Von der Kunst der Selbstvermarktung

Filiz Scarcella Allgemein Leave a Comment

Du wĂŒrdest diesen Artikel nicht lesen, Du wĂŒrdest mir nicht auf LinkedIn, Facebook oder sonst wo folgen, Du wĂŒrdest mich möglicherweise nicht einmal kennen, wĂŒrde ich keine Selbstvermarktung betreiben. Selbstver.. Was? 

Um in das Thema einzusteigen, komm auf eine gedankliche Zeitreise mit mir! Lange bevor es Online-Shops, Next Day Delivery und virtuelle KonferenzrĂ€ume gab, verkauften HĂ€ndler ihre Ware an die Menschen, die sich in der Reichweite ihres Ladens befanden. Oft gab es einen BĂ€cker im Ort, zu dem Dorfbewohner jeden Morgen kamen: „Guten Morgen Kurt, was machen die Enkel? Hat sich denn Deine Ute von ihrer ErkĂ€ltung erholt?“ 

Wir kannten uns viel persönlicher. Wir kannten unsere Nachbarn und eben auch diejenigen, mit denen wir GeschÀfte machten. Es gab Beziehungen zwischen VerkÀufern und Endkunden. War einem der Ladenbesitzer sympathisch, gingen wir gern wieder zu ihm und wieder und wieder. 

Keine Sorge, das wird keiner dieser „FrĂŒher war alles besser“-Artikel. So bin ich dann doch nicht drauf. Aber in einigen Dingen bin ich eben (gern) ein wenig altmodisch. Ich schreibe Briefe, wenn ich eine liebe Person ĂŒberraschen möchte. Ja, so richtig per Hand, mit Briefmarke anlecken und allen drum und dran. Ich koche jeden Tag selbst, was fĂŒr viele wahrscheinlich normal, fĂŒr andere aber schon fast oma-haft ist. Und - jetzt kommen wir zum wichtigsten Punkt - ich liebe so richtig persönliche Interaktionen. Ich liebe Menschen.

Damit bin ich nicht allein. Auch wenn wir heute in einer digitalen Zeit leben und GeschĂ€fte nicht mehr nur in unserem Dorf, sondern ĂŒberall auf der Welt abwickeln können, ist eines doch klar: Wir brauchen Beziehungen. Wir sind emotional. Wir wollen uns mit Menschen vernetzen, anderen Menschen folgen, mit Menschen kommunizieren und von Menschen, statt von Maschinen kaufen. 

Das bedeutet wiederum, dass Du als VerkĂ€ufer diese Beziehungen schaffen musst, wenn Du das Vertrauen Deines GegenĂŒber gewinnen und ĂŒberzeugen willst. 

Selbstvermarktung fĂŒr bessere Beziehungen und mehr Erfolg

Wann verkaufst Du?

„Ich bin aber doch kein VerkĂ€ufer. TschĂŒss, Filiz.“ – Moment noch, bevor Du diese Seite schliesst. Ja, auch Du verkaufst. Vielleicht nicht im klassischen Sinne, aber jeder von uns kommt doch irgendwann an den Punkt, an dem es gilt, uns selbst zu verkaufen – in einem VorstellungsgesprĂ€ch mit einem neuen Arbeitgeber, in einer Projekt-PrĂ€sentation vor Deinem Team und selbst dann, wenn wir die neue, nette Bekanntschaft aus der Bar zu einem Date ĂŒberreden wollen. Du verkaufst stĂ€ndig, auch wenn Dir das so vielleicht gar nicht bewusst ist. Es stellt sich also die Frage, wie Du zu einem richtig guten VerkĂ€ufer wirst. 

In einem „VerkaufsgesprĂ€ch“, egal wie das aussieht, kannst Du Dich entweder darauf verlassen, dass Deine Erfolge fĂŒr Dich sprechen (was nur selten funktioniert) oder Du kannst ganz bewusst ĂŒber Deine Leistung sprechen. 

