Ist Stutenbissigkeit nur Klischee?

Stutenbissigkeit und Neid: Warum lassen wir uns gegenseitig auflaufen?

Filiz Scarcella Allgemein 2 Comments

Stutenbissigkeit – Ist sie nur Klischee oder RealitĂ€t?

Mein erster Ausbildungstag, 8 Uhr morgens, vor circa 22 Jahren: ich stehe vor einem grossen GebĂ€ude in Baden-WĂŒrtemberg. Nervös kaue ich auf meinen FingernĂ€geln, zupfe meine Locken zurecht, atme tief ein und mache einen Schritt vorwĂ€rts – einen Schritt in einen neuen Lebensabschnitt, meine Ausbildung. Im Schulungszimmer angekommen, suche ich mir einen freien Platz und langsam, ganz langsam dĂ€mmert es mir: da sitzen nur Frauen, ein HĂŒhnerhaufen mit 40 MĂ€dels. 

Bereits in der ersten Woche begann ich die Ablehnung der anderen zu spĂŒren. Vielleicht lag es an meinem trockenen Humor, meinem selbstbewussten Auftreten, meiner Art oder vielleicht passte den Ladies nicht, wie ich sprach. Wer weiss?! 

Zuerst einmal reagierte ich mit Hilfsbereitschaft, mit einem Immer-freundlich-lĂ€cheln und Auf-die-Zunge-beissen. Schliesslich wollte ich dazu gehören und akzeptiert werden. Ich suchte den Fehler bei mir. Doch der HĂŒhnerstall pickte und pickte und pickte immer weiter auf mich ein. Nein, ich schreibe diese Zeilen nicht, um zu jammern. Was in der Vergangenheit liegt, darf gern auch dort bleiben. Nur kommt, was mir wĂ€hrend meiner Ausbildung widerfahren ist, immer wieder und wieder vor. Wo viele Frauen zusammenarbeiten, da brodelt die GerĂŒchtekĂŒche, da gibt es Zickenkrieg, da beissen die Stuten und schlagen aus. Achtung, Bitchfight!

Stutenbissigkeit unter Frauen ist keine Seltenheit

Obwohl wir uns doch gegenseitig stÀrken sollten, stehen wir einander im Weg, vor allem dann, wenn es um die Karriere geht. Heute Freundin, morgen Feindin.

Warum stÀrken wir uns nicht gegenseitig?

Warum ist es so, dass wir Frauen uns öfter gegenseitig das Bein stellen, statt uns hochzuhelfen? Nun, grundsĂ€tzlich will erstmal ein jeder gut dastehen. Das gilt fĂŒr beide Geschlechter, MĂ€nner und Frauen. Nur greifen wir Frauen zu verschiedenen Mitteln und setzen diese zudem noch unterschiedlich stark ein. Missgunst und Konflikte unter Frauen sind leider nicht nur Klischees, sondern in vielen Organisationen RealitĂ€t. 

Psychologen des Emmanuel College in Boston fanden heraus, dass Frauen in der Regel schnell VerbĂŒndete suchen und Allianzen schmieden, sobald sie bemerken, dass sie ihren Status in einer Gruppe einbĂŒssen könnten. Wird zum Beispiel eine neue Kollegin eingestellt, die heraussticht - durch ihr Auftreten, ihr Aussehen oder aus irgendeinem anderen Grund - ist Zickenkrieg schon fast vorprogrammiert. Die „Neue“ wird als Konkurrenz angesehen. 

Warum sie und nicht ich?

Dabei handelt es sich allerdings nur selten um einen „offenen Kampf“, sondern eher einen mit spitzer Feile. Stutenbissige Frauen sagen nicht klipp und klar, was sie stört, sondern sie manipulieren, tuschen und spinnen Intrigen. Sie sind schlichtweg gemein. NatĂŒrlich mit erhobener Nase und einer mir-ist-das-alles-egal und ich-steh-da-drĂŒber AttitĂŒde. Indem sie die andere heruntermachen, bauen sie sich selbst auf – so mag es sich zumindest fĂŒr sie selbst anfĂŒhlen. 

Der Ursprung dieses hinterlistigen Verhaltens liegt fĂŒr viele in der Kindheit. Als MĂ€dchen wurde uns beigebracht, immer schön brav zu sein, uns nicht schmutzig zu machen und immer schön lieb zu spielen, mitfĂŒhlend zu sein – nicht an den Zöpfen ziehen, keine AggressivitĂ€t. Bei Jungs wird ein offensives Verhalten öfter toleriert und sie lernen so einen anderen Umgang mit Konkurrenz. MĂ€dchen mĂŒssen dann alternative Wege finden, um ihre GefĂŒhle zum Ausdruck zu bringen.

