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Vom Kollegen zum Vorgesetzten – Mit Transparenz, Wertschätzung und Verantwortung

Filiz Scarcella Allgemein Leave a Comment

Eben sassen alle noch zusammen in der Kantine und beschwerten sich bei Schnittchen und Kaffee über die Führungsebene und plötzlich ist da ein Stuhl leer. Für einen der Mitarbeiter haben sich die zwischenmenschlichen Beziehungen bei der Arbeit schlagartig geändert – er wurde befördert. Er wurde vom Kollegen zum Vorgesetzten.

„Ach, das heisst doch nicht, dass sich etwas ändern muss!”

So einfach ist es dann doch nicht. Wer sich die Karriereleiter hoch bewegt, für den geht es um viel mehr als nur den Schreibtischwechsel.

Der Übergang vom Kollegen zum Vorgesetzten ist nie einfach und immer auch mit Emotionen verbunden.

Auf einmal sollen die beurteilt und geführt werden, die einen selbst als Gleichberechtigten kennen. Du sollst nun an die Mitarbeiter delegieren, die vor Kurzem noch die gleichen Aufgaben hatten wie Du selbst. Du sollst nun Feedbackgespräche mit denen führen, die Dir immer die leckeren Muffins mitgebracht haben. Noch schwieriger vielleicht: Du sollst auch diejenigen führen, die sich auf die gleiche Stelle – die Position des Vorgesetzten – beworben haben.

Dinge werden sich ändern. Du wirst es nicht immer jedem Recht machen können aber so zu tun, als würde alles beim Alten bleiben, könnte Dir längerfristig zum Verhängnis werden.

Wenn das Feierabendbier zum Krampf wird

Natürlich könnt ihr weiterhin über Game of Thrones diskutieren und Du kannst Dich mit den Kollegen auf ein Feierabendbier treffen. Du musst eben nur die Balance zwischen gutem Kumpel und konsequenter Führungskraft finden. Einfacher gesagt als getan. Dafür braucht es emotionale Intelligenz, Transparenz und eine Menge positiver Kommunikation.

Mit etwas Einfühlungsvermögen wirst Du schnell merken, ob es Deinen ehemaligen Kollegen unangenehm ist, wenn Du mit ihnen auch nach Feierabend Zeit verbringst. Erzwinge nichts! Macht es Dir und den anderen keinen Spass, fühlt es sich verkrampft an – als hätte jeder Angst offen zu sprechen, dann beschränke die Geselligkeit lieber auf den Arbeitstag.

Vom Kollegen zum Vorgesetzten: Die Beziehung zu den Kollegen muss neu definiert werden.

Zwar ist es wichtig, dass Dir Deine Mitarbeiter vertrauen, das bedeutet aber nicht, dass Du unbedingt ihr bester Freund sein musst. Verschwende nie den Grossteil Deiner Energie darauf, von jedem gemocht zu werden! Gibt es etwas, dass einer Deiner Mitarbeiter ändern muss, fehlt jemand ständig, erbringt jemand nicht die geforderte Leistung, dann darfst Du das durchaus ansprechen. Sind Konflikte unter Kollegen vorhanden, die geklärt werden müssen, dann lerne abzuschätzen, inwieweit sie von den Mitarbeitern selbst gelöst werden können und wann es für Dich an der Zeit ist einzuschreiten.

Willst Du etwas über einen Mitarbeiter sagen, dann sage es ihm ins Gesicht!

Auch musst Du nun von der Gerüchteküche Abschied nehmen. Vermeide es über Deine Mitarbeiter hinter ihrem Rücken zu sprechen. Warst Du damals Teil der Feierabend-Diskussionen über die Führungsebene, so musst Du Dich nun vollkommen daraus entfernen. Biete aber den Kollegen, von denen Du weisst, dass sie unzufrieden sind, ein Vieraugen-Gespräch an und nimm ernst, was Dir zuvor möglicherweise nur als „Gemecker” vorkam.

Vom Kollegen zum Vorgesetzten – Da sind Gefühle im Spiel!

Wir alle sind emotional. Mancher mehr, manche weniger. Unbestritten werden viele unserer Handlungen, unser Denkens und auch was wir sagen, ganz impulsiv von unseren Gefühlen gelenkt. Die Situation – ein Kollege wird zum Vorgesetzten – kann durchaus Emotionen hervorrufen und damit Unsicherheiten und die Furcht vor den bevorstehenden Veränderungen.

Vom Kollegen zum Vorgesetzten: Neid ist die höchste Form der Anerkennung, aber nie gut für die Unternehmensatmosphäre.

Das Gefühl, das wahrscheinlich am häufigsten im Spiel ist, ist der Neid. Zwar gilt er bekanntlich als die höchste Form der Anerkennung, das heisst aber nicht, das er gut für die Büro-Atmosphäre ist. Vielleicht hatte sich einer Deiner Kollegen auf die Stelle beworben, die Du nun bekommen hast? Möglicherweise sind andere der Meinung genauso hart gearbeitet zu haben.

Wichtig ist, dass Du mit Deiner Beförderung ganz transparent umgehst. Sprich darüber, lade die Kollegen auf einen Kaffee ein und klärt unter vier Augen, welche Veränderungen auf Euch alle zukommt. Es sollte klar werden, dass Du Deine neue Position sehr ernst nimmst und Dich darauf freust, neue Ideen gemeinsam mit Deinen Mitarbeitern umzusetzen.

Wichtig: Versprich nie etwas, dass Du nicht einhalten kannst!

Keine Extra-Wurst für die alten Lieblingskollegen

Selbst wenn Dein „alter” Tischnachbar Dein Lieblingskollege (auch „Frollege” ;)) war, heisst das nicht, dass er eine Extra-Wurst sein darf. Niemand sollte bevorzugt werden und Freundschaften, die unter Kollegen geschlossen wurden, dürfen Deine Entscheidungen niemals beeinflussen. Aber Achtung: Vor allem in den ersten Wochen nach Deiner Beförderung wirst Du unter genauester Beobachtung stehen.

Stellen wir uns einmal vor:
Sandra sass bis vor Kurzem noch neben Dir, nun bist Du ihr Vorgesetzter. Sie bittet Dich darum Urlaub nehmen zu dürfen, aber der Zeitpunkt könnte kaum schlechter sein – es ist die geschäftigste Zeit des Jahres für Dein Unternehmen. Du erlaubst Sandra, sich frei zu nehmen, weil sie konstant Verkaufsziele erfüllt und weil sie stets ohne zweimal Nachzudenken für andere einspringt. Nun werden allerdings die Stimmen der Kollegen laut und schnell wird Dir vorgeworfen, Sandra wäre einfach nur einer Deiner „Lieblinge”. Wie verhältst Du Dich?

Wenn du vom Kollegen zum Vorgesetzten befördert wirst, darfst Du keine Favoriten unter den Mitarbeitern haben.

Bereite Dich auf genau solche Situationen vor. Höre Deinen Mitarbeitern aufmerksam zu, bereite Dich vor und habe gute Argumente parat. Die Kommunikation soll immer auf Augenhöhe erfolgen. Hast Du eine Entscheidung getroffen, so übernimm Verantwortung und stehe dazu. Versuche aber auch zwischen den Zeilen zu lesen und zu verstehen, was diese Situation wirklich zu bedeuten hat. Ist Dein Angestellter gestresst und befürchtet die Mehrarbeit, die durch Sandras Abwesenheit entstehen könnte, nicht händeln zu können? Ist der andere einfach unmotiviert und frustriert?  

So nicht: Zu schnell zu viel

Auch wenn Du am liebsten über Nacht alles verändern und die Ideen umsetzen möchtest, die Dir als Angestellter schon lange im Kopf herumschwirren: Immer langsam! Deine Mitarbeiter aber vor allem auch Du selbst, brauchen Zeit um sich an die neuen Rollen zu gewöhnen. Nur weil Du ein Morgenmensch bist, heisst das noch lange nicht, dass alle Meetings nun um 8 Uhr beginnen. Nur weil Du einen Kollegen nicht mochtest, kannst Du ihn nicht an Tag 2 Deiner neuen Position kündigen.

Wie läufts? Mehr Klarheit mit dem 360° Feedback.

Gewöhne Dich erst einmal an Deine neue Macht! Fühle Dich in Deine Position ein und teste Dich aus! Nach drei Monaten kann dann ein 360° Feedback durchgeführt werden, in dessen Mittelpunkt Du als neue Führungskraft stehst. Ziel ist es, mit Hilfe Deiner Selbstwahrnehmung, einer Einschätzung durch Deine Kollegen und der Führungsebene ein gesundes Bild Deiner Stärken und Schwächen zu erstellen. Nur mit konstruktivem Feedback und dem Abgleich der eigenen Vorstellungen mit den Ansichten anderer kannst Du Deine eigene Leistung verbessern. Wichtig ist natürlich auch der gesunde Umgang mit möglicher Kritik und die Umsetzung von Punkten, die verbessert werden können. So ebnest Du gleich zu Beginn den Weg zu mehr Vertrauen.

Das 360° Feedback ist Teil des PERMA-Lead Verfahrens, welchem das Führungskonzept des Positive Leadership zu Grunde liegt. Mit Stärkenorientierung und individuellem Engagement werden Mitarbeiter zufriedener und motivierter. Sie können somit außerdem viel zielgerichteter erfolgreich werden.

Meine Infografik fasst die wichtigsten Punkte zum Übergang vom Kollegen zum Vorgesetzten noch einmal zusammen. So gelingt’s!

Alle Informationen zu "Vom Kollegen zum Vorgesetzten" in einer übersichtlichen Infografik.

So überzeugst Du sie alle (oder zumindest die meisten)

Klar, aller Anfang ist schwer und (fast) keiner ist geborene Führungskraft. Die gute Nachricht: Führungskompetenzen können erlernt werden. Du wurdest nicht umsonst befördert, also lass Dich nicht entmutigen und sei Dir Deiner Stärken bewusst. Scheue Dich aber auch nicht davor, nachzufragen, wenn Du etwas nicht weisst.

Indem Du Verantwortung übernimmst, wertschätzend kommunizierst, Vertrauen schaffst und Deine Soft Skills unter Beweis stellst, wird sich die Anzahl Deiner Zweifler schnell verringern. Gute und positive Führung beginnt bei Dir selbst!

Warst Du schon mal in genau dieser Situation? Oder ist einer Deiner Kollegen vielleicht zum Vorgesetzten befördert wurden, was eure Beziehung verändert hat? Lass es mich in den Kommentaren wissen! Ich freue mich, von Deinen Erfahrungen zu hören!
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Filiz Scarcella ist eine energiegeladene, inspirierende und out of the Box denkende Business Coach|in, Buch-Autor|in und kreative Macherin. Sie zeigt Führungskräfte, Manager, Projektleiter und Unternehmer, wie sie mit ihrer Persönlichkeit punkten, wie sie sich selbst besser vermarkten und wie sie ihre Mitarbeiter zu Mitunternehmer machen.

Dazu hat sie verschiedene Coaching und Mentoringprogramme entwickelt und u.a. das Buch: Vorbildlich Führen geschrieben. Das Ganze wird unterstützt durch Mental-Selfness-Power, was in der Kombination im deutschsprachigen Raum einmalig ist.

Durch ihre Arbeit verhilft sie zu mehr Spass, Erfolg und Sinnhaftigkeit. Stärkenorientiertes Führen ist der Schlüsselfaktor für die neue Arbeitswelt. Filiz hat eine Mission – Sie unterstützt Menschen darin; positiver, selbstbestimmter und leistungsfähiger zu sein und dabei mehr Herz und Mut ins Businessleben zu bringen. Lerne Filiz Scarcella bei einem virtuellen Kaffe kennen. 

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