Ein Zitat, welches oft fĂ€lschlicherweise Wilhelm Busch zugesprochen wird, lautet: „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.“ Diese Redensart trifft hundertprozentig zu, auch und vor allem, wenn es darum geht etwas, oder Dich selbst zu verkaufen. 

Willst Du etwas verkaufen, musst Du anderen davon erzÀhlen, musst klarmachen, welches Problem Dein Angebot lösen kann. Du musst werben. Geht es darum, Dich selbst zu verkaufen, sprechen wir hier von Selbstvermarktung oder auch Self Marketing. 

Was ist Selbstvermarktung?

Selbst- oder Eigenvermarktung mag zuerst kompliziert klingen, ist es aber gar nicht. Stell Dir vor, Du hĂ€ttest Produkt, sagen wir einfach, ein Fahrrad vor Dir und es sei Deine Aufgabe das Velo zu verkaufen. Wie wĂŒrdest Du die ganze Sache angehen? Was musst Du ĂŒber Dein Bike wissen, damit Du es erfolgreich vermarkten kannst?

Du wĂŒrdest Dir ĂŒberlegen, was Dein Fahrrad so einzigartig und genial macht. Ist es fĂŒr etwas besonders geeignet? Du sprichst ĂŒber die Farbe, den stabilen Rahmen, den bequemen Sattel und die vielseitige Gangschaltung. Jeden HĂŒgel können Deine potenziellen KĂ€ufer mit diesem Fahrrad erklimmen. Sie können es nutzen, um zur Arbeit zu radeln, um am Wochenende AusflĂŒge zu machen und Abenteuer zu erleben. Je mehr Du selbst von Deinem Bike ĂŒberzeugt bist, desto besser wirst Du es verkaufen können.

Nun, ĂŒbertrage diese Strategie auf Dich selbst. Beginne mit Deiner Selbstwahrnehmung. Was macht Dich einzigartig und genial? Was kannst Du besonders gut? Was kannst Du anderen von Dir erzĂ€hlen? Wieder gilt: Je ĂŒberzeugter Du von Deinen eigenen FĂ€higkeiten bist, desto besser kannst Du Dich selbst verkaufen. Selbstvermarktung beginnt mit Selbstbewusstsein. 

Sobald Du Dir ĂŒber all Deine StĂ€rken und SchwĂ€chen, Eigenschaften, Kompetenzen, Deine Einzigartigkeit und GenialitĂ€t bewusst bist, kannst Du Dir daraus Deine eigene Marke erschaffen – Deine Personal Brand.

Personal Branding – Die Marke „Du“

Jedes Produkt gehört zu einer Marke und die hat wiederum spezifische Eigenschaften, Dinge und GefĂŒhle, die Menschen mit ihr verbinden. Welche GefĂŒhle kommen zum Beispiel auf, wenn Du an Haribo denkst? Was bedeuten die Marken Mr. Proper, Toblerone und Volkswagen fĂŒr Dich? 

Ähnlich verhĂ€lt es sich, mit Deiner persönlichen Marke. Jeder von uns ist eine solche und jeder von uns bestimmt, wie sie aussehen soll. Was sollen andere Menschen ĂŒber Dich sagen, wĂ€hrend Du nicht im Raum bist? Welche Kompetenzen sollen andere mit Dir in Verbindung bringen?

Zuerst solltest Du Dir also ĂŒberlegen, wie Deine positive Marke aussehen soll. Ohne Produkt, ohne etwas, das es zu verkaufen gilt, brauchen wir auch kein Marketing. Die Frage ist also: Was hast Du zu bieten? Und ja, jeder, jeder, jeder von uns hat etwas zu bieten. Was sind Deine persönlichen Werte? Willst Du als humorvoll oder seriös wahrgenommen werden? 

Was ist Selbstvermarktung?

Die Sache ist, wenn Du Dir keine eigene Marke kreierst, wird es ein anderer fĂŒr Dich machen. Mal fix ein Label drauf gepappt, mal fix in eine Schublade geschoben – das machen wir schliesslich nur zu gern. 

Beim Personal Branding und bei der Selbstvermarktung geht es nicht darum, eine Show abzuliefern und in eine Rolle zu schlĂŒpfen, sondern darum, durch Deine Selbstwahrnehmung eine positive Fremdwahrnehmung zu generieren.

Selbstvermarktung – eine Gratwanderung?

Denken wir darĂŒber nach, wie wir uns am besten selbst vermarkten, fĂ€llt uns spontan eine offenbar scheinende Taktik ein: Wir wollen, dass wir den bestmöglichen Eindruck hinterlassen. Wir wollen als Experte angesehen werden, als jemand, zu dem andere aufblicken. Hier, schaut mich alle an! Hier, ich bin’s, in meinem glitzernden Gewand und mit meiner goldenen Krone!

Stopp! Genau so funktioniert Selbstvermarktung eben nicht. Niemand mag mega Angeber und Klugscheisser leiden. Besteht Dein Self Marketing nur daraus, dass Du jeden, den Du triffst auf Deine funkelnden Titel, Dein fettes Portemonnaie und Deine Villa aufmerksam machst, gewinnst Du höchstens Neider, aber keine Fans. Beginnt jeder Deiner SĂ€tze mit „Ich“, wird Dir ĂŒber kurz oder lang keiner mehr zuhören. LĂŒgst Du, um besser dazustehen, wird Dir am Ende niemand mehr glauben – auch dann nicht, wenn Du tatsĂ€chlich etwas Gutes getan hast. 

Und dann gibt es da die Kehrseite, die Menschen, die auf der anderen Seite des Zaunes leben. Diejenigen, denen von Kindesbeinen auf erzĂ€hlt wurde, sie sollten immer schön den Blick nach unten richten, Kopf zwischen den Schultern, ja nicht negativ auffallen. Komplimente sind ihnen unangenehm und sie betrachten Bescheidenheit als die grösste Tugend. FĂŒr diese Leute ist es undenkbar, auch nur ein positives Wort zu viel ĂŒber die eigenen Kompetenzen zu verlieren. Sie werden (leider) hĂ€ufig schlichtweg ĂŒbersehen und sie erhalten nicht die Anerkennung, die ihnen zusteht, ganz einfach, weil niemand weiss, was sie eigentlich leisten. 

In der Mitte zwischen den Typen „Mega Angeber“ und „MauerblĂŒmchen“, da kannst Du Deine eigene Marke aufbauen. Da kannst und sollst Du ĂŒber Deine StĂ€rken sprechen, stolz auf all das sein, was Du bisher erreicht hast und andere wissen lassen, was gerade Dich so genial macht. Denn genau darum geht es bei der Selbstvermarktung. 

Deine Strategie zur Selbstvermarktung

Erfolgreiches Produkt-Marketing braucht eine Strategie und genauso verhÀlt es sich bei der Selbstvermarktung. Sitzt Du nur am Ufer eines Teiches und wartest, wirst Du keinen Fisch fangen. Du musst schon eine Angel oder Dein Netz auswerfen, den richtigen Köder wÀhlen und dann dranbleiben, damit Du keinen fetten Fang verpasst. 

Was kannst Du sonst noch tun? Wie sieht Deine Selbstmarketing-Strategie aus?

  • ErzĂ€hle Deine Story!

    Emotionen verkaufen. Auch wenn Dir das vorerst nicht leicht fallen mag: ErzĂ€hle Deine Geschichte! Lass andere wissen, welchen Weg Du hinter Dir und welche HĂŒrden Du ĂŒberkommen hast! Was hat Dich zu der Person gemacht, die Du heute bist? Deine Story ist ein wichtiger Teil Deiner Strategie zur Selbstvermarktung und Du solltest Dich nicht davor scheuen, auch hier aufrichtig zu sein.

  • Auffallen statt anpassen

    MauerblĂŒmchen, graue MĂ€uschen und Followers gibt es da draussen zur GenĂŒge. Verstecke Dich nicht! Spreche Klartext und melde Dich zu Wort, wenn Du etwas zu sagen hast. Du bist genial, Du bist einzigartig – das darfst Du gern jeden wissen lassen. Niemand anderes hat die gleiche Erfahrung, das gleiche Wissen, die gleichen Eigenschaften wie Du.

  • Mache klar, wofĂŒr Du stehst!

    Wie zuvor erwĂ€hnt, suchen wir alle nach diesen menschlichen, persönlichen Beziehungen. Oft werden diese geschaffen, wenn zwei oder mehrere Personen ein gemeinsames Ziel haben und fĂŒr dieselbe Sache einstehen. Was ist Dir wichtig? Mach anderen klar, wofĂŒr Du einstehst und sorge so dafĂŒr, dass Deine Leidenschaft ein Teil Deiner Personal Brand wird.

  • Übernimm Verantwortung, auch fĂŒr Dich selbst!

    Du kannst den Kopf einziehen, Du kannst vor Aufgaben zurĂŒckschrecken oder Du kannst losziehen, Deine Komfortzone verlassen und Verantwortung ĂŒbernehmen. Dein Umfeld wird wahrnehmen, wie Du Dich verhĂ€ltst. Das gilt auch dann, wenn etwas schiefging. Stehst Du zu einem Fehler oder versuchst Du ihn zu vertuschen? Sprich mit Deinen Kollegen, Arbeitgebern und Kunden offen und klar darĂŒber, dass Du Verantwortung ĂŒbernimmst. Doch vergiss nie: Action speak louder than words.

  • Sei authentisch!

    Glaub mir, andere werden merken, wenn Du tagein, tagaus nur eine Rolle spielst. Kennst Du Dich zu einem Thema nicht aus, dann ist das kein Drama, solange Du nicht vorgibst, ein Experte zu sein. Bist Du in den sozialen Medien eine total andere Persönlichkeit als im „normalen“ Leben? Dann wird das auf Dauer sicher ganz schön anstrengend. Sprich lieber offen ĂŒber Deine StĂ€rken und Erfolge – bist Du ehrlich, hat das nichts mit Angeberei zu tun.

  • Mache auf Deine Marke aufmerksam!

    Nutze soziale Netzwerke, virtuelle Gruppen oder gar eine eigene Webseite, um andere auf Deine Personal Brand aufmerksam zu machen! Wir haben glĂŒcklicherweise heute zahlreiche Möglichkeiten, um mit nur einem Klick viele Menschen auf einmal zu erreichen. Nutze dies als Chance fĂŒr Dich!

  • Bleibe kontinuierlich!

    Egal ob auf Deinem Lebenslauf, im GesprĂ€ch mit neuen Kontakten oder auf Deiner Webseite – sorge dafĂŒr, dass Deine Marke ĂŒberall einheitlich ist, Du ĂŒberall einen Ă€hnlichen „Tone of Voice“ verwendest und Dein Selbstmarketing eine klare Nachricht sendet.

  • Netzwerke!

    Sei offen dafĂŒr, neue Menschen kennenzulernen! Wer weiss, welche Möglichkeiten sich durch neue Kontakte in Deiner Zukunft ergeben werden. Klar, das kostet Zeit und MĂŒhe, lohnt sich aber fĂŒr die richtigen Personen garantiert.

Selbstvermarktung macht Dich zum People Magnet

Du kannst dafĂŒr sorgen, dass Deine Personal Brand ĂŒberzeugt, denn gute Marken setzen sich immer durch. Erschaffe Dir Deine Strategie zur Selbstvermarktung! Tue Gutes und sprich darĂŒber! 

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