Lob - Hudelei oder wichtig - Beitragsbild

Warum echte Anerkennung wichtiger ist als Lob

Filiz Scarcella Allgemein Leave a Comment

Dein Chef kommt zu Dir, klopft Dir auf die Schulter: „Gut gemacht. Die Ergebnisse des aktuellen Projektes sind wunderbar.” Er dreht sich auf den Fersen um und ist genauso schnell wieder verschwunden, wie er erschienen war.

Röte steigt Dir ins Gesicht, ein wohlig warmes GefĂŒhl in den Magen, ein LĂ€cheln auf den Lippen - Lob ist Labsal fĂŒr die Seele. Trotzdem bleibt fĂŒr viele ein fader Beigeschmack. Lob kann als sĂŒsses Gift verpackt, als Manipulation gesehen werden, ist aber immer eine Bewertung „von oben”.

AbhĂ€ngig von der QualitĂ€t und dem Ton des Lobs, können uns die nett-gemeinten Worte sogar wieder zum Kind werden lassen, dass nach der BestĂ€tigung der Eltern sucht. Noch extremer ausgedrĂŒckt, könnten wir sogar sagen, dass Lob abwertend und gefĂ€hrlich sein kann - wie ein kĂŒhles Glas Weisswein, dass nach einem langen Arbeitstag so gut schmeckt, uns aber schnell abhĂ€ngig macht und am nĂ€chsten Tag fĂŒr Kopfschmerzen sorgt.

Lob hat Vor- und Nachteile - auf den aufrichtigen Ton kommt es an.

Wir sehnen uns danach, gelobt zu werden.

Trotz allem sehnen sich viele Mitarbeiter danach, von ihren Vorgesetzten hĂ€ufiger gelobt zu werden. Laut einer Umfrage von Sodexo gaben fĂŒnf Prozent der Befragten an, nur Kritik zu hören zu bekommen. Die direkte Folge aus diesem Lob-Defizit ist, dass sich Mitarbeiter von ihren Vorgesetzten nicht wertgeschĂ€tzt fĂŒhlen. Sie kommen schnell zu dem Schluss, der Chef wĂŒrde die Leistung nicht anerkennen und die Motivation sinkt in den Keller. Fehler werden vertuscht und der Arbeitsalltag mit MittelmĂ€ssigkeit durchgezogen. Warum soll ich mich denn auch abrackern, wenn es eh nichts zu bringen oder nicht anzukommen scheint?

NatĂŒrlich liegen auch hier, wie so oft, Selbst- und Fremdwahrnehmung weit auseinander. Zwar sagen Mitarbeiter, sie wĂŒrden kein oder nicht genĂŒgend Lob erfahren, FĂŒhrungskrĂ€fte behaupten aber das Gegenteil. Woran liegt das? Daran, dass die QualitĂ€t, der Ton, die Aufrichtigkeit des Lobes entscheidet, nicht die QuantitĂ€t.

Zu wenig Lob: Viele Mitarbeiter sagen, sie werden mehr kritisiert als gelobt.

Viel, viel wichtiger aber noch, als lobende Worte ist echte Anerkennung. Das ist doch dasselbe? Falsch gedacht! Es gibt da die kleinen grossen Unterschiede zwischen Lob und Anerkennung.

Lob und Anerkennung unterscheiden sich.

Anerkennung ist der Oberbegriff. Sie ist ein menschliches BedĂŒrfnis, ein ganz natĂŒrliches Verlangen.

Lob kann zur Anerkennung gehören, muss es aber nicht. Statt einer konkreten Handlung, einem vollbrachten Erfolg, wird die Person und deren Einsatz betrachtet - ohne Agenda, ohne Zielrichtung und auch dann, wenn das Ergebnis mal nicht so gut ausfĂ€llt. Anerkennung kann von oben nach unten, von links nach rechts, von unten nach oben erfolgen. Sie ist emotional, mehr eine Art Grundhaltung einem anderen GegenĂŒber statt einer spontanen WertschĂ€tzung.

Lob ist nur ein Teil von Anerkennung.

Jeder ist fĂŒr die Anerkennungskultur im Unternehmen zustĂ€ndig.

Nicht nur Mitarbeiter bekommen die Anerkennungs- und Lobes-DĂŒrre zu spĂŒren. Auch FĂŒhrungskrĂ€fte, GeschĂ€ftsfĂŒhrer, alle Menschen haben das natĂŒrliche BedĂŒrfnis nach Anerkennung.

Die Anerkennungskultur sollte von jedem Angestellten getragen werden, nicht nur von der FĂŒhrungskraft allein. Gerade heute, wenn Hierarchien immer flacher werden und Mitarbeiter aus dem Home Office aus arbeiten, sollte das Thema „Anerkennung” so richtig verinnerlicht werden.

Du kannst Deinen Kollegen loben, Deinem Vorgesetzten ein Kompliment machen - Hauptsache, es ist ernst gemeint und aufrichtig. „Na, schön das Du das Projekt auch endlich mal fertiggestellt hast.”, ist kein Lob und die Ironie tropft nur so aus der Aussage. Es geht nicht nur darum was, warum und wie viel gelobt wird, sondern vor allem auch um das WIE.

Lobhudelei bringt uns nicht weiter. Dein GegenĂŒber wird merken, wenn Du nicht ehrlich bist, genau wie Du es sicher spĂŒrst, wenn ein Lob nicht wirklich aufrichtig ist.

6 Regeln fĂŒr mehr Anerkennung und richtiges Loben

  1. Die Basis: Dein ehrliches Interesse fĂŒr Deine Mitarbeiter und Kollegen
    Wahre Anerkennung und WertschĂ€tzung kann ohne Interesse an Deinem GegenĂŒber nicht entstehen. Frage nach, finde heraus, was die StĂ€rken Deiner Mitarbeiter sind und wie sie arbeiten! Gib regelmĂ€ssig Feedback und halte Dich ĂŒber die Ergebnisse Deiner Mitarbeiter auf dem Laufenden! Wie willst Du aufrichtig loben, wenn Du nicht einmal weisst, was in Deinem Team vor sich geht.

    2. Lob und Anerkennung muss aufrichtig und ehrlich sein
    Jetzt kommt hier die Filiz daher und erzÀhlt Dir Du sollst mehr loben. Na prima, dann geht es eben morgen los und Lob wird gleich mal mit der Giesskanne ausgeteilt. Moment mal, so nun auch nicht! Nutze Lob nicht als Mittel zum Zweck, nicht als Manipulation sondern nur dann, wenn Du wirklich begeistert von der Leistung des andern bist. Erkenne den Einsatz Deiner Mitarbeiter an, ohne Agenda, ohne Ziel.

    3. Auf die Kommunikation - verbal und nonverbal - kommt es an
    DrĂŒcke Dich so konkret aus, dass der Andere ganz klar versteht, womit das Lob verdient wurde. Mit pauschalen Aussagen lĂ€sst sich selten etwas anfangen. Ersetze ein „gut gemacht” doch mal mit einem „Das Ergebnis ist wirklich klasse geworden, Du hast es noch vor dem Termin fertiggestellt und die Erwartungen sogar ĂŒbertroffen. Ich bin stolz darauf, Dich im Team zu haben und freue mich ĂŒber Deinen Einsatz. Danke.” Klingt fĂŒr Dich nach Lobhudelei? Ja, die ist es, wenn es nicht ernst gemeint ist. Ist die Anerkennung und das Lob aufrichtig und kommt an, dann motiviert es ungemein und vor allem auch langfristig.

Aufrichtiges Lob motiviert Mitarbeiter.

Sei ehrlich, ĂŒbertreibe nicht, aber spiele auch nichts herunter - Deine Gedanken werden Dir eh ins Gesicht geschrieben sein.

4. Zeige GefĂŒhle
Du bist so richtig, richtig begeistert von der Leistung oder dem Verhalten Deines Kollegen? Dann lasse es ihn auch spĂŒren. Schaue Deinem GegenĂŒber in die Augen und zeig mal so richtig GefĂŒhle.

5. Kombiniere Lob nicht mit Kritik
Viel, viel zu oft wird Lob im gleichen Satz mit Kritik, mit einer EinschrĂ€nkung ausgesprochen. So oft sogar, dass es fĂŒr diese Art der Kommunikation einen Begriff gibt: Sandwich-Kritik. „Du hast das wirklich gut gemacht, aber 
”. Das negative Feedback wird zwischen zwei Lagen herrlich weiches Brot gepackt und dann tut es auch gleich nicht mehr so weh. Lob, Kritik, dann wieder Lob - Damit auch ja kein fader Nachgeschmack entsteht. Am Ende bleibt von beiden nicht viel hĂ€ngen. Die eigentliche Botschaft wurde total aufgeweicht und der Mitarbeiter hat den Eindruck, die Kritik sei der eigentliche Anlass fĂŒr das GesprĂ€ch gewesen.

Kritik als Lob verpackt wird Sandwich-Kritik genannt.

Spreche Deine Gedanken und Dein Feedback lieber ganz offen, klar und konstruktiv an. Bleibe positiv, transparent und starte einen Dialog! Erst wenn Du beginnst Kritik als eine Chance zur Verbesserung anzusehen und Dich nicht davor fĂŒrchtest, den anderen zu verletzen, kann das Gesagte auch wirklich ankommen. Dein Mitarbeiter kann die Wahrheit vertragen, das verspreche ich Dir. Konzentriert Euch ganz auf die Lösung, nicht das Problem selbst und streiche das Wörtchen „aber” gleich aus Deinem kompletten Wortschatz.

6. Passe das Lob dem Mitarbeiter an
Die Grundvoraussetzung ist hier wieder Punkt Nummer 1: Dass Du aufrichtiges Interesse an Deinen Kollegen zeigst. Lerne die Charaktere, die mit Dir arbeiten kennen und finde heraus, wer eher introvertiert, wer eher extrovertiert ist. Nicht jedem ist es angenehm vor versammelter Mannschaft beim Meeting gelobt zu werden. Zudem kann öffentliches Lob als Kritik fĂŒr einen anderen Kollegen aufgefasst werden. Nimm Dir also lieber die Zeit fĂŒr ein persönliches GesprĂ€ch unter vier Augen. Das klingt irgendwie aufwendig? Ganz und gar nicht, wenn Du Lob immer gleich zeitnah und nicht gesammelt im JahresendgesprĂ€ch aussprichst.

Lob kann sĂŒchtig machen

Auch wenn wir uns nach Lob und Anerkennung sehnen, wir sollten nie sĂŒchtig danach sein! Mach Dich nicht selbst von jemand abhĂ€ngig, sondern erinnere Dich, wozu Du Deinen Job machst! Verliere Deine Kunden nicht aus dem Auge und orientiere Dich an ihren WĂŒnschen. Siehst Du einen Sinn darin? Lebst Du Deine Werte, arbeitest Du auf eine Vision hin? Ja? Sicherlich weisst Du eigentlich ganz gut selbst, wann Du gute Leistung vollbracht hast. Dann lasse es nicht so weit kommen, dass Lob die Karotte ist, die vor Deiner Nase baumeln musst, damit Du Dich in Bewegung setzt.

Welche Erfahrungen hast Du gemacht? Teile diesen Beitrag gern auch mit Deinem Netzwerk. Vielleicht erreicht er ja jemanden, den dieses Thema gerade beschÀftigt.

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