An dieser Stelle muss jedoch gesagt werden, dass diese Feststellungen nicht bedeuten, dass wir Frauen einem unvermeidbaren Schicksal ausgeliefert sind. Wir haben es in der Hand! Wir entscheiden, wie wir einen Konflikt lösen und auf eine Situation reagieren. Aber hierzu mehr spÀter. 

Stutenbissigkeit muss nicht sein

Stutenbissigkeit sagt mehr ĂŒber die Zicke selbst aus

Frauen „kĂ€mpfen“ oft auf emotionaler Ebene. Es geht nicht (wirklich) um die Leistung einer anderen Person, sondern um die Person selbst. Dabei sagt dieses Konkurrenzdenken und -verhalten doch eigentlich viel mehr ĂŒber uns selbst, als ĂŒber andere aus.

Wenn wir Neid und Eifersucht empfinden, dann, weil es uns an Selbstvertrauen mangelt und wir uns mit anderen vergleichen. Wir schauen unser GegenĂŒber an und sehen, was wir sehen wollen – die tollen Haare, die reine Haut, der kurze Rock. Dann blicken wir selbst in den Spiegel und bekommen plötzlich Angst nicht gesehen zu werden, nicht gut und attraktiv genug zu sein, nicht im Mittelpunkt zu stehen. 

Wir alle, aber vielleicht Frauen ein wenig hĂ€ufiger, haben nicht nur ein Erd- und ein verborgenes Untergeschoss, sondern oft gibt es da noch zahlreiche gut versteckte Kellergeschosse. Im Erdgeschoss scheint meist alles Friede, Freude, Eierkuchen zu sein. Immer schön (Pseudo-)Harmonie wahren und das Fake-LĂ€cheln morgens mit dem Lippenstift aufmalen. Im Untergeschoss brodelt es dann schon ein wenig. Dort sitzen unsere Erfahrungen, unsere Interessen, all unsere emotionalen Befindlichkeiten. In den Kellergeschossen haust all das, was nur sehr selten das Licht des Tages sieht: unsere verborgenen BedĂŒrfnisse, Ängste, Selbstzweifel, Misstrauen, das kleine MĂ€dchen, das dort gekrĂ€nkt und verletzt mit verschrĂ€nkten Armen in der Ecke sitzt. In Konfliktsituationen kommt sie heraus und ĂŒberrascht mit ihrer Wucht all jene, die dachten mit dem Erd- und dem Untergeschoss sei es getan gewesen. 

Stutenbissigkeit löst Konflikte aus, die versteckte GefĂŒhle aufkommen lassen.

Mein, Dein, das Haus eines jeden liegt zum Grossteil unter der ErdoberflÀche, wie ein Eisberg. Fahren wir an diesem mit einem Schiff vorbei, können wir uns schon einmal den Rumpf aufreissen, weil wir schlichtweg nicht sehen konnten, was dort unter dem tiefen, dunklen Wasser schlummert.

Was kannst Du gegen Stutenbissigkeit tun?

Wie können wir den Zickenkrieg beenden? Vielleicht können wir damit beginnen Metaphern wie eben „Zicke“ und „Stutenbissigkeit“ zu vermeiden. Die gehören schliesslich ins Tierreich und ziehen das eigentliche Problem ins LĂ€cherliche.

Davon abgesehen, habe ich hier noch 6 Tipps fĂŒr Dich, die Dir helfen können entspannter und mit anderen genialen Ladies vernetzt durchs Leben zu gehen:

  • Tief durchatmen und Ruhe bewahren

    Stutenbissige Frauen haben ein Kellergeschoss voller Ängste und Selbstzweifel. Und Angst ist ein starker Motor, der zu allerlei Hinterlistigkeiten und Gemeinheiten antreiben kann. Wir wissen nie, was in anderen Menschen vorgeht und aus genau diesem Grund solltest Du zuallererst immer einmal tief durchatmen, wenn Du von einer Kollegin, einer Fremden, irgendjemanden schief angeschaut wirst. Distanziere Dich kurz von der Situation und entscheide dann ganz rational, wie Du diesen Konflikt austragen wirst.

  • In den Spiegel schauen

    Beobachtest Du an Dir selbst, dass Du unschöne GefĂŒhle gegenĂŒber einer anderen Person hast, dann schau einmal ganz genau in den Spiegel! Was bekĂ€mpfst Du eigentlich? Stört Dich etwas an einem anderen Menschen, was Du in Dir selbst nicht leiden kannst oder was Du Dir vielleicht selbst nicht erlaubst? Wir können in diesen Situationen eine ganze Menge ĂŒber uns selbst lernen. Und eine wichtige Lektion ist, uns selbst so zu akzeptieren, wie wir sind. Wollen wir andere wertschĂ€tzen, mĂŒssen wir anfangen, uns selbst Anerkennung entgegenzubringen.

  • Handeln und lösen, statt dauerhaftes Brodeln

    Nun, wie können wir aus diesem Zickenkrieg aussteigen? Konflikte im Team können, wenn sie nicht konstruktiv gelöst werden, zu einer stĂ€ndig sichtbaren, dunklen Wolke mutieren. Diese drĂ€ngt sich zwischen uns und lĂ€sst uns Distanz zueinander aufbauen. Damit sie verschwindet, muss es regnen, so richtig. Da darf es auch mal krachen und donnern. Da dĂŒrfen die Emotionen aus dem Kellergeschoss kommen. Kann der Konflikt nicht konstruktiv gelöst werden, kann ein Mediator oder Coach bei der Kommunikation helfen.

  • Ein bisschen mehr SolidaritĂ€t

    Lasst uns gegenseitig mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen! Lasst uns fĂŒr einander einstehen! Lasst uns bei blöden Witzen ĂŒber die Kollegin nicht einfach mitlachen, sondern dagegenhalten! SolidaritĂ€t kannst Du immer und in den verschiedensten Arten zeigen. Das beginnt bei einfachen Gesten, wie Weiterempfehlungen genialer Ladies, um deren Sichtbarkeit zu erhöhen oder ehrliches Feedforward zu geben. Feiere erfolgreiche Frauen und sei deren grösster Fan!

  • Negativen Menschen aus dem Weg gehen

    Du entscheidest, mit wem Du Dich umgeben willst. Gibt es Personen in Deinem Umfeld, die wahre Energiediebe sind? Ja? Dann gehe ihnen aus dem Weg. Du musst nicht von jedem gemocht werden und wenn Dich jemand ignoriert, dann solltest Du sie am besten nicht dabei stören.

  • Den Neid nutzen

    Du hast das GefĂŒhl, eine andere Person hat etwas, das Du auch gern hĂ€ttest? Dann nutze diese Motivation, um an Dir selbst zu arbeiten und erste Schritte aus Deiner Komfortzone zu gehen. Verlasse die Opferrolle und höre auf zu jammern!

Uns gegenseitig zu torpedieren, verbraucht unnötige Energie. Die können wir so, so viel besser einsetzen: um uns gegenseitig zu stĂ€rken, um unsere Netzwerke auszubauen und um an uns selbst zu arbeiten. Es ist genug fĂŒr alle da und gemeinsam hauen wir eine Delle ins Universum.

Starke Frauen unterstĂŒtzen sich gegenseitig

Hier muss natĂŒrlich angebracht werden, dass auch MĂ€nner Konkurrenzdenken an den Tag legen. Ich bin selbst eine Frau und ich möchte auf keinen Fall in die Klischee-Kerbe hauen und vermeintlich typisch weibliches Verhalten abwerten. Ganz im Gegenteil. Ich liebe es, ĂŒber Themen wie dieses zu diskutieren eben, weil wir laut und klar kommunizieren mĂŒssen, statt zu tuscheln und uns dann das Messer in den RĂŒcken zu rammen.

Also, was meinst Du: Ist Missgunst unter Frauen ein Klischee oder RealitÀt?

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Comments 2

  1. Wow, Filiz,
    du haust mich grad echt um :-). Neid unter Frauen erlebe ich auch regelmĂ€ĂŸig, nicht nur im Job, sondern z. B. auch in Frauenkreisen (ausgerechnet dort!). Ich bin keineswegs frei vom Neid, mein Kellergeschoss ist da sehr groß. Doch mir ist das gottseidank mittlerweile bewusst und so finde ich den Auslöser schnell, wenn ich Neid und Missgunst fĂŒhle. Außerdem rede ich mittlerweile gern darĂŒber. Trotzdem können wir Frauen uns gegenseitig ganz schön verletzen. Ich weiß gerade zwar noch nicht genau wie und wo, aber dich verlinke ich auf jeden Fall auf meiner Webseite :-). Danke fĂŒr deine Worte!
    Lieber Gruß, Kirsten

    1. Wow zurĂŒck liebe Kirsten!!!

      Du haust mich ebenso um. Vielen DANK fĂŒr Deinen Kommentar und Deine Offenheit.

      Ich hab auch Deine Geschichte gelesen. Du bist so mutig und das gefÀllt mir sehr gut.
      Danke dass Du da bist!

      Filiz
      P.S. Wir sollten uns mal austauschen und vielleicht gemeinsame was schreiben und der Welt da draussen zeigen, was alles noch möglich ist.

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