahrhundert leben wir?

Ich gestehe, in den letzten Jahren habe ich mich nicht besonders hĂ€ufig mit der „Gender Gap“ und mit Feminismus auseinandergesetzt. Zwar begegneten mir diese Themen immer wieder in den Medien, aber wie es unsere schnelllebige Welt nun einmal so will, wurden sie ganz fix auch immer wieder von neuen, brandheissen Stories abgelöst. Vielleicht lebe ich einfach in meiner pinken Blase, vielleicht bin ich eine schlechte Feministin, vielleicht sind mir selbst Geschlechterstereotypen nicht so bewusst, weil ich sie ganz gekonnt ignoriere. Ich gebe normalerweise nicht viel darauf, was „typisch“ ist und was von mir erwartet wird.

Vor circa einem Monat wurde ich eingeladen, eine Session auf einem neuen Barcamp-Format zu halten. Unter dem Titel „Women Empowerment“ ging es ganz darum, was Frauen zu sagen haben, was uns beschĂ€ftigt, was uns herausfordert und wo wir uns gegenseitig unterstĂŒtzen können. Über zwei Tage hinweg spĂŒrte ich so viel weibliche Energie, bekam so viel Inspiration, aber mir wurde auch bewusst, welche Themen noch immer aktuell sind. Von einer vollkommenen Gleichberechtigung sind wir weit entfernt – in vielen Köpfen zumindest. 

Eine Diskussion blieb mir besonders im GedĂ€chtnis: Weiblichkeit vs. Potenz. Geht das? Ist das erlaubt? Was bedeutet das ĂŒberhaupt? 

Weiblichkeit vs. Potenz

Nun, machen wir doch einmal eine kleine GedankenĂŒbung. Ich sage ein Wort und Du schreibst Dir auf, woran Du als allererstes denkst. Stift und Zettel bereit? Fertig? Los geht’s! 

STARK 


 Woran denkst Du, wenn Du dieses Wörtchen hörst? 

POTENZ 


 Denkst Du an etwas „UnverschĂ€mtes“? Etwas MĂ€nnliches?

VERLETZLICH


 Was kommt Dir hierzu in den Sinn?

HĂ€ufig werden die soeben genannten Begriffe zu eng gedacht. StĂ€rke und Potenz werden vor allem mĂ€nnlich konnotiert, wohingegen Verletzlichkeit dem kleinen MĂ€dchen zugeschrieben wird. Klar, das wollen wir uns so nicht eingestehen und klar, vielleicht hattest Du auch ganz andere Gedanken. Fakt ist, dass es Zeit wird mit geschlechtstypischen Klischeebildern aufzurĂ€umen. Doch warum scheint „Weiblichkeit vs. Potenz“ immer noch ein Widerspruch zu sein? 

Was bedeutet es, eine „starke“ Frau zu sein?

Wer ist eine „starke“ Frau? Zuerst einmal, wenn wir von „stark“ in Zusammenhang mit Frauen sprechen, ist nur in den seltensten FĂ€llen die physiologische StĂ€rke gemeint. Wir nutzen das Wörtchen vielmehr als Platzhalter fĂŒr ehrgeizig, erfolgreich, finanziell unabhĂ€ngig und dominant. Starke Frauen lassen sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Oder aber wir denken an alleinerziehende MĂŒtter und all diejenigen, die in ihrem Leben grossen Schmerz erfahren und Herausforderungen gemeistert haben. Bemerkungen zu Letzterem, werden jedoch hĂ€ufig aus Mitleid gemacht, weniger aus Bewunderung heraus. 

Oft werden starke Frauen, die Erfolg haben und auf eigenen Beinen stehen, misstrauisch beĂ€ugt. „Die kann das nur machen, weil sie keine Kinder hat.“, tuscheln die weiblichen Kollegen. „Die verhĂ€lt sich nur so, weil sie mit den MĂ€nnern mithalten muss.“, lĂ€stern die Herren in der Runde. Irgendwie beneiden wir sie, die starken Frauen, irgendwie sind sie „cool”, aber irgendwie auch 
 anders. Manch einer findet sie gar irritierend.  

Starke Frauen werden misstrauisch betrachtet.

Ich bin der Überzeugung, hier sollten wir einmal grundlegend etwas klarstellen: Ein Arschloch ist nun mal ein Arschloch, ganz egal ob mĂ€nnlich oder weiblich. 

Wir Frauen können uns nicht in unserer Opferrolle suhlen und meinen, uns alles erlauben zu können. Klartext reden? Auf jeden Fall, aber respektvoll und auf Augenhöhe. Verantwortung ĂŒbernehmen? Absolut, aber mit RĂŒcksicht auf andere. Selbstbewusst Chancen ergreifen? Keine Frage, Du packst das, trau Dich! 

Typisch mÀnnlich, typisch weiblich

Jeden Tag schlĂŒpfen wir in die verschiedensten Rollen. Morgen als Mutti das Mittagsbrot fĂŒr das Schulkind bereitlegen, bei der Arbeit, die taffe Business-Frau sein und abends beim Konzert die Haare fliegen lassen. Vergiss Dich selbst hierbei nicht! Wer bist Du wirklich unter all diesen Schichten? Jeder von uns einzigartig und jeder von uns ist stark. 

Und ĂŒberhaupt: Solange wir Frauen in „stark“ und 
 ja, was wĂ€re dann das Gegenteil 
 „schwach“ einordnen, bewerten wir andere und folgen damit der toxischen Einstellung unserer Gesellschaft, die uns ĂŒberhaupt erst hierher gebracht hat. 

Wir packen Dinge in Schubladen. So verstehen wir sie besser. Manche Menschen gehören in diese Kategorie, manche in diese andere. Manche Kompetenzen sind typisch mĂ€nnlich, andere sind typisch weiblich. Manche Jobs sind „MĂ€nnerdomĂ€nen“, andere werden hĂ€ufig von Frauen ausgefĂŒhrt. Kleine Jungs tragen himmelblau und MĂ€dchen zartrosa. Die einen wollen nie den Abwasch machen, die anderen können nicht einparken. 

Schrankdenken beeinflusst unsere Gesellschaft

Wie wĂ€re es denn, wenn wir Eigenschaften stattdessen in „erstrebenswert“ und „weniger erstrebenswert“ einteilen – egal ob sie klischeehaft mĂ€nnlich oder weiblich sind.

In der Kategorie „erstrebenswert“ wĂ€ren fĂŒr mich zum Beispiel die FĂ€higkeit 


  • Eigenverantwortung zu ĂŒbernehmen,
  • zu sagen, was wir denken,
  • unsere Werte zu vertreten, 
  • fĂŒr andere einzustehen,
  • Selbstbewusst zu sein,
  • zu wissen, was ich wert bin,
  • mutig und leidenschaftlich die eigenen Ziele zu verfolgen,
  • ein Vorbild zu sein, 
  • ...

Was genau das fĂŒr Dich bedeutet, darfst Du jeden Tag neu definieren. Und was andere davon halten, ist schnurzpiepegal, das hat eh meist mehr mit ihnen als Dir selbst zu tun. 

Also kommen wir auf die Eingangsfrage zurĂŒck: Als Frau stark sein - Widerspricht sich das? Nein, auf keinen Fall. Jede Frau ist stark. Jeder Mann ist stark. Jeder auf seine eigene Art und Weise.

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Du hast noch Fragen oder willst Dich einfach mit mir austauschen? Mein Team und ich stehen Dir jederzeit fĂŒr einen Turbocall zur VerfĂŒgung. 🙂

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