Positive Mindshift Beitragsbild - Willst Du noch oder machst Du schon?

Vom Wollen zum Tun – Der positive Mindshift

Filiz Scarcella Allgemein 2 Comments

Vor wenigen Wochen hielt ich eine Keynote. Vor fast 500 Leuten sprach ich ĂŒber meine ganz persönliche Geschichte. Mein Ziel war es zu inspirieren, Menschen anzuregen mit Mut die eigene FĂŒhrungspersönlichkeit zu entwickeln. Das hat auch funktioniert.

Nach dem Vortrag kam eine Dame zu mir. Sie stellte sich mit einem breiten Grinsen als Sandra aus MĂŒnchen vor. Sandra machte mir Komplimente und es trieb mir die Röte ins Gesicht. Sie sei nun super motiviert, will gleich morgen noch offene Entscheidungen treffen, mal Klartext mit ihrem Boss reden und sich endlich mehr Zeit fĂŒr sich selbst schaffen. „Darum geht es doch.”, sagte sie, „Sich selbst kennenlernen mit allen Kanten und Ecken, vor allem aber zu entdecken, wo die eigenen StĂ€rken liegen.” Ich stimmte ihr zu. Eine gesunde Selbstwahrnehmung ist die Basis fĂŒr so vieles. Emotionale Intelligenz, die WertschĂ€tzung fĂŒr andere, die eigene Motivation - alles baut darauf auf, dass wir wissen, wo wir jetzt stehen und wo wir hinwollen.

Am nĂ€chsten Tag lud mich Sandra auf LinkedIn in ihr Netzwerk ein und ich freute mich schon darauf, ihren Weg mitverfolgen zu dĂŒrfen. Dann erst einmal: Funkstille.

Gestern ergriff ich die Initiative und schrieb Sandra eine Nachricht. Wie es denn gelaufen sei, fragte ich. Wie viel hat sie von dem umgesetzt, was sie sich vorgenommen hat? „Um ehrlich zu sein
 Ich habe gar nichts geĂ€ndert. Es ist dann letztendlich doch an der Umsetzung der Ideen in den Alltag gescheitert. Das war einfach zu schwer, zu mĂŒhsam. Ich hĂ€tte echt meine Komfortzone verlassen mĂŒssen und dazu bin ich einfach noch nicht bereit.”, gestand sie.

Warum ist das so? Warum fÀllt uns der Schritt vom Wollen zum Tun so schwer?

Der tiefe Graben zwischen Wollen und Tun

Graben zwischen Wollen und Tun - Positive Mindshift

Du kennst ihn sicher selbst nur zu gut, den tiefen Graben zwischen Wollen und Tun, die LĂŒcke zwischen den gesetzten Zielen und dem eigentlichen Verhalten. Denk mal genau nach! Welche Beispiele fallen Dir ein?

  • Du willst Dich im nĂ€chsten Meeting mehr einbringen, sitzt dann aber doch da und senkst Deinen Blick auf Deine Kaffeetasse.
  • Du willst Dein eigenes Unternehmen grĂŒnden, sagst Dir dann aber, das Angestelltenleben sei doch nicht soooooo schlimm. Eine SelbststĂ€ndigkeit bringt schliesslich viel Risiko mit sich.
  • Du willst mehr Sport treiben, sitzt aber lieber auf dem Sofa und schaust die aktuelle Folge Game of Thrones.
  • Du willst zeitig ins Bett gehen, um morgen fit zu sein, bleibst dann aber doch bis zur letzten Runde in der Bar.
  • Du willst endlich etwas gegen Deinen Stress unternehmen und bei Deinem Chef öfter mal Grenzen setzen, nickst dann aber doch nur, als Dir Überstunden aufgebrummt werden.
  • 


FÀllt Dir auf, welches Wörtchen in jedem meiner Beispiele vorkommt? ABER.


 aber es ist zu schwierig, zu unbequem, zu teuer, zu risikoreich.

 aber ich kann das nicht, ich bin nicht gut genug, ich bin zu dick, zu dĂŒnn, zu unsportlich, zu dumm, zu 


Bildet das Wörtchen „Aber" den Graben zwischen Wollen und Tun?

Macht das Wörtchen ABER den Graben zwischen Wollen und Tun aus? Ja. Besser gesagt: Deine Einstellung, Dein Mindset erschafft die LĂŒcke zwischen Deinen Zielen und Deinem Handeln. Und Dein Mindset kann diese LĂŒcke schliessen.

Warum fÀllt es uns manchmal so schwer, Ziele in Taten zu verwandeln?

Oma sagte damals immer: „Wenn Du etwas wirklich willst, dann kannst Du es auch erreichen.” Ist das wirklich so? Nicht wirklich. Nur zu wollen - egal, wie sehr wir etwas wollen - reicht nicht aus. Goethe sagte es damals schon so schön:

„Es genĂŒgt nicht zu wissen, man muss auch anwenden.
Es genĂŒgt nicht zu wollen, man muss es auch tun.”

Wie kommst Du ĂŒber den Wollen-Tun-Graben?

Kannst Du Dich an das Kinderspiel „Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser” erinnern? Wir haben es damals oft gespielt.

Eine Person ist der Fischer. Er steht auf einer Seite des Spielfeldes, alle anderen ihm gegenĂŒber. Die Spieler rufen „Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser?” Der Fischer antwortet: „Eine Million Meter tief.” „Und wie kommen wir hinĂŒber?”, schreit es von der anderen Seite im Chor. „Im Krebsgang”, sagt der Fischer. Alle Spieler setzen sich in Bewegung. Im Krebsgang wird ĂŒber das Spielfeld gekrabbelt und versucht auf die andere Seite zu kommen, ohne vom Fischer gefangen zu werden. In der nĂ€chsten Runde denkt sich der Fischer einen neuen Weg aus, um ĂŒber das Wasser zu kommen: Auf einem Bein hĂŒpfen, auf allen vieren, rĂŒckwĂ€rts mit geschlossenen Augen.

Worauf will ich hinaus? Es gibt nicht nur einen Weg, um „das Wasser” oder eben den Graben zwischen Wollen und Tun zu ĂŒberwinden. Manchmal klappt es mit einem beherzten Sprung, manchmal mĂŒssen wir mĂŒhsam BrĂŒcken bauen und uns Schritt fĂŒr Schritt vortasten.

Positive Mindshift - BrĂŒcke zwischen Wollen und Tun

Jeder hat die Chance bei „Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser” zu gewinnen. Einzige Voraussetzung: Du spielst ĂŒberhaupt mit. Wenn Du von vornherein sagst, das sei doch alles albern und Du willst jetzt lieber auf dem Sofa sitzen, dann hast Du keine Chance. Dann kannst Du von drinnen hinaus schauen und die anderen Spieler beobachten, wie sie „das Wasser” ĂŒberwinden, aber Du wirst bleiben wo Du bist. Vielleicht willst Du ja genau das. Das ist in Ordnung. Niemand kann Dich zum Mitspielen zwingen. Dann verpasst Du allerdings eine ganze Menge Spass, Chancen und Erfolge.

Dein Mindset, also Deine Einstellung und Dein Denken halten Dich davon ab mitzuspielen und den Graben zu ĂŒberwinden. Vielleicht ist das so, weil Du gewisse Erfahrungen gemacht, oder von Grund auf ein geringes Selbstbewusstsein hast. Vielleicht hast Du Dir bestimmte GlaubenssĂ€tze angeeignet, von denen Du jetzt nicht mehr abweichen kannst. Vielleicht bist Du ganz einfach vom Charakter her eher trĂ€ge.

Was Du wirklich brauchst, um den Wollen-Tun-Graben zu ĂŒberwinden, ist ein positiver Mindshift.

Was ich unter einem positiven Mindshift verstehe?

Stellen wir uns das ganze mal bildlich vor. Du stehst auf der „Wollen”-Seite des Grabens. Wer bist Du jetzt? Welche IdentitĂ€t, welche Rolle nimmst Du an?

  • Jemand, der will, dass alles so bleibt, wie es ist
  • Jemand, der keine Talente hat
  • Jemand, der seine Ziele eh nicht erreicht
  • Jemand, der immer alles perfekt machen will, wirkliche Perfektion aber nie erreicht
  • Jemand, der sich um die Meinung anderer sorgt
  • 


Positive Mindshift - IdentitÀt mit Fixed Mindset

Alles relativ negative Beschreibungen, oder? Ist es Dir bereits unangenehm diese Gedanken einzugestehen? Sandra, von der ich Dir zu Beginn erzĂ€hlte, hatte diesen Punkt richtig erkannt: Eine gesunde Selbstwahrnehmung ist die Basis fĂŒr so viele Dinge - auch fĂŒr einen Mindshift. Nur wer die eigenen negativen GefĂŒhle ĂŒberhaupt wahrnimmt, kann sie auch transformieren.

Zur Deiner Selbstwahrnehmung gehört auch zu wissen, welche Werte Du vertrittst. Sie geben Dir eine Richtung an und dienen als Orientierung fĂŒr alle Ziele, die Du Dir im Leben setzt.

Nun begeben wir uns einmal auf die andere Seite des Grabens. Wer bist Du hier?

  • Jemand, der selbstbewusst und eigenverantwortlich lebt
  • Jemand, der Klartext spricht
  • Jemand, der seine Ziele erreicht und sich stetig neue setzt
  • Jemand, der gute zwischenmenschliche Beziehungen zu anderen fĂŒhrt
  • Jemand, der authentisch ist
  • 


Positive Mindschift - Ins Handeln kommen mit Growth Mindset

Unter einem positiven Mindshift verstehe ich dem Wechsel von einem zum anderen Mindset. Das Umdenken. Das BrĂŒcke-Bauen. Das „den-ersten-Schritt-machen”. Ein Mindshift erfordert Mut und Konsequenz.

5 Schritte fĂŒr einen positiven Mindshift

Schritt 1: Erreichbare Ziele, basierend auf Deinem „Warum”

Was willst Du erreichen?

Setze Dir Ziele nach dem SMART-Prinzip:

  • S - Spezifisch und so konkret wie möglich
  • M - Messbar
  • A - Attraktiv
  • R - Realistisch
  • T - Terminierbar

Teile Dir diese Ziele ruhig in Teilziele ein. Du kannst ruhig langsam und Schritt fĂŒr Schritt gehen, hauptsache ist, Du lĂ€ufst ĂŒberhaupt los.

Dann frage Dich ganz bewusst nach den GrĂŒnden, warum Du dieses Ziel erreichen oder Dein Verhalten Ă€ndern möchtest! Was ist Dein „Warum”? Siehst Du wirklich, wirklich einen Sinn in der Erreichung Deines Zieles?

Schritt 2: Schritt fĂŒr Schritt und mit Wenn-Dann PlĂ€nen

Gewohnheiten bilden sich, indem eine Handlung immer und immer wieder wiederholt wird. Irgendwann lĂ€uft jedes mal dann ein Verhaltensprogramm ab, wenn Du einen Auslöser wahrnimmst. Du musst wahrscheinlich ĂŒber Deinen Weg zur Arbeit nicht mehr nachdenken, weil Du ihn bereits so hĂ€ufig gefahren bist. Du musst nicht mehr ĂŒberlegen, wie Du SchnĂŒrsenkel bindest, weil Du es gelernt hast und weil Du es jeden Tag machst, nachdem Du die Jacke vom Haken genommen und sie angezogen hast.

Egal ob Du ein wiederkehrendes, neues Verhalten in Deinen Alltag integrieren oder aber ein einmaliges Ziel erreichen möchtest - Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Und der ist meist der Schwierigste.

Wenn-Dann-PlĂ€ne können beim Formen neuer Routinen helfen. Statt Dir lediglich vorzunehmen im Meeting aktiver zu werden, kannst Du Dir ein Thema herauspicken, mit dem Du Dich gut auskennst. „Wenn wir ĂŒber Projekt xy sprechen, werde ich mich mit xyz zu Wort melden. Je klarer Dir der nĂ€chste Schritt ist, desto leichter wird es Dir fallen, ins Handeln zu kommen. Belohne Dich selbst, wenn Du erreichst, was Du Dir vorgenommen hast.

Positive Mindshift - Lerne die Gewohnheitsschleife kennen

Schritt 3: Stelle Dir Deine Zweifel, Deine negativen GlaubenssÀtze und Gedanken als eine Art Stimme vor.

Sitzt Du auf der Seite des „Wollens” fest und kommst nicht weiter, dann stell Dir Dein Mindset in Deinem Kopf als einen kleinen, fiesen Typen vor. Er meldet sich immer dann zu Wort, wenn Du an Dir selbst zweifelst. Er wird immer dann besonders laut, wenn es unbequem wird und Du Deine Komfortzone verlassen mĂŒsstest.

Moment mal! Willst Du Dir wirklich von diesem kleinen Mann etwas sagen lassen? Du hast die Wahl! Nimm Deine negativen Gedanken wahr und hinterfrage sie. Wenn Du realisierst, dass es DEIN Mindset ist, dass Dich handeln bzw. zögern lĂ€sst, holst Du Dir die Kontrolle zurĂŒck.

Schritt 4: Sei konsequent

Hier kommt, was Du sicher nicht hören möchtest: Um einen positiven Mindshift durchzufĂŒhren, Deine Ziele zu erreichen und erfolgreich zu sein, ist Konsequenz und Disziplin gefragt. Punkt.

Schritt 5: Umgib Dich mit Menschen, die bereits auf der Tun-Seite stehen

Umgibst Du Dich nur mit Menschen, die auf der Wollen-Seite stehen und die nie, nie, niemals „Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser” spielen wĂŒrden, dann wird Dir ein positiver Mindshift schwer fallen. Erweitere Dein Netzwerk und finde Menschen, die Dich wirklich inspirieren!

Wie sieht Dein Mindshift aus?

Wir sind alle unterschiedlich. Wir alle haben unterschiedliche Voraussetzungen, unterschiedliche Erfahrungen und GlaubenssĂ€tze. Es gibt kein 1x1 fĂŒr einen positiven Mindshift. Auch wenn es nicht ausreicht, nur zu Wollen - mit dem Wollen fĂ€ngt es trotzdem immer an.

Wie könnte Dein Mindshift aussehen?

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Comments 2

  1. Liebe Filiz,
    dein Bolg ist wieder wie immer, grossartig dargestellt.
    Ich freu mich immer auf deine BeitrÀge.

    Ich sehe bei vielen jungen und auch etwas Ă€lteren Menschen das Thema VersagensĂ€ngste, sich zu plamieren, in eine falsche Richtung zu gehen. Was passiert mir, wenn das ein Fake News, eine vorgetĂ€usche Falschmeldung ist. Viele Mensche tun sich sehr schwer, das Gute vom Schlechten zu unterscheiden. Die viele Informationen die wir Menschen bekommen ĂŒberfordern uns sehr. Aus dieser Angst sich zu plamieren, entscheiden wir uns fĂŒr die PassivitĂ€t. PassivitĂ€t ist Stillstand, so entsteht die 0-Bock Generation. Stillstand = RĂŒckschritt.
    Die Menschen scheuen sich Fehler zu machen. Sich in der Gesellscahft zu plamieren ist etwas vom Allerschlimmsten bei uns Menschen.
    Unser Schulsystem erlaubt keine Fehler, unsere Eltern erlauben keine Fehler usw.
    Ich bin seit vielen Jahren Skitrainer in einem Skibezirk in Vorarlberg. Ich möchte, dass meine Athleten Fehler machen, Grenzerfahrungen machen und daraus lernen. Nur wer ĂŒber seine Komfortzone in die Entwicklungszone, ja auch mal in die Chaoszone geht, kann schnell lernen und Niederlagen meistern.
    Das ist einer unser gesellschaftlichen Herausforderungen die wir zu meistern haben.
    Den Mut zu Fehlern zu haben und sich nicht zu wichtig zu nehmen, authent zu sein.
    Die Menschen lieben uns wegen den SchwÀchen und nicht wegen den StÀrken.

    Plamiere dich 2xtÀglich und das Leben macht viel mehr Spass.

    So sehe ich Entwicklung, Freiheit, Selbsbestimmung und GlĂŒck <3

    Alles Liebe,
    dein GĂŒnter

    1. Lieber GĂŒnter

      danke Dir sehr fĂŒr Deinen Kommentar und die schöne AusfĂŒhrung dazu. Du hast recht, es braucht auf jeden Fall mehr Mut zu Fehlern. Doch was ist mit all den Jugendlichen, die nie selbst Fehler machen durften oder niemals sich selbst erlaubt haben zu blamieren?

      Und genau das ist mein Leitsatz seitdem ich selbstĂ€ndig bin.. blamiere Dich mindestens 1x pro Tag und Du wirst erfolgreich und frei. Das hat Mut gekostet. Wurde dafĂŒr aber reich belohnt.